Kolumne

Damit Sie nicht rot sehen ...


Thomas Wollstein
Januar 2002


Nachdem ich Ihnen im letzten Beitrag die Grundlagen der IR-Fotografie vermittelt, einige sich hartnäckig haltende Märchen als solche identifiziert und versucht habe, Ordnung in den mitunter unüberschaubar anmutenden Wirrwarr der verschiedenen erhältlichen IR-Filter zu bringen, möchte ich Ihnen im vorliegenden Artikel etwas über

  • die Hardware, d.h. Kameras und Objektive, und
  • einige praktische Aspekte der IR-Fotografie

nahe bringen.

Kameras

Zunächst die gute Nachricht: Sehr viele Kameras sind - manche besser, manche weniger gut - für IR-Fotografie geeignet. Es gibt ein paar Einschränkungen, die ich nachfolgend aufzählen möchte. Bitte gewinnen Sie dadurch nicht den Eindruck, dass IR-Fotografie so furchtbar problematisch wäre, dass Sie es besser gleich bleiben lassen. Probleme treten insgesamt nicht sehr oft auf. Ich liste die möglichen Tücken nur auf, damit Sie ein paar Anhaltspunkte haben, sollten Sie einmal in die Verlegenheit kommen, sich auf Fehlersuche begeben zu müssen. Es wird immer wieder behauptet, Kunststoffkameras und Balgenkameras seien ungeeignet, jedoch stellt sich die Frage, ob das nicht eine Ente ist, die ein Autor vom nächsten abschreibt, weil sie so schön plausibel klingt. Durch Bilder, die Marco Pauck [2] mit einer Horizon 202 Panoramakamera (Gehäuse praktisch ganz aus Kunststoff) aufgenommen und im Internet veröffentlicht hatte, fühlte ich mich ermutigt, selber zu experimentieren. Sowohl meine geliebte Minox 35 [Kunststoff (Makrolon), aus Gewichtsgründen noch dazu dünner] als auch die besagte Horizon sind IR-tauglich. Marco Pauck teilte mir persönlich mit, dass auch ihm kein Fall bekannt sei, wo eine Kunststoffkamera Probleme verursacht hätte.

Mit Balgenkameras entsprechende Experimente durchzuführen hatte ich noch keine Gelegenheit, bin jedoch zuversichtlich, dass auch diese IR-tauglich sein könnten. Sollten Sie bei Experimenten mit einer Balgen- oder Kunststoffkamera auf Probleme stoßen, die darauf hindeuten, dass das Material der fraglichen Kamera nicht IR-dicht ist, müssen Sie nicht gleich aufgeben: Sollte tatsächlich ein Balgen z. B. bei 1 000 nm Wellenlänge so durchlässig sein, dass es zu einer Verschleierung eines Kodak HIE kommt, kann es durchaus sein, dass die fragliche Kamera problemlos mit Filmen verwendet werden kann, deren Sensibilisierung sich nicht so weit ins Langwellige erstreckt, z. B. mit den MACO-Filmen. (Näheres zur Sensibilisierung der verfügbaren Filme in Teil 3 dieses Artikels.)

Probleme verursachen jedoch in manchen modernen Kameras (z. B. in verschiedenen Canon EOS-Modellen) IR-Leuchtdioden (LEDs), die zum Zählen der Bilder verwendet werden. Normaler Film ist für IR nicht empfindlich, so dass statt einer mechanischen Vorrichtung die elegante, berührungsfreie Messung mit einer "Licht"schranke möglich ist, aber bei IR-Film rufen die LEDs Verschleierungen hervor, die aufgrund der fehlenden Lichthofschutzschicht und des klaren Trägers oft leider nicht nur auf dem Filmrand liegen. In schlimmen Fällen wurde von Verschleierungen über einen Bereich von bis zu 6 mm ins Bild hinein berichtet. (Das ist immerhin 1/4 der Negativhöhe.) Wenn Sie Besitzer eines modernen Gehäuses sind und Zweifel haben, ob es verwendbar ist, empfehle ich Ihnen, sich zunächst direkt an den Hersteller zu wenden und gezielt nach IR-LEDs zu fragen. Sollten Sie dort keine hilfreiche Information bekommen (manche Hersteller sind - besonders bei nicht mehr im Verkauf befindlichen Kameramodellen - beim Service arg unterbelichtet), versuchen Sie im Internet, z. B. in IR-Foren oder im PHOTOTEC-Hobbylabor-Forum Hilfe zu finden. Letzte Sicherheit verschafft immer ein eigener Test. Auch dieses Problem betrifft i. d. R. nur den am weitesten ins IR hinein sensibilisierten Kodak HIE.

