Kolumne

Eine Frage des guten Tons

oder: Archivfeste Tonungen (und eine weitere Nachbehandlung)


Thomas Wollstein
März 2001


Zusammenfassung:
Tonung mit geeigneten Tonern kann nicht nur das Bild verschönern, sie kann es auch stabilisieren. Sie finden nachfolgend Hinweise zur Anwendung und Beispiele für die Wirkung verschiedener Toner. Am Ende des Artikels finden Sie Rezepte für einige gängige Toner.

Nachdem ich Ihnen im Januar 2001 schonend beibringen musste, dass Ihre sorgsam erarbeiteten und daher wertvollen feinen Prints durch den allgegenwärtigen Dreck in der Luft schnell leiden können, möchte ich in diesem Beitrag archivfeste Tonungen mit Beispielen und im Detail behandeln.

Eine Warnung gleich zu Anfang: Monitore sind im Hinblick auf Farbtreue alles andere als verlässlich. Betrachten Sie daher die abgebildeten Effekte nur als groben Trend. Selbst wenn Sie dasselbe Papier und denselben Toner verwenden, kann das Resultat bei Ihnen anders aussehen als am Monitor.

Hinzu kommt, dass jedes Fotopapier auf Tonung anders reagiert. Generell lässt sich sagen, dass Emulsionen mit kaltem Bildton schwächer auf Tonung ansprechen als solche mit wärmerem Ton. Eine plausible Erklärung dafür scheint mir zu sein, dass bei den Kalttonemulsionen das Silberbild aus gröberen Silberkörnern besteht als bei Warmtonemulsionen. Das führt dazu, dass Silberbilder auf Warmtonemulsionen angreifenden Chemikalien eine viel größere Oberfläche zur Verfügung stellen. (Aus diesem Grund sollte man z. B. auch erwarten, dass Warmtonbilder anfälliger für Oxidation durch Luftverunreinigungen sind, aber ich glaube, das hat noch niemand ernsthaft untersucht.) Tatsache bleibt:

Wenn Sie deutliche Tonungsergebnisse wünschen, verwenden Sie Warmtonpapier!

Nachdem ich das gesagt habe und Sie auch im Folgenden noch einige Warnungen finden werden, sollten Sie trotzdem nicht den Eindruck gewinnen, Tonung sei eine schwierige Angelegenheit. Eigentlich möchte ich Sie mit diesem Artikel einladen, Ihre eigenen Experimente zu machen. Sie werden sehen, dass Toner Ihre bildgestalterischen Ausdrucksmöglichkeiten erweitern können.

Es gibt natürlich über die hier vorgestellten Tonungen hinaus noch eine ganze Reihe von Rezepturen für die verschiedensten Farbtöne, aber leider sind die meisten davon überhaupt nicht langzeitstabil. Ich stelle Ihnen im Folgenden nur fünf Möglichkeiten vor, dauerhafte Tonungen zu erzielen sowie eine weitere Möglichkeit zur Bildstabilisierung ohne Tonwertänderung.

Alle Beispielbilder habe ich auf Forte Polywarmtone Plus FB vergrößert, ein Papier, das für seine teilweise spektakulären Reaktionen auf Toner bekannt ist. Alle Bilder wurden während einer Dukasitzung gleich belichtet und hintereinander verarbeitet und identisch ausgewässert. Sie unterscheiden sich also nur in der Nachbehandlung.

Hier ist das Referenzbild (das ich genauso gut als Beispiel für Sistanbehandlung hätte verwenden können, s. u.). Warum ein Hochzeitsbild? Nun, zum einen wünsche ich Frank und Doro, dass ihre Ehe glücklich wird und lange lange hält, und dass die beiden sich das Bild auch nach Jahren noch gerne angucken. Zum anderen eignet es sich gut als Beispiel, um die Wirkung von Tonern zu illustrieren, da es kräftige dunkle Partien, Papierweiß und auch Zwischentöne enthält. Damit ist nicht gesagt, dass es mit jedem Toner gut aussieht, aber das ist eine andere Geschichte (und zum Teil Geschmackssache). Ich halte es aber für günstig, zum besseren Vergleich alle Toner anhand eines Bildes vorzuführen, und Graukeile waren mir einfach zu trocken.

