Kolumne

Sind Sie empfindlich?
So ermitteln Sie Ihre persönliche Filmempfindlichkeit


Thomas Wollstein
Februar 2003


Jeder hat so seine Empfindlichkeiten. Das gilt für Sie und mich, und das gilt auch für unsere Filme. Oft genug sind die Nennempfindlichkeiten, die die Hersteller auf die Packungen drucken, ein bisschen hoch gegriffen, vielleicht, weil sich mit hohen Zahlen besser werben lässt. Aber selbst wenn der Hersteller seine Zahl nach bestem Wissen und Gewissen auf die Packung druckt, gibt es immer noch Toleranzen bei den Filmen und den Belichtungsmessern. Von der Fa. Minox weiß ich z. B., dass all jene Kameras die Fabrik-Endkontrolle passieren dürfen, deren Abweichung vom Sollwert ± 1/3 Blende nicht überschreitet. Nicht viel, sagen Sie? Nun, 1/3 nach oben bei der einen Kamera und 1/3 nach unten bei der nächsten macht zwischen den zwei Messwerten schon eine Abweichung von einer satten 2/3-Blende. Wenn Sie mehr als einen Belichtungsmesser haben, sollten Sie sich also einmal den Spaß machen, mit allen Ihren Messgeräten eine Graukarte oder eine andere einheitliche Fläche formatfüllend auszumessen. Dazu jetzt noch die Toleranz bei den Filmen, und schon ist eine Abweichung von einer ganzen Blende durchaus nicht unrealistisch.

Dann gibt es noch andere Gründe, Film-Empfindlichkeiten selbst zu messen: Bei allen Informationen über Film/Entwickler-Paarungen, die man im Internet findet, z. B. in der Massive Development Chart (www.digitaltruth.com) oder der Mahoosive Dev Chart (https://darkroom-solutions.com/cdc), kommt es doch immer wieder einmal vor, dass man gerne einen Film mit einem bestimmten Entwickler ausprobieren möchte, und niemand auf der ganzen Welt scheint eine Anfangsempfehlung liefern zu können. Dann sind Sie ganz auf sich gestellt. Ich werde Ihnen nachfolgend meine Vorgehensweise vorstellen, mit der ich mit etwas Zeit und nicht mehr als zwei Filmen bei solchen Paarungen auch bei völligem Fehlen von Startinformationen zu vernünftigen Werten komme.

Testbedingungen

Klären wir zunächst, unter welchen Bedingungen wir testen.

Wir benötigen für den Test:

Testmotiv

Eine Graukarte ist prima, aber eine gleichmäßig ausgeleuchtete neutralfarbige einheitlich gefärbte Fläche (Wand, Textil) tut's genauso gut.

Beleuchtung

Wichtig ist, dass das Testmotiv gleichmäßig ausgeleuchtet wird. Das funktioniert i.Allg. ganz prima, wenn Sie im Freien unter dem bedecktem Nordhimmel oder im Raum an einem Nordfenster fotografieren. Günstiger ist i.d.R. allerdings Kunstlicht, z. B. ein Halogenscheinwerfer aus dem Baumarkt, denn das Tageslicht hat oft die unangenehme Eigenschaft, mit der Zeit zu variieren. Sie messen dann z. B. einen Lichtwert 10 auf Ihrer Graukarte, aber bis Sie die nötigen Einstellungen an Ihrer Kamera vorgenommen und das Foto belichtet haben, ist es 9 ½ oder 10 ½. Mit dem Auge merken Sie das nicht, da die Änderung nicht sprunghaft vonstatten geht. Es kann einem schon ganz schön auf den Nerv gehen, vor und nach jeder Aufnahme zu messen, um sicher zu sein, dass das Licht gleich geblieben ist. An vielen Tagen werden Sie überhaupt nicht testen können.

Andererseits hat das Licht des Halogenscheinwerfers eine andere spektrale Zusammensetzung als Tageslicht: Es ist deutlich roter. Die mit dem Halogenscheinwerfer bestimmten Werte werden wegen der spektralen Empfindlichkeit der Messzelle Ihres Belichtungsmessers und der Sensibilisierung des Films möglicherweise also nicht ganz stimmen. Viele Belichtungsmesser neigen dazu, bei rotem Licht zu hohe Messwerte zu liefern, während panchromatisch sensibilisierte Filme bei rotem Licht weniger empfindlich sind. Sie sind typischerweise bei Glühlampenlicht rund 1/3 Blende weniger empfindlich als bei Tageslicht.