Manche alte Mittelformatkamera hat kein Bildzählwerk, sondern an dessen Stelle in der Rückwand ein Fensterchen, durch das man die Nummerierung auf dem Schutzpapier des Films sehen kann. Dieses Fensterchen ist typischerweise rot eingefärbt, weil normaler Film - und noch mehr der eher orthochromatisch reagierende Film, der möglicherweise zur Geburtsstunde des alten Schätzchens Stand der Technik war - nicht so empfindlich auf rotes Licht reagiert. Bei IR-Film nützt das rote Fenster wenig. Wenn in einem Internetforum jemand über merkwürdige dunkle Flecken auf seinen Mittelformat-IR-Negativen klagt, wird auch dann und wann wieder der Verdacht geäußert, diese seien möglicherweise auf ein solches Fenster zurückzuführen. Ich habe allerdings noch nie von einem Kamerabesitzer eine Bestätigung dafür gesehen. Es kann sich also auch hier um eine plausibel klingende Ente handeln. Sollten Sie jedoch selber einmal solche Flecken auf Ihren Negativen finden, prüfen Sie, ob sie nach Ihrer Lage auf dem Negativ durch das bewusste Fenster verursacht sein könnten, und wenn sie's sind, lassen Sie es mich bitte wissen.

Gleiches gilt für die immer einmal wieder behauptete IR-Undichtigkeit des Filmsichtfensters in der Rückwand der meisten modernen SLR-Kameras. Angeblich soll der das Fenster als Lichtdichtung umgebende Schaumstoff nicht in allen Fällen IR-dicht sein. Im Gegensatz zu alten Rollfilm-Schätzchen, wo man das Zählfenster braucht, kann man hier leicht prophylaktisch Abhilfe schaffen, indem man mit Klebeband ein Stückchen Alufolie über das Fenster klebt.

Nachteilig für die IR-Fotografie ist eine vollautomatische Kamera. Wenn die Belichtung der Kamera vollautomatisch gesteuert wird, haben Sie (zu) wenige Einflussmöglichkeiten. Wirklich untauglich wird aus meiner Sicht die Kamera für IR aber erst dann, wenn auch keine manuelle Eingabe der Filmempfindlichkeit mehr möglich ist (sondern z. B. nur noch DX-Kodierung) und auch keine manuelle Belichtungskorrektur vorhanden ist. Vollautomatische Belichtung in Verbindung mit Messung durchs Objektiv ist ebenfalls ein Hindernis, wenn Sie die undurchsichtigen Schwarzfilter verwenden möchten.

Prima geeignet für IR-Fotografie sind Kompaktkameras, denn was auch immer vor dem Objektiv hängt, der Blick durch den Sucher bleibt frei. (Das gilt allerdings auch, wenn man den Objektivdeckel vergisst oder die Finger davor hat.) Aus meiner Sicht sehr empfehlenswert sind z. B. Minox- und Rollei-Modelle, oder allgemein Kameras mit mäßigen bis leichten Weitwinkelobjektiven (äquivalent zu 30 bis 40 mm bei Kleinbild). Sollte kein Filtergewinde vorhanden sein, können Sie mit etwas Gefummel Gelatinefilter (z. B. Kodak Wratten) oder improvisierte Filter aus unbelichtetem Diafilm hinter der Optik im Kameragehäuse anbringen oder bei hinreichend breiter Objektivfassung vor der Frontlinse aufkleben. (Bei der Minox 35 bitte nur die Linse mit dem Filter verdecken, nicht den Belichtungsmesser! Siehe Bild 1.) Achten Sie nur darauf, die Folie einigermaßen glatt anzubringen, damit sie den Strahlengang so wenig wie möglich stört.

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Bild 1: Minox 35 GL mit aufgeklebtem Gelatinefilter #87. In dem hervorgehobenen Bereich erkennen Sie den lichtempfindlichen Sensor, den Sie nicht überkleben dürfen.

Bei Spiegelreflexkameras schauen Sie durchs Objektiv, und wenn Sie wegen des starken Effekts undurchsichtige Filter verwenden möchten, müssen Sie die Kamera auf ein Stativ setzen, ohne Filter ausrichten und fokussieren und können erst zur Aufnahme das Filter aufsetzen. "Action"-Fotografie scheidet auf diese Weise aus. Abhilfe könnte allerdings auch hier ein hinter dem Objektiv eingebautes Filter schaffen. Selbst habe ich noch nicht mit einer solchen Lösung experimentiert, aber es soll gehen.

