perfektes Positiv

5   Das Anfertigen eines "Feinen Bildes"
5.1 Detailablauf bei der Anfertigung von feinen Bildes
5.2 Steuerung der Tonwertwiedergabe
5.3 Abwedeln und Nachbelichten
5.3.1 Nachbelichten von Bildkanten
5.4 Die Vorbelichtung
5.5 Partiell verstärkte Entwicklung
5.5.1 Aufbringen von Entwickler-Vorratslösung
5.5.2 Aufbringen von Alkali
5.6 Abschwächen / partielles Abschwächen
5.7 Archivfeste Verarbeitung
5.8 Zusammenfassung


TERRY SCHAEVEN
Stand 04/2008


5 Das Anfertigen eines "Feinen Bildes"

Für die Schaffung eines feinen Bildes gibt es keine Anleitung, nach der man qualitätsorientierte Arbeiten erstellen kann. Natürlich sucht der ambitionierte Anfänger nach Rezepten, um ohne größeren Zeitaufwand zu beeindruckenden Ergebnissen zu kommen.

Wann sich der Fotograf mit der Qualität seines Abzugs zufrieden gibt, hängt von Erfahrung, handwerklichem Können, Sensibilität, Geschmack und auch letztlich von seiner Ausdauer ab. Was dem einen als guter Abzug erscheint, mag dem anderen als Arbeitsprobe erscheinen.

Die Ausgewogenheit von Bildkontrast und Tonwerten trägt zum Gelingen eines ordentlichen feinen Bildes bei.

Lichtstimmungen sollten als solche nachempfindbar sein, die Plastizität der Aufnahmesujets sollten den Betrachter zu begeistern vermögen.

Insgesamt sollte die Kette: Aufnahme, Negativentwicklung und Positivbearbeitung schlüssig sein. Schon bei der Aufnahme sollte an Hand von Kontrastmessungen, Belegung bestimmter Sujets in passende Belichtungszonen, versucht werden die spätere Bildwiedergabe zu optimieren. Dies ist natürlich bei Kleinbildaufnahmen nur bedingt möglich, beim Mittelformat und Großformat jedoch problemlos zu bewerkstelligen. Mittelformatfotografen sollten entsprechend mehrere Magazine zum Wechseln zur Verfügung haben und die jeweiligen Filme analog dem Kontrastumfang entwickeln (siehe hierzu "Wege zum perfekten Negativ").

5.1 Detailablauf bei der Anfertigung von feinen Bildes

Zunächst sollte man nach einer visuellen Begutachtung des Negativs auf einem Leuchtpult den Kontrastumfang und die Dichte abschätzen. Mit einiger Übung kann dies relativ genau erfolgen.

Man wählt dann eine Gradationseinstellung am Vergrößerungsgerät, welche etwa ½ Stufe weicher als die geschätzte Gradation ist und macht hiermit auf einem ausreichend großem Teststreifen mit der sich aus der geschätzten Dichte ergebenden Belichtungszeit eine Probebelichtung.

Anfänger können zur Ermittlung der etwaigen Belichtungszeit auch einen auf das Papier eingeeichten "Multitimer" verwenden, mit dem durch Einschwenken der Streuscheibe die Belichtungszeit grob ermittelt werden kann. Ebenso ist die Mehrpunktmessung (hellste und dunkelste Bildpartien, wo noch Zeichnung erwünscht ist) möglich.

Die Erstellung von Probestreifen mit verschiedenen käuflichen Rahmen für Teilbelichtungen oder nach Selbstbauanleitungen halte ich für ungeeignet. Der aussagekräftige Probestreifen sollte ¼ der Größe des Papierformats haben. Hierzu schneide ich mit der Schere immer einen Bogen der verwendeten Papiergröße in 4 Streifen. Ein solcher Probestreifen kann dann so in den Vergrößerungsrahmen eingelegt werden, dass er alle wichtigen Grauwertabstufungsbereiche abdeckt, von der dunkelsten bis zur hellsten Bildstelle. Der weitere Vorteil ist der, dass der Probestreifen aus der gleichen Emulsionsfabrikationscharge stammt wie das endgültige Bild.