Ziemlich genau wissen Sie's, wenn Sie einmal für einen panchromatischen Film Belichtungsreihen für Tageslicht und für Glühlampenlicht aufnehmen, den entwickelten Film densitometrisch vermessen und die Kurven übereinander legen. Ansonsten müssen Sie sich zwischen Teufel (zeitliche Schwankungen) und Beelzebub (Abweichungen im Spektrum) entscheiden.

Zur Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung: Viele Bücher werden behaupten, mindestens zwei Lichtquellen seien erforderlich, um gleichmäßig auszuleuchten. Glauben Sie mir: Es geht auch mit einer. Man braucht vielleicht ein bisschen mehr Probiererei, bis man die richtige Stellung gefunden hat, aber es geht. Es geht nicht, wenn die Abmessung der Lampe vergleichbar ist mit deren Abstand zum Testmotiv, aber bei einem Abstand, der wesentlich größer ist als die Lampengröße, geht es erfahrungsgemäß ganz gut. Dazu muss die Lampe natürlich lichtstark genug sein. Wenn eben möglich, kontrollieren Sie die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung mit einem Spotmeter. Sonst sind Sie auf Augenmaß angewiesen. Je weniger die Nadel um den Mittelwert schwankt, während Sie in der Mitte und auf den Diagonalen messen, desto besser. Ich erziele regelmäßig bei meinen Tests Abweichungen von deutlich weniger als einem Skalenintervall meines Belichtungsmessers (1/3 Blende), geschätzt würde ich sagen weniger als ± 1/6 Blende. So genau müssen Sie in freier Natur erst einmal messen!

Belichtungsmesser

Verwenden Sie für den Test den Belichtungsmesser, den Sie später für die Aufnahmen verwenden wollen. Er ist Bestandteil der Kette, die die Empfindlichkeit des Films beeinflusst. Idealerweise ist es ein Spotmessgerät. Haben Sie keine Möglichkeit zur Spotmessung, sorgen Sie bitte dafür, dass Sie Ihr Testmotiv formatfüllend aufnehmen. 

Kamera (und Objektiv)

Für viele Fotografen stellt sich nicht die Frage, welche Kamera sie nehmen sollen, denn sie haben nur eine. Haben Sie mehrere, empfehle ich Ihnen, diejenige zu benutzen, zu deren Verschluss Sie das meiste Vertrauen haben. Ich habe einmal durch einen Test herausgefunden, dass bei einem älteren Kameramodell aus meinem Besitz die 1/30- und die 1/60-Sekunde gleich lang waren. (Filmtests sind also immer auch Gerätetests!) Üblicherweise ist auf elektronisch gesteuerte Verschlüsse hinsichtlich der Präzision der Zeiten mehr Verlass als auf mechanisch gesteuerte, zumindest wenn diese schon länger nicht gewartet oder von Ihnen getestet wurden.

 

ausrufezeichen

Anmerkung:
Um zu sehen ob Ihr Verschluss Mucken macht, können Sie zwei von der Belichtung her gleichwertige Belichtungsreihen aufnehmen, z. B. eine erste mit Blende 8 von ½ Sekunde bis 1/500 Sekunde und eine zweite bei Blende 5,6 von ¼ bis 1/1000. Die Aufnahmen aus der ersten Reihe sollten jeweils dieselbe Dichte aufweisen wie die jeweils halb so lange belichteten aus der zweiten! Das Verfahren lässt sich auch zum Testen der Blende verwenden: Nehmen Sie bei zwei konstanten Zeiten jeweils Blendenreihen auf und vergleichen Sie diese.

Das Objektiv verdient noch ein paar Worte: Nur Festbrennweiten (oder in Grenzen Zooms mit konstanter Blende) eignen sich wirklich für einen solchen Test. Bei Zooms mit variabler Öffnung wissen Sie nie genau, welche Blende Sie nun gerade effektiv haben. Nutzen Sie am besten ein festbrennweitiges Normal- oder leichtes Teleobjektiv (z. B. 80 mm). Weitwinkelobjektive sind weniger geeignet, da der Lichtabfall zum Rand hin stärker ist.

Die Aufnahmen schießen Sie mit auf Unendlich fokussiertem Objektiv, denn die Blendenwerte gelten wegen der Auszugsverlängerung streng genommen nur dort. Vermeiden Sie es möglichst auch, bei größter Öffnung zu fotografieren. Schärfe ist hier nicht das Argument (Schließlich fokussieren wir nicht einmal.), sondern der Randlichtabfall. Er ist bei etwas geschlossener Blende geringer.