Eine weitere Nebenwirkung des Fehlens einer Lichthofschutzschicht - d. h. wir reden wieder über Kodak HIE - besteht darin, dass es bei manchen Kameras zu merkwürdig aussehenden, regelmäßigen Punktmustern auf den Negativen kommt. Es handelt sich dabei um eine Abbildung des Musters auf der Filmandruckplatte. Licht, das durch den Film hindurchtritt, wird zum Teil an dieser Platte reflektiert und kann dann diese Muster erzeugen. Durch denselben Mechanismus (hier allerdings das Fehlen der Reflexion) macht sich mitunter das Einbelichtungsfenster einer Datenrückwand bemerkbar. Abhilfe kann - so habe ich mir berichten lassen - dadurch geschaffen werden, dass man die Filmandruckplatte mit einem Stück Rollfilm-Schutzpapier überklebt. Sie müssen allerdings ausprobieren, ob der Filmtransport dann nicht zu schwergängig wird.

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Bild 2: Ausschnitt aus einer Filmandruckplatte einer Datenrückwand. Problemkandidaten sind die Strukturen der Filmandruckplatte, d. h. der Niet (links oben), das Dellenmuster und das Fenster (rechts oben) für die Dateneinbelichtung.

Objektive und Fokussierung

Ein paar Worte sind auch noch über die Objektive zu verlieren. Was mit Licht in einem Objektiv passiert, hängt von der Wellenlänge des Lichts ab. Die Brennweite einer Linse für rotes Licht ist eine andere als für blaues Licht. Bei primitiven optischen Systemen, z. B. Kinderfernrohren oder billigen Lupen können Sie das direkt beobachten: Wenn Sie etwa mit einer Billiglupe einen schwarzen Buchstaben auf weißem Papier betrachten, sehen Sie einen Farbsaum um den Buchstaben. Folgerichtig muss man, wenn man mit rotem oder gar infrarotem Licht fotografiert, ein Objektiv anders fokussieren als für sichtbares Licht. In den guten alten Zeiten vor dem Aufkommen des Autofokus trug praktisch jedes Objektiv eine IR-Markierung. Man fokussiert mit einer solchen Markierung zunächst nach Sicht oder Entfernungsmesser, liest die eingestellte Entfernung ab und verstellt dann das Objektiv so, dass diese Entfernung nicht mehr auf der normalen Scharfstellmarkierung steht, sondern auf der IR-Markierung.

Leider haben viele AF-Objektive diese Markierung nicht mehr. Bei diesen müssen Sie raten, wie Sie Ihr Objektiv einstellen müssen. Generell liegen Sie nicht ganz falsch, wenn Sie es auf eine geringfügig nähere Entfernung einstellen als bei normalen Aufnahmen. Blenden Sie möglichst ab, um Schärfentiefe nutzen zu können.

Angeblich soll bei apochromatisch korrigierten Objektiven keine solche Nachstellung nötig sein. Solche Objektive sollen so korrigiert sein, dass der Farbfehler sehr gering ausfällt. Allerdings gibt es m. W. keine feste Spezifikation für den Wellenlängenbereich, für den diese Korrektion gilt. Es kann also sein, dass ein APO-Objektiv von Zeiss für einen anderen Wellenlängenbereich korrigiert ist als ein solches von Sigma, und ganz große Zweifel habe ich daran, dass sich die APO-Korrektion (gleich ob Zeiss oder Sigma) weit über den sichtbaren Bereich hinaus erstreckt, denn je breiter das zu korrigierende Spektrum, desto größer der Aufwand, und desto größer auch die Abstriche, die man an anderer Stelle hinnehmen muss. Auch hier kann man also nur die Empfehlung wiederholen, möglichst Schärfentiefe zu nutzen.

Eine ganz so exakte Wissenschaft wie die Markierung Sie glauben machen könnte, ist die Fokussiererei im IR eh nicht. Sie verstehen das schnell, wenn Sie sich bewusst machen, dass

  1. auch für die IR-Markierung (so sie denn vorhanden ist) möglicherweise von Hersteller zu Hersteller andere Kriterien genutzt werden, und dass
     
  2. Sie je nach Filter und spektraler Empfindlichkeit des Films mit unterschiedlichen "Mischungen" von sichtbarem und unsichtbarem Licht fotografieren.

Punkt 2 bedeutet aber, dass Sie bei Verwendung eines auch sichtbares Licht durchlassenden Filters auf dem Film ein sichtbares und ein infrarotes Bild haben, die sich überlagern, die aber nicht genau in derselben Ebene fokussiert werden.