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Allgemeines zum Tonen


Bilder, die Sie tonen möchten, sollten Sie ganz besonders sorgfältig verarbeiten, denn die Tonung hat mitunter die unangenehme Eigenschaft, Verarbeitungsfehler, die ohne Tonen nicht auffielen, zum Vorschein zu bringen. Lokale Unterschiede in der Entwicklung des Bildes, z. B. weil es beim Entwickeln partiell auf dem Boden der Schale aufgelegen hat, werden von manchen Tonern gnadenlos entlarvt.

Im Sinne Ihrer Gesundheit sollten Sie die Warnhinweise auf den Tonern beachten. Praktisch alle Fotochemikalien sind Gefahrstoffe und Umweltgifte, und bei den Tonern sind einige besonders giftige versammelt. Es ist also durchaus eine gute Idee, beim Tonen Laborhandschuhe zu tragen, und bei einigen Tonern (Schwefeltoner, Agfa Viradon, Selentoner) empfiehlt sich zusätzlich gute Belüftung. Details siehe weiter unten.

Gewöhnen Sie sich daran, alle verwendeten Geräte und Arbeitsflächen nach dem Tonen zu reinigen, um Verschleppung von Chemikalien zu vermeiden. Wenn Sie langzeitstabile Bilder wollen, müssen Sie sauber arbeiten, denn manche Sünde zeigt sich erst nach Jahren und ist dann nicht wieder auszubügeln.

Noch ein Wort hinsichtlich der Entsorgung: Genau wie Entwickler und Fixierbäder gehören Toner in den Sondermüll, und zwar getrennt! Beachten Sie das bei Tonern besonders, denn das Zusammenkippen z. B. von Natriumsulfidlösung mit Säure führt zur Entstehung von Schwefelwasserstoff, einem Gas, das nicht nur erbärmlich stinkt, sondern auch extrem giftig ist.

Selentoner lässt die Herzen von Ansel-Adams-Adepten höher schlagen!

Teilweise zu Unrecht, meine ich! Selentoner bewirkt in hoher Verdünnung und bei relativ kurzer Einwirkzeit eine Anhebung der Maximaldichte des Fotopapiers und damit eine Verbesserung der Schattendifferenzierung, oft ohne nennenswerte Farbtonveränderung. So verdienstvoll dies ist, damit ist sein Wert für die Stabilisierung des Bildsilbers, der von vielen Adams-Adepten immer wieder hochgehalten wird, praktisch nicht existent. Unter den Stichworten Tonung und Archivfestigkeit möchte ich daher diese Praxis nur der Vollständigkeit halber erwähnen. (Einen ähnlichen Effekt erzielt man auch mit Goldtoner, siehe weiter unten.)

Wenn Sie mit Selentoner sowohl eine Schutzwirkung als auch eine Stabilisierung des Bildes erzielen möchten, müssen Sie ihn lange und/oder in höherer Konzentration einwirken lassen. Er führt dann bei vielen Fotopapieren zu einem mehr oder weniger intensiven, ins Purpur-, Aubergine- oder auch Pflaumenfarbene tendierenden Farbton.

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Das Beispielbild wurde für 10 Minuten in Amaloco T 50 1+9 getont. Neben der angesprochenen Farbtonverschiebung kann man an diesem Bild deutlich den für Selentoner recht typischen (und bei dem verwendeten Fotopapier bekanntermaßen besonders ausgeprägten) Teiltonungseffekt (Engl.: split toning) sehen: Die dunklen Bildpartien sprechen eher auf die Tonung an als die hellen. Im Beispielbild führte das dazu, dass die dunklen Partien bereits voll getont sind und den typischen rötlichen Ton aufweisen, die Gesichter jedoch zum Teil noch einen kälteren Ton behalten haben, der neben den warmtonigen Schattenpartien fast ein bisschen merkwürdig aussieht.

Man kann dies gestalterisch ausnutzen, aber das ist vielleicht ein Thema für einen späteren Artikel. Im Augenblick interessiert uns im Sinne der Stabilität eine andere Schlussfolgerung daraus: Durch die Teiltonung sprechen die Mitteltöne und hellen Partien eines Bildes erst sehr spät auf die Tonung an. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, lange zu tonen oder aber zusätzlich zum Selentoner Agfa Sistan (s. u.) einzusetzen, wenn man ganz sicher vollen Schutz anstrebt.

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Sicherheitshinweise:
Selen ist für den Menschen einerseits