Dadurch sind Abweichungen bedingt durch Produktionsschwankungen und Gradationsunterschiede aus unterschiedlich langen Lagerungen ausgeschlossen.

Alle Probebelichtungszeiten sollten notiert werden. Bei den ersten Proben reicht ein Notieren der Zeit mit Bleistift auf der Rückseite des Probestreifens.

Der erstellte Probeabzug sollte dann zunächst bezüglich der Belichtungszeit überprüft werden, d.h. die gewünschte Zeichnung in den Lichtern muss beurteilt werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass durch eine geplante spätere Selentonung die Schwärzen etwas dichter werden und durch den Dry-Down-Effekt die Lichter etwas durchgezeichneter werden und andererseits der Gesamtkontrast geringfügig absinkt.

Wir schauen uns also die Zeichnung in den Lichtern mit den Grauwerten von Zone VII bis VIII genau an, um die richtige Belichtungszeit zu ermitteln. Die reinen Weißen sollte man außeracht lassen, denn sie erscheinen bei allen Belichtungen, die nahe dem Optimum liegen, stets weiß und helfen somit kaum, den richtigen Wert zu erkennen.

Auch hier gilt die alte Fotografenregel: Belichte auf die Lichter und verändere den Kontrast für die Schatten.

Ein zweiter Probestreifen mit einer korrigierten Belichtungszeit führt dann üblicherweise beim geschulten Fotografen schon zu einer richtigen Belichtung. Hier sollte man sich angewöhnen, grundsätzlich in Prozentsätzen zu denken. Damit lernt man sehr schnell notwendige Korrekturprozentsätze abzuschätzen.

Dann ist der Kontrast zu prüfen und die Gradationseinstellung bezüglich der mittleren Grautöne und der Schatten anzupassen. Dies ist der Punkt, wo sich der Fine Art-Printer vom Technikfreak unterscheidet.

Eine Gradation zu wählen, die den gesamten Kontrastumfang des Negativs wiedergibt, führt bei den meisten Aufnahmesujets zu kraftlosen Bildern.

Die Gradation ist so zu wählen, dass die bildwichtigen Teile einen optimalen Kontrast und eine hohe Leuchtkraft haben. Falls dabei Schattenpartien zu dunkel wiedergegeben werden oder Lichterpartien ohne Zeichnung bleiben, muss abgeschätzt werden, ob diese Bereiche nicht besser durch Abwedeln oder Nachbelichten angepasst werden sollten.

In diesem Fall sollte auf einer Tafel oder einem Bogen Papier eine grobe Skizze des Bildes erstellt werden, wo man die zu behandelnden Bildteile markiert und Abwedel- und/oder Nachbelichtungszeiten einträgt. Diese Zeiten sollten immer im Prozentsatz der Grundbelichtung eingetragen werden. Auch hier ist Erfahrung angesagt um eine gute Abschätzung machen zu können. Mit etwas Übung kann man die Auswirkung einer 10 oder 20%igen Belichtungszeit- Änderung recht gut abschätzen. Eine Veränderung um beispielsweise 5 Sekunden dagegen besagt wenig, sie kann recht unterschiedlich ausfallen, was davon abhängt, in welchem anteiligen Verhältnis die 5 Sekunden zur Gesamtzeit stehen.

Eine anschließende Vergrößerung, die dann durch alle Bäder laufen sollte, einschließlich der gewünschten Tonung und die dann am günstigsten mit einem Industrie-Heißluftfön oder auch in der Mikrowelle (ggf. einmal in der Mitte durchgeschnitten) 4 Minuten getrocknet wird, gibt dann Aufschluss über das erzielte Resultat. Natürlich braucht ein solcher Probeabzug nicht voll archivfest ausgewässert zu werden. 10 Minuten reichen vollkommen.

Dieser erste Probeabzug sollte noch nicht manipuliert sein, d.h. ohne Abwedeln oder Nachbelichtung erstellt werden. Nur so ist eine bessere spätere Abschätzung der notwendigen Korrekturen möglich.