Bei den Belichtungszeiten sollten Sie innerhalb des Reziprozitätsbereichs des Films bleiben, d.h. Zeiten zwischen etwa ½ bis ¼ s bis 1/2000 s benutzen.

Es kann vorkommen, dass Sie nicht mit einer Blende die gesamte Belichtungsreihe belichten können. Nehmen wir z. B. an, dass Sie die Belichtungsreihe mit Bl. 8 durchführen möchten und Zone III liegt bei Bl. 8, 1/500 s, die 1/1000 s bietet Ihnen Ihre Kamera nicht an. Dann ist es empfehlenswert, zunächst Zone III noch einmal mit Bl. 22, 1/60 s aufzunehmen, dann Zone II mit Bl. 22, 1/125 s usw. Auf der Kurve sollten die beiden Werte für Zone III näherungsweise zusammenfallen. Tun sie's nicht, deutet das auf eine Abweichung bei der Kamera (Blende oder Verschlusszeit), aber Sie fragen sich hinterher nicht, warum die Schwärzungskurve Ihres Films eine so merkwürdige Form hat.

Wenn Sie eine Kamera mit einer Datenrückwand haben, die die Einbelichtung von Blende und Verschlusszeit erlaubt, ist das ein absoluter Luxus. Es erlaubt Ihnen hinterher eine leichtere und sicherere Zuordnung der Aufnahmen zu Zonen.

Notizbuch und Stift

Die benötigen Sie unbedingt. Sie müssen folgende Testdaten für jeden Test notieren:

  1. Belichtungsmesser,
  2. Kamera,
  3. Objektiv,
  4. Testmotiv,
  5. gemessener Lichtwert,
  6. Film, 
  7. Testbelichtungen (z. B. "Zone = 0 bis 12 in ganzen Schritten"), vorzugsweise auch die Zeit/Blenden-Kombinationen (s. dazu weiter unten),
  8. evtl. verbockte Aufnahmen (wenn Sie z. B. vergessen haben, Zeit oder Blende umzustellen),

Anmerkung: (1) bis (4) und bei Kunstlicht oft auch (5) sind oft identisch. Notieren Sie sie trotzdem.

Nachdem wir nun die "Hardwarevoraussetzungen" geklärt hätten, schreiten wir zum eigentlichen Test.

Testaufnahmen fürs grobe Einschießen

Wenn Sie über die zu testende Film/Entwicklerkombination gar nichts wissen oder die Entwicklungszeit recht unsicher ist, wäre es Humbug, gleich einen ganzen Film zu verschießen. Für grobe Tests empfehle ich Ihnen, an Ihrem Belichtungsmesser die vom Hersteller angegebene Nennempfindlichkeit einzustellen und zunächst Filmstücke zu produzieren, auf denen je drei Aufnahmen sind, je eine bei

  • Zone II, also gegenüber dem Messwert um drei Stufen unterbelichtet,
  • Zone V, nach Messwert belichtet, 
  • Zone VIII, also gegenüber dem Messwert um drei Stufen überbelichtet.

Richtwerte für die Filmkalibrierung sind eigentlich die Zonen I und VIII. Ich empfehle Ihnen trotzdem (zunächst) Zone II als Testzone, da sie einerseits bei verlängerten Entwicklungszeiten nicht extrem wandert, andererseits aber auch dann noch im auswertbaren Bereich bleibt, wenn der Hersteller eine um eine Blende zu hohe Empfindlichkeit angibt. Zone I wäre in diesem Fall schon Zone 0 und nicht mehr auswertbar.

Fertigen Sie eine solche Belichtungsreihe an und praktizieren Sie den Filmstreifen im Wechselsack oder der Dunkelkammer aus der Kamera in den Entwicklungstank. Jetzt haben Sie das Problem, sich eine grobe Entwicklungszeit für den ersten Versuch auszudenken.

Erste Probeentwicklung

Im Trend müssen hochempfindliche Filme länger entwickelt werden als niedrigempfindliche, aber die Streuung zwischen Filmen derselben Empfindlichkeitsklasse ist bei vielen Entwicklern beachtlich. Suchen Sie sich also aus den zu einem Entwickler angegebenen Zeiten eine für einen Film heraus, der Ihrem Prüfling am ehesten entspricht, d.h., wenn Sie z. B. einen Ilford Delta 100 entwickeln möchten und für den Entwickler liegt eine Zeit für den Kodak T-max 100 vor, dann nehmen Sie die erst einmal. Kriterien für Verwandtschaft sind Nennempfindlichkeit und Kristallstruktur.