So gesehen empfiehlt es sich m. E. bei Verwendung eines noch recht gut durchsichtigen, also zusätzlich zum IR eine Menge sichtbaren Lichtes durchlassenden Rotfilters (z. B. #25 oder #29) nicht, auf die IR-Markierung einzustellen, sondern vielleicht nur eine geringe Korrektur in Richtung dieser Markierung vorzunehmen. Nur wenn Sie ein visuell undurchsichtiges, also nur noch IR durchlassendes Filter verwenden, ist die Benutzung der IR-Markierung sicher empfehlenswert.

Praktische Aspekte

Filmwechsel im Dunkeln?

Infrarotfilme sind mehrheitlich nicht eben handhabungsfreundlich. Schon die Warnung auf der Filmdose "Nur in völliger Dunkelheit in die Kamera einlegen" spricht Bände. Wer unterwegs in der Lage sein möchte, IR-Film zu wechseln, der braucht zwingend einen Wechselsack. Üben Sie vorher ausgiebig, wie Sie ohne Sichtkontakt und in dem eingeschränkten Volumen, das so ein Wechselsack bietet, einen Film in Ihre Kamera einlegen. Bei manchen Kameras (z. B. die besagte Horizon) ist das keine reine Freude. Je nach Kamera lohnt es sich, in einen großvolumigen Wechselsack zu investieren, denn die Kamera muss mit aufgeklappter Rückwand, dem Film und Ihren beiden Händen darin Platz finden.

Beachten Sie auch, dass die Verschlusslamellen vieler moderner Kameras oft aus extrem dünnem - und daher empfindlichen - Metall gefertigt sind, um Masse zu sparen und die rekordverdächtigen Verschlusszeiten wie 1/4000 oder 1/8000 Sekunde erzielen zu können. Diese Verschlusslamellen sollten Sie möglichst nicht berühren, während Sie tastend den Film in die Kamera fummeln, sonst riskieren Sie Schäden.

IR-Filme kommen auf einem klaren Träger daher. Das hat den Vorteil, dass man die Filme problemlos auch für Dias benutzen kann. Ein Nachteil eines nicht eingefärbten klaren Trägers ist aber, dass ein solcher wie ein Lichtleiter wirkt. Licht, das sich entlang der Negativebene im Träger ausbreitet, wird - anders als in einem grau eingefärbten Träger - nur wenig geschwächt und kann daher je nach Film und Lichtintensität die ersten 10 bis 15 Negative verschleiern, wenn Sie die Zunge eines IR-Films dem Licht aussetzen. Ein Beispiel zeigt Bild 3.

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Bild 3: Stück eines Films, der mit "heraushängender Zunge" dem Licht ausgesetzt war.

Der Lichtleitereffekt im klaren Träger ist aber nicht der einzige Grund, warum IR-Filme nur im Dunkeln in die Kamera eingelegt werden dürfen. Darauf muss man einmal hinweisen, damit niemand auf den Gedanken kommt, seine IR-Filme im Tageslicht aus der Kamera zu nehmen, nachdem er den Filmanfang beim Zurückspulen in die Patrone gezogen hat. Es ist wohl technisch nicht drin, das Patronenmaul ab einer gewissen Wellenlänge IR-dicht und dennoch durchlässig für den Film zu machen. Die Wellenlängenabhängigkeit der "Undichtigkeit" ist der Grund dafür, dass nicht alle Filme gleichermaßen anfällig sind. Filme mit einer sich nicht gar so weit ins IR erstreckenden Empfindlichkeit, z. B. Maco IR 750 c, können auch in gedämpftem Licht eingelegt werden, Ilford SFX, dessen Empfindlichkeit sich nicht allzu weit ins Rote erstreckt, wie normaler Film, d. h. nicht gerade in praller Sonne, sondern mindestens im Körperschatten, besser noch bei gedämpftem Licht.

Auch hinsichtlich der Entwicklungstanks habe ich schon die Warnung gelesen, dass nur Edelstahltanks zur Entwicklung von IR-Filmen geeignet seien. Ich benutze selber Kunststofftanks von JOBO für meine IR-Filme, und Probleme habe ich noch keine beobachtet. Wer Zweifel hat, ob sein Tank geeignet ist, dem sei empfohlen, nicht direkt unter einer IR-reichen Lichtquelle (Glühlicht) zu entwickeln, sondern lieber unter IR-armem Licht von Leuchtstofflampen. Die Empfehlung, den Tank mit Aluminiumfolie zu verkleiden, die u. a. in [4] gegeben wird, mag praktikabel sein, aber ich frage mich, ob es sich bei der befürchteten Durchlässigkeit nicht auch um eine durch Abschreiben eines Autoren vom nächsten vervielfältigte Legende handelt. Mir jedenfalls ist niemand bekannt, der das Problem selbst erfahren hätte.