Eine endgültige Beurteilung fein abgestufter Lichter ist am nassen Bild nicht möglich.

Es ist so, dass Bildpartien, die im noch nassen Zustand reines Weiß zeigen, im getrockneten Zustand fein gebrochene helle Werte richtig wiedergeben können.

Der Probeabzug ist im Hinblick auf Belichtung, Kontrast und Bildeindruck zu prüfen. Ferner sollten gestalterische Aspekte beurteilt werden wie beispielsweise ob die Bildränder oder auch Bildpartien nachbelichtet werden sollen, um einen geschlosseneren Bildeindruck zu erzielen. Ebenso sollte genauestens überprüft werden, ob die Bildschärfe stimmt und keine Staubfleckchen sichtbar sind. Bei vollständiger Nutzung des Negativformats sollte man auch immer die Bildränder genauestens im Hinblick auf Vignettierungen bzw. scharfkantigen Rändern betrachten.

Die Betrachtung der Probestreifen als auch der fertigen Bilder sollte immer unter den Lichtbedingungen erfolgen, unter denen das fertige Bild später präsentiert wird. In den meisten Fällen ist dies ein Mischlicht aus Kunstlicht und Tageslicht. Ich habe dafür in meinem Hellraum Tageslicht-Neonröhren und zusätzlich Halogenstrahler angeordnet bei denen ich dann in einem Abstand von etwa 1,5m die Bilder betrachte.

Betrachten Sie das Bild bei diesem Licht und überprüfen dabei die gesamte Tonwertwiedergabe in ihrer Beziehung zur Abstufung der Lichter. Letztere sollten, wenn Sie die Belichtung richtig ermittelt haben, auf jeden Fall stimmen.

Konzentrieren Sie sich auf das Bild! Vielleicht sind Ihrem ersten Eindruck nach die Schwärzen nicht tief genug, sondern zeigen nur ein dunkles Grau. In diesem Fall muss der Bildkontrast angehoben werden. Andererseits können die tiefen Töne auch zu dunkel wirken, kann die Detailzeichnung, die Sie vom Negativ her erwarteten, zugelaufen erscheinen, was eine Reduzierung des Kontrastes nahe legt.

Die in Prozentsatz abgeschätzten Abwedel- oder Nachbelichtungszeiten können dann wieder im betreffenden Bildbereich mittels eingelegten Probestreifen verifiziert werden.

Die endgültigen Einstellungen sollten alle auf einer Papierskizze festgehalten werden, die zusammen mit dem Negativ und dem Kontaktabzug archiviert wird. Auch die eingestellte Höhe des Vergrößerungskopfes muss notiert werden, um jederzeit wieder ein identisches Bild erstellen zu können.

5.2 Steuerung der Tonwertwiedergabe

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Arbeitskopien, die schließlich zum feinen Bild führen, liegen oft in Nuancen der Wiedergabe und verlangen hoch entwickeltes handwerkliches Können. Selbst mit dem besten Werkzeug und den bestens gesteuerten Verfahren ist es manchmal schwierig, die Bildqualität unter Kontrolle zu halten.

5.3 Abwedeln und Nachbelichten

Das Abwedeln und das Nachbelichten erfolgt, um bestimmte Partien im Bild aufzuhellen oder mit mehr Zeichnung zu versehen. Hierbei bleibt die Grundbelichtung des Gesamtbildes ohne Beeinflussung.

Das Abwedeln verringert die Zeit der Grundbelichtung für die betreffende Bildpartie.

Das Nachbelichten erfolgt nach Ablauf der Grundbelichtung um Bildpartien, die eine stärkere Belichtung benötigen um mehr Zeichnung zu erlangen, mit einer zusätzlichen Lichtmenge zu versorgen. Zum Nachbelichten kann auch eine andere Gradation, meist eine weichere, am Vergrößerungskopf eingestellt werden.