Entwickeln Sie den Film schon ab der ersten Probeentwicklung pedantisch genau so, wie Sie das später mit den "richtigen" Filmen tun wollen. Das Zauberwort heißt "Wiederholbarkeit". Es muss so sein, dass zwei Streifen, die Sie gleich belichten und entwickeln, auch gleich aussehen, sonst ist die ganze Testerei für die Katz. Wie man richtig entwickelt, habe ich im Artikel "Entwicklungshilfe" geschildert. Im Einzelnen sind folgende Parameter penibel genau einzuhalten:

  • Vorwässerung, falls angewendet,
  • Verarbeitungstemperatur,
  • Bewegung,
  • Stoppbad oder Zwischenwässerung,
  • Fixage.

Zeit und Entwickler sparen Sie, wenn Sie nach dem ersten Streifen zunächst einmal visuell prüfen, wie der Film ausschaut:

  • Ist er viel zu dünn, entwickeln Sie gleich noch so einen Streifen mit der doppelten Zeit. 
  • Ist er sehr dicht, entwickeln Sie gleich noch einen mit der halben Zeit.

Bei kleineren Abweichungen vom Sollwert verdoppeln oder halbieren Sie natürlich nicht, sondern verlängern oder verkürzen vielleicht um 10 bis 15%, später vielleicht noch weniger.

Sie können die Streifen auch ruhig mit einem Haartrockner malträtieren. Bei "echten" Negativen rate ich davon ab, aber hier macht ein bisschen Staub nicht viel aus. Vermeiden Sie es nur, heiß zu pusten, handwarm reicht. Versuchen Sie dann eine Auswertung, wie weiter unten im Artikel beschrieben. Am einfachsten ist es, wenn Sie einen zu lang und einen zu kurz entwickelten Streifen haben. Die gesuchte Zeit muss dann irgendwo dazwischen liegen. Tasten Sie sich heran. In aller Regel sollten Sie nach 4 bis 5 Streifen, die Sie übrigens alle in demselben Ansatz entwickeln können, wenn Sie schnell arbeiten, und die alle noch von demselben Film stammen können, eine ziemlich gute Idee haben, wie die "richtige" Zeit aussehen muss.

Dann wird es Zeit für den Test mit einer ganzen Belichtungsreihe.

Feinschliff

Wenn Sie sich durch Versuch und Irrtum langsam an die richtige Entwicklungszeit herangetastet haben, fertigen Sie eine Belichtungsreihe mit mindestens folgenden Aufnahmen an:

  • Zone -I bis III.
  • Zone V,
  • Zone VIII bis X.

Die fehlenden Zonen können Sie ruhig auch mit aufnehmen, aber sie sind nicht wirklich nötig. Im günstigsten Fall haben Sie also wieder nur Schnippsel mit 10 Aufnahmen, von denen ein Film bis zu drei hergibt.

Entwickeln Sie diesen Streifen in frisch angesetztem Entwickler wieder pedantisch genau nach Ihrer Methode (s.o.). Die Auswertung wird unterschiedlich sein, je nachdem ob Sie ein Densitometer oder Vergrößerungen verwenden.

Auswertung

Densitometrische Messungen


Wer ein Densitometer besitzt, und sei es ein noch so einfaches, hat es leicht: Die Auswertung geschieht durch bloßes Ausmessen der Negativdichten und Auftragen der Dichte als Funktion der Belichtung. Das liefert die so genannte Schwärzungskurve der Film/Entwickler-Kombination. Für die so genannten N- (Normal-), N-minus- (kontrastabschwächenden) und N-plus- (kontrastverstärkenden) Entwicklungen gibt es Referenzwerte bzw. -kurven aus der Literatur. Sie unterscheiden sich ein wenig, je nachdem, ob Sie einen Kondensor- oder Diffusorvergrößerer nutzen, gelten also vielleicht nicht zu 100% für Ihre Geräte und Ihr Papier, sind aber gute Anhaltswerte. Wenn Sie andere Erfahrungswerte haben, können Sie natürlich auch die nehmen.

Zwei Dinge gilt es zu unterscheiden:

  • Filmempfindlichkeit und
  • Kontrast.