Stativbenutzung

Stative braucht man bei der IR-Fotografie nicht nur, weil die Filter mit der eklatantesten Wirkung (Schwarzfilter) auch am meisten Licht wegknabbern und daher die effektive Empfindlichkeit der Filme drastisch reduzieren, sondern bei SLR-Kameras auch, weil sie für das Auge undurchsichtig sind und kein Sucherbild mehr sehen lassen.

Dunkelblitzmethode

Nachdem ich weiter oben versucht hatte, Ihnen klarzumachen, dass man mit IR nicht ohne sichtbares Licht, also im Dunkeln, fotografieren kann, möchte ich jetzt doch noch einen Weg erwähnen, wie Sie es doch können. Der Fotoreporter Weegee ist z. T. für seine etwas voyeuristischen Fotos von Liebespaaren in dunklen Kinos bekannt. Diese Fotos waren Aufnahmen nach der Dunkelblitzmethode. Wie geht das? Eigentlich ganz einfach: Statt das IR-Filter vor das Objektiv zu setzen, filtern Sie die Lichtquelle, also das Blitzgerät. Der dann immer noch entstehende Blitz findet im Infraroten statt, weil das Filter praktisch alles sichtbare Licht schluckt. Sie werden (je nach Blitzgerät) das vertraute "Plopp" der Blitzröhre und das Klicken des Verschlusses hören, aber sehen werden Sie äußerstenfalls ein ganz mattes dunkelrotes Aufblitzen, wenn Sie zufällig gerade in Richtung Blitzgerät schauen. Mit einem solchen Blitzgerät können Sie sogar Laboranten in der Duka fotografieren, wenn diese panchromatische Filme verarbeiten, denn panchromatischer Film ist nicht IR-sensibilisiert (ortho ist gar kein Problem, der verträgt sogar normales Rotlicht in vernünftigen Dosen).

Für das Abkleben des Blitzgerätes empfiehlt sich Filterfolie, am besten eine doppelte Schicht des improvisierten IR-Filters nach [1], weil diese Art Filter am billigsten ist. Blitzgeräte sind nämlich so optimiert, dass sie ein möglichst tageslichtähnliches Spektrum emittieren. D.h. aber, dass das allermeiste Licht, das das Blitzgerät abstrahlt, vom Filter geschluckt werden muss - mit katastrophalen Folgen für das Filter. Was passiert, wenn Material Licht absorbiert? Richtig: Es wird warm, und Farbstoffe bleichen aus. Ich hab's nicht selber ausprobiert, aber berichtet wird, dass Gelatinefilter und andere Filterfolien teilweise schon nach einem Schuss mit einem kräftigen Blitzgerät sichtbar ausgebleicht sind.

Hinsichtlich der Kalibrierung des Blitzgerätes, also der Bestimmung seiner Leitzahl, sind Sie auf Experimente angewiesen. Hinweise gibt z. B. die technische Anleitung zum Kodak HIE. Es sollte hinsichtlich der Leitzahl egal sein, ob das Filter vor dem Objektiv sitzt oder vor dem Blitzgerät. Allerdings müssen Sie sich nach dem oben Gesagten darauf einstellen, das Filter häufiger wechseln zu müssen, wenn es vor dem Blitz sitzt.

Filme

Diesen Teil meines Artikels werde ich aus aktuellem Anlass noch ein wenig hinausschieben, um Ihnen möglichst auch eine erste Beschreibung des bald erscheinenden neuen "Mitbewerbers" auf dem IR-Markt geben zu können. Die Fa. MACO hat angekündigt, im Frühjahr einen neuen IR-Film, genannt CUBE 400c auf den Markt bringen zu wollen. Wenn dieser Film hält, was MACO sich davon verspricht, muss sich Kodak warm anziehen. Noch stehen keine KB-Testexemplare zur Verfügung, und wenn ich denn welche bekomme, möchte ich diese natürlich auch unter IR-günstigen Bedingungen testen können, also nicht bei trübem Schmuddelwetter. Ich denke, das rechtfertigt eine gewisse Verzögerung bei Teil 3 dieses Artikels.

Literatur

[1] Making an Improvised Infrared Transmitting Filter, Andrew Davidhazy, School of Photographic Arts and Sciences, Imaging and Photographic Technology Department, Rochester Institute of Technology,
http://www.rit.edu/%7Eandpph/text-infrared-filter.html