Die für das Abwedeln und das Nachbelichten erforderliche Zeit sollte man in Prozent der Grundbelichtung festhalten. Von Bildern, die einer aufwendigen Abwedel- und Nachbelichtungsprozedur unterliegen sollte man auf einer Tafel oder einem größeren Blatt Papier eine Bildskizze anfertigen und dort zur Rekapitulation die Bereiche festhalten, die abgewedelt oder nachbelichtet werden sollen mit Notiz des Prozentanteils der sich ergebenden Zeit. Dadurch sind eventuell nochmalige Korrekturen leichter nachzuvollziehen.

Das Abwedeln sollte mit stets bewegtem Abwedelwerkzeug erfolgen und zudem im wechselnden Abstand zum Fotopapier. Grundsätzlich sollte nicht zu nahe an das Papier herangegangen werden da sich sonst scharfe Umrisse abzeichnen können. Lieber mit einem etwas kleineren Abwedelwerkzeug höher arbeiten. Ich habe mir eine Technik angeeignet, wo die das Abwedelwerkzeug führende Hand stets "zittert" und das Abwedelplättchen an einem dünnen, mitschwingendem Federdraht befestigt ist und die Hand dabei noch etwas rauf- und runter fährt. Der mittlere Abstand des Abwedelwerkzeuges sollte etwa mittig zwischen Objektiv und Papier liegen.

Bei bestimmten Sujets kann auch das Abwedeln / Abhalten mittels der Hände erfolgen, die entsprechend dem Ausschnitt zusammengelegt werden oder auch bei abzuhaltenden Bereichen am Bildrand in einer "Wischtechnik" bestehen, wo die Hand über die Partien fährt.

Ähnlich ist es beim Nachbelichten von Bildpartien. Der Karton mit der Lochöffnung muss ebenfalls in allen Richtungen in ausreichendem Abstand zum Fotopapier bewegt werden.

Neben den Abwedel- und Nachbelichtungswerkzeugen (siehe Kapitel 6.12.3) müssen oft individuelle Formen speziell für das betreffende Bild zugeschnitten werden.

5.3.1 Nachbelichten von Bildkanten

Oft wirkt ein Bild in sich geschlossener, wenn der Randbereich etwas nachgedunkelt wird. Dann ist auch eine bessere Abgrenzung zum Hintergrundkarton/ Passepartout gegeben.

Dies hat nichts mit dem Ausgleich von eventuellem Randlichtabfall des Objektivs zu tun.

Um die Nachbelichtung des Randes vorzunehmen ist es falsch die Ränder einzeln nachzubelichten, denn dann würden die Bildecken doppelt belichtet und zu dunkel.

Der richtige Weg ist der, dass man sich einen Karton für seine typische Bildgröße zurechtschneidet, der etwa 30-50% kleiner als das nachzubelichtende Bild ist und diesen Karton dann durch laufende Auf- und Abwärtsbewegung zentrisch im Strahlengang einführt. Dadurch wird auch ein gleitender Übergang der Abdunklung erreicht. Erfahrungsgemäß sollte die Nachbelichtungszeit bei üblichen Aufnahmen etwa 5-10% der Grundbelichtung betragen.

Für Portrait- und Aktaufnahmen hingegen habe ich mir einige ovale Blenden zurechtgeschnitten und dunkle damit sehr oft den Bereich um den Körper/ Kopf mit bis zu 100% nach.

5.4 Die Vorbelichtung

Eine Vorbelichtung des Fotopapiers ist oft sinnvoll, wenn das Negativ in seinen dichten Partien noch geringfügige Differenzierungen hat, die sich aber bei der notwendigen Gesamtgradation nicht mehr zu Papier bringen lassen. Bei Sujets, wo größere Bildpartien in den Weißen mehr Zeichnung bekommen sollen, ist die Vorbelichtungsmethode besser geeignet als ausgedehnte Nachbelichtungen. Dies trifft z.B. auf Sujets wie weiße Wolken, weiß gestrichene Gebäudewände, Wassergischt etc. zu.

Das Verhältnis zwischen Vor- und Hauptbelichtung muss vorsichtig ausgetestet werden. Meist beträgt die Vorbelichtungszeit nur etwa 0,5% der Hauptbelichtung.