Über die Entwicklungszeit passen Sie im Wesentlichen den Kontrast an, d.h. die Steigung der Kurve. Die Empfindlichkeit des Films lässt sich über verlängerte Entwicklungszeit nicht wesentlich erhöhen.

Liegt Ihre gemessene Kurve also insgesamt unter (bzw. über) der Referenzkurve, hat aber eine ähnliche Steigung (ist also ungefähr parallel), so ist die Entwicklungszeit schon ganz gut, aber der Film hat nicht die von Ihnen angesetzte Empfindlichkeit. Sie können dann Ihre Kurve und die Referenzkurve näherungsweise zur Deckung bringen, indem Sie Ihre Kurve nach links (bzw. rechts) verschieben. Für jede Stufe, die Sie Ihre Kurve nach links (rechts) verschieben, bis sie sich mit der Referenzkurve deckt, müssen Sie die Empfindlichkeit halbieren (verdoppeln).

Liegen dagegen die unteren Messwerte (bei Grobmessung Zone II, sonst Zone I) in etwa auf derselben Höhe wie die der Referenzkurve, so stimmt die Empfindlichkeit. Jetzt gilt es noch den Kontrast über die Entwicklungszeit anzupassen.

Wiederholen Sie - mit angepasster Empfindlichkeitseinstellung und Entwicklungszeit - den Vorgang

  1. Belichten eines Teststreifens
  2. Entwickeln
  3. Auswerten

bis die Kurve des Films hinreichend nahe bei den Referenzwerten liegt. Dabei sind leichte Abweichungen in bestimmten Kurvenabschnitten nicht so entscheidend. Als Eckwerte für richtige Entwicklung werden die Dichten bei den Zonen I und VIII betrachtet. Diese sollten also möglichst genau auf der Referenzkurve liegen.

Auswertung durch Vergrößern

Diese Art der Auswertung ist etwas langwieriger als die densitometrische, hat aber den Vorzug, auch Ihren Vergrößerer und Ihr Fotopapier in die Kalibrierung mit einzubeziehen. 
Im Einzelnen verfahren Sie wie folgt:

(1) Vergrößern Sie das der Zone II entsprechende Negativ so auf ein Stück Fotopapier mittlerer Gradation (Spezial, Normal oder Gradation 2 bis 2 ½), dass es eben gerade vom tiefsten Schwarz des Papiers unterscheidbar ist, sozusagen eben "unschwarz". (Im Englischen gibt es dafür das schöne Wort "off-black".)

Hat das Negativ keine erkennbare Dichte oder gelingt es Ihnen nicht, eine evtl. mit bloßem Auge im Negativ erkennbare Dichte "unschwarz" aufs Papier zu bringen, hat der Film nicht die angesetzte Empfindlichkeit. Wiederholen Sie die Reihe mit halbierter Empfindlichkeitseinstellung.

(2) Vergrößern Sie nun bei unveränderter Einstellung des Vergrößerers und mit derselben Belichtungszeit und Blende das Negativ der Zone VIII. Es sollte "unweiß" (off-white) sein. Ist es völlig weiß, müssen Sie im nächsten Schritt kürzer entwickeln, ist es schon deutlich grau, entwickeln Sie länger.

So selbstverständlich es eigentlich ist, wiederhole ich auch hier noch einmal, dass die Verarbeitung des Fotopapiers wie die der Filme reproduzierbar erfolgen muss, d.h. penibel standardisiert. Später, bei einzelnen Fotos, können Sie sich Abweichungen erlauben, da diese nur jeweils ein Bild betreffen, aber beim Testen müssen Sie genau arbeiten, um ein genaues Ergebnis zu bekommen. Eine Unsicherheit im Testergebnis schlägt durch auf alle Fotos, die unter Zugrundelegung dieses Ergebnisses aufgenommen werden.

Sollwerte

Zur Übersicht habe ich Ihnen die Eckwerte in einer Tabelle zusammengestellt.

Zone

Positiv-Grauwert bei mittlerer Gradation

ungefähre log. Dichte

I

(bei Kalibration ohne Densitometer nicht empfohlen)

0,1

II

erstes von Schwarz unterscheidbares Grau

0,2

V

18% Grau

0,7

VIII

von Papierweiß gut unterscheidbares Weiß

1,3

Beispiel

Nachfolgend ein Beispiel für eine Testreihe, die ich unlängst durchgeführt habe. Eingetestet habe ich den MACO CUBE 400c mit einem Entwicklerprototyp, für den es noch keine Orientierungswerte gab.