Bei der Vorbelichtung wird die Gradation des Papiers etwas gebeugt, so dass für die Hauptbelichtung meist eine etwas höhere Gradation erforderlich wird als bei einer gleichen Vergrößerung ohne Vorbelichtung.

Eine Vorbelichtung kann jedoch auch punktuell vorgenommen werden. Wenn zum Beispiel eine relativ kleine weiße Bildpartie keine Zeichnung zeigt und von dunklen Partien umgeben ist, würde eine normale Nachbelichtung oft zu vergrautem Weiß und im Randbereich von nicht mehr durchgezeichneten Schwärzen umgeben sein. Hier ist eine punktuelle Vorbelichtung oder - wie es manche Printer bezeichnen - ein "Einblitzen" oder "Preflash" die bessere Methode.

Man kann die Vorbelichtung auf zwei Wegen erreichen. Einmal indem man eine starke Streuscheibe vor dem Objektiv einschwenkt und das Negativ in der Bildbühne belässt oder indem man die Bildbühne soweit vorzieht, dass der Strahlengang vollkommen frei wird. Bei Vergrößerungsgeräten, wo dies nicht möglich ist, ist ggf. die komplette Bildbühne für die Vorbelichtung herauszunehmen. Man kann natürlich auch, wenn man ein zweites Vergrößerungsgerät hat, die Vorbelichtung in diesem vornehmen.

Ich habe mir bei meinem Vergrößerungsgerät am Halter des Rotfilters eine zweite Fassung angebracht, wo ich eine Streuscheibe eingelegt habe. Diese kann dann auch dazu dienen bei Licht-Integralmessungen eingesetzt zu werden.

Bei kontrastvariablen Papieren ist die zur Vorbelichtung gewählte Gradationseinstellung ganz entscheidend für den erzielten Effekt. Wenn nur in den Lichterpartien eine bessere Zeichnung erzielt werden soll, ist eine harte Gradationseinstellung zu empfehlen, wie Gradation 5.

Bei einer weichen Einstellung wie z.B. Gradation 2 werden die späteren dunklen Partien des Bildes mit abgedunkelt. Dies ist dann fast der gleiche Effekt als wenn einfach länger belichtet worden wäre. Bei dem punktuellen "Einblitzen" jedoch kann oft sinnvollerweise eine weiche Gradation gewählt werden.

5.5 Partiell verstärkte Entwicklung

Es gibt in der Praxis Fälle, die sich schwer nachbelichten lassen. Hier hilft oft eine partiell verstärkte Entwicklung der betreffenden Bildpartie.

Hierfür stellen Sie eine 2. Laborschale mit flachem Boden umgekehrt neben der Entwicklerschale und holen während der Entwicklung das Bild mehrfach aus der Entwicklerschale und behandeln die in Frage kommenden Partien wie nachfolgend beschrieben und führen das Bild wieder in den Entwickler zurück. Dieser Vorgang ist dann mehrfach zu wiederholen. Hier ist es sinnvoll mit einer relativ hohen Verdünnung des Hauptentwicklerbades zu arbeiten, wo man vorher die aufgrund der hohen Verdünnung erforderliche längere Belichtungszeit ermittelt hat.

Es sind zwei Methoden praktikabel.

5.5.1 Aufbringen von Entwickler-Vorratslösung

Das Aufbringen von voll konzentriertem Entwickler vertieft die Tonwerte der behandelten Bildpartie. Die konzentrierte Entwicklerlösung sollte auf etwa 50°C vorher aufgewärmt werden und mittels eines Malpinsels auf die zu behandelnden Partien aufgetragen werde. Diese Behandlung sollte während des Gesamtentwicklungsvorganges nach Bedarf mehrfach erfolgen.

5.5.2 Aufbringen von Alkali

Alternativ zum Entwickler kann ein starkes Alkali in gleicher Weise aufgetragen werden. Hier empfiehlt sich Natriumcarbonat (Soda) in gesättigter Lösung (20g je 100ml Wasser). Diese Methode ist noch wirkungsvoller als die vorher beschriebene Methode mit Entwicklerkonzentrat.

5.6 Abschwächen / partielles Abschwächen

Entspricht die Verteilung der Helligkeitswerte nicht den gewünschten Anforderungen, so kann durch wechselweise Anwendung von Oxydation, Reduktion und Komplexbildung der Charakter der Silberabscheidung den Wünschen entsprechend umgeformt werden.

Die Abschwächer werden nach der Art ihrer Wirkung klassifiziert.

Substraktive oder Oberflächenabschwächer: Diese wirken annähernd gleichmäßig auf alle Teile des Silberbildes ein. Dadurch ist allerdings der Einfluss des Abschwächungsprozesses auf die Schatten größer als auf die Lichter. Die Gradation wird nicht verändert.

Subproportionale Abschwächer: Diese greifen geringe Schwärzungen und etwa vorhandenen Schleier zuerst an. Sie werden jedoch selten für Papierbilder verwendet sondern zum Klären von Strich-Reproduktionen und Dias.

Superproportionale Abschwächer: Diese greifen beim Papierbild die dichten Schattenpartien stärker als die Lichter an. Es resultiert eine Verminderung des Kontrastes, wobei die Lichterzeichnung nicht verloren geht.

Am bedeutendsten und am öftesten verwendet ist der so genannte Abschwächer nach Farmer. Der Farmersche Abschwächer ist ein Oberflächenabschwächer. Er wirkt aber weitgehend subproportional. Seine Wirkungsweise ist unabhängig von der Einwirkungszeit und der Temperatur.

Es gibt verschiedene Rezepturen, die sich bewährt haben und auch als Fertigprodukte im Fotohandel von Kodak, Tetenal und anderen Herstellern erhältlich sind.

Die einfachste Form besteht darin, dass man Natriumthiosulfat mit rotem Blutlaugensalz (Kaliumferricyanid) zusammenbringt. Diese einfache Kombination hat jedoch den Nachteil, dass es eventuell bei längerer Behandlung zu einer Verfärbung des Bildsilbers ins Gelbliche kommen kann. Aufgrund dessen empfiehlt es sich die Kodak-Formel zu verwenden (siehe Kapitel 9).

Manche alten Profis haben ihre eigenen Methoden entwickelt, die z.B. darin bestehen, dass sie ihre Bilder etwas überentwickeln, bis sie zu einem leichten Schleier kommen, um sie dann in einem verdünnten Farmer wieder zu klären.

Ein S/W-Bild hat nur dann Aussagekraft, wenn tiefe Schwärzen und helle Weißen vorhanden sind. Legen Sie an die weißen Stellen Ihrer Bilder ein weißes Papier und vergleichen Sie, wie weit Ihre Bildweißen abweichen. Durch eine kurze Behandlung in verdünntem Farmer können Sie den Kontrast wesentlich steigern und den Bildern mehr Brillanz geben.

Eine andere Anwendungsmöglichkeit des Farmers ist die partielle Abschwächung, d.h. eine Abschwächung an bestimmten Bildstellen. Mit Hilfe eines Wattebausches werden ganz bestimmte Stellen mit dem Farmer behandelt. Kleinere Partien kann man mit Wattestäbchen abschwächen.

Es ist zu beachten, dass die Farmerlösung nicht sehr lange haltbar ist.

Das mit Abschwächern zu behandelnde Bild sollte gut fixiert und voll ausgewässert sein. Außerdem sollte es trocken und noch nicht getont sein. Ein trockenes Bild hat den Vorteil, dass die Wirkung des Abschwächers zunächst auf die Oberfläche beschränkt bleib und die Lösung nur langsam in die Tiefe der Schicht vordringen und die stärker gedeckten, also dunklen Tonwerte angreifen kann. Dieser Vorgang kann gegebenenfalls mehrfach wiederholt werden, am besten jedoch jeweils am neu getrockneten Bild.

Nach der Abschwächerbehandlung ist das Bild kurz zu wässern, neu zu fixieren und neu Endzuwässern. Das Fixierbad verhindert, dass das Bild an den behandelten Stellen im Laufe der Zeit eine gelbe Färbung bekommt.