Entsprechend dem Vorschlag oben habe ich zunächst drei Streifen mit den Zonen II, V und VIII belichtet und den ersten Streifen mit 8 Minuten entwickelt. Visuell sah er etwas zu dünn aus, und der zweite und dritte mussten 10 und 15 Minuten baden. Es war spät am Abend, und ich wurde mit der Zeit nicht frischer, daher habe ich beim dritten Streifen die Vorwässerung, die MACO für den CUBE 400c empfiehlt, vergessen. Immerhin war ich aber noch so wach, dass ich es gemerkt und für später notiert habe, bevor ich für den Tag die Duka dicht machte.

Am nächsten Tag habe ich dann die Streifen densitometrisch ausgewertet. Wie erwartet war der 8 Minuten entwickelte Streifen unterentwickelt, der mit 15 Minuten überentwickelt. Der Streifen, der 10 Minuten in Miraculix' Zaubertrank gefallen war, war auch noch zu dünn. Aber damit fühlte ich mich sicher genug, eine volle Belichtungsreihe durchzuführen. Diese habe ich dann mit Vorwässerung für 12 ½ Minuten entwickelt, und siehe da: die Dichtewerte lagen dort, wo ich sie haben wollte.

Die vier Kurven sind im Bild dargestellt.

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Müdigkeit kann auch ihr Gutes haben: Ich wollte schon immer einmal ausprobiert haben, ob die Vorwässerung neben der ihr zugeschriebenen gleichmäßigeren Entwicklung bei kurzen Zeiten noch andere Auswirkungen hat, z. B. - wie von MACO behauptet - eine bessere Empfindlichkeitsausnutzung. Mein Versehen lieferte mir die Messwerte dazu: Der Vergleich der Kurven zeigt deutlich, dass der nicht vorgewässerte Film in Zone II eine geringere Dichte hat als die anderen, obwohl er länger entwickelt wurde. Bei den drei anderen Streifen nehmen die Dichten von Zone II erwartungsgemäß von Kurve zu Kurve um rund 0,01 zu. Der Streifen mit 15 Minuten hätte also eine Dichte von rund 0,27 haben müssen, hatte aber nur rund 0,24. Man darf also davon ausgehen, dass die Vorwässerung tatsächlich die Empfindlichkeitsausnutzung verbessert.

Im nächsten Bild sind die Referenzwerte für N-, N-1- und N+1-Kurven für die Nennempfindlichkeit im Vergleich aufgetragen.

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Man sieht, dass der Film in diesem Entwickler eine etwa um eine halbe Blende höhere Empfindlichkeit aufweist als von MACO angegeben, denn wenn man die Kurve um etwa eine halbe Zone nach rechts schieben würde, läge sie im Schattenbereich ziemlich genau deckungsgleich mit der Sollkurve für N-Entwicklung, im Lichterbereich etwas darunter, was sich durch eine geringfügige Verlängerung der Entwicklungszeit auch noch anpassen ließe. Für meine Anwendungen würde ich allerdings die Empfindlichkeit mit ISO 400/27° ansetzen und die ermittelte Entwicklungszeit so nutzen, dass ich die erhöhte Schattendichte gut gebrauchen kann und sie nicht mit zugelaufenen Lichtern bezahlen muss.

Der MACO CUBE 400c hat eine erweiterte Rotempfindlichkeit. Daher kann man nicht einfach davon ausgehen, dass er sich bei Tageslicht und Glühlampenlicht gleich verhält. Als letztes interessantes Ergebnis möchte ich Ihnen daher noch den Vergleich der Belichtungsreihen für Tageslicht und Kunstlicht zeigen. 

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Die drei Kurven

  • Rot: Halogenlicht
  • Blau: diffuses Tageslicht
  • Orange: Dichtedifferenz bei angenommener gleicher Empfindlichkeit

zeigen, dass dieser Film bei Glühlampenlicht (Das ist nicht dasselbe wie Kunstlicht allgemeiner Art!) um fast eine Blende empfindlicher ist als bei Tageslicht.

ABER: Diese Werte gelten zunächst nur für meinen Belichtungsmesser! Ihr Belichtungsmesser hat mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine andere spektrale Empfindlichkeitsverteilung und kann möglicherweise bei rötlicherem Licht zu hohe oder zu niedrige Werte anzeigen. Sie sollten also ohne Test nicht davon ausgehen, dass der MACO CUBE 400c auch bei Ihnen automatisch bei Glühlicht um eine Blende schneller ist.