5.7 Archivfeste Verarbeitung

Die Haltbarkeit von Schwarzweiß-Bildern kann durch eine unsachgemäße Verarbeitung, ungeeignete Kleber, Rahmungsmaterialien und Umwelteinflüsse negativ beeinflusst werden. Besonders auch durch oxidierend wirkende Schadstoffe in der Umgebungsluft kommt es zu einer Beeinträchtigung der Bildstabilität. Eine Häufung solch negativer Einflüsse führt meist zu einer rötlich bis gelbbraunen Verfärbung des Bildsilbers. Ebenfalls möglich ist die Bildung eines Silberspiegels.

Deutlich gefährdet sind Bilder, die über einen längeren Zeitraum ausgestellt werden, besonders, wenn sie hinter Glas gerahmt sind. Bilder, die für Ausstellungen und die Archivierung bestimmt sind, benötigen deshalb eine entsprechende Stabilisierung gegen die Oxidation des Bildsilbers.

Ein optimaler Schutz wird durch eine Kombination aus Tonung (siehe Kapitel 1.6.) und einem Silberstabilisierungsbad wie AGFA SISTAN erreicht (Bildsilberstabilisator). Vergleichbare Produkte zu Sistan werden unter den Namen Moersch Lobostab Bildstabilisator, Compard AG STAB Stabilisator, Tetenal STABINAL, ADOX ADOSTAB angeboten. Bei der Tonung werden farbige Metallverbindungen am Silberkorn angelagert und verbessern so deren Stabilität gegen Schadstoffe. Die Behandlung in einem Kaliumthiocyanat (Kaliumrhodanid) - Bad bewirkt eine Ausfällung sich bildender löslicher Silbersalze im Falle einer Oxidation in unlösliches farbloses Silberrhodanid. Dieses legt sich dann wie ein Schutzmantel um das Silberkorn. Silberrhodanid ist lichtunempfindlich und äußerst stabil.

5.8 Zusammenfassung

Es ist nicht möglich in Worten auszudrücken, wie ein wirkliches "Feines Bild" aussieht.

Die Qualitäten, die das eine Bild "genau richtig" und das andere nur "fast richtig" erscheinen lassen, sind übergeordneter Natur und unmöglich in Worte zu fassen. Während des Vergrößerungsprozesses muss jedes Stadium im Entstehen des Bildes darauf ausgerichtet sein, erzielte Wirkungen sorgsam zu prüfen und zunehmend zu verfeinern. Wissen Sie erst einmal, wie in wirklich feines Bild auszusehen hat, können Sie ihren spontanen Intuitionen gegenüber Ihren eigenen erarbeiteten Bildern vertrauen.

Beim Bewerten eines Bildes ist unter anderem auf folgende Qualitätsmerkmale zu achten:

  • Stehen die Lichter klar definiert und "offen" da, so dass sie den Eindruck von Zeichnung und Substanz vermitteln, ohne farblos oder flach zu erscheinen?

  • Sind die Schattenwerte leuchtend und ohne sinnlose Schwere?

  • Zeigt das trockene Bild in allen Teilen, in denen Sie die Werte sichtbar werden lassen wollten, Zeichnung und Substanz?

  • Vermittelt das Bild insgesamt einen Eindruck von "Licht"?

John Sexton hat einmal treffend die folgende Bemerkung gemacht:

"Anfänger kopieren und vergrößern oft mit hohem Kontrast, um gute Weißen und Schwärzen zu bekommen, übersehen dabei aber irgendwie die feinen Abstufungen der Grauwerte. Vielen wird beigebracht, dass - sobald das Papier gute Weißen und Schwärzen zeigt - sie auch ein gutes Bild erzielt hätten. In Wahrheit aber sind sie damit erst an dem Punkt, wo sie mit der Wiedergabe des Negativs beginnen können - sie haben weiter nichts als einen brauchbaren Probestreifen!"

Dem ist nichts hinzuzufügen und dies beweist auch, dass mit einem messtechnisch optimal vergrößerten Bild noch lange kein feines Bild geschaffen worden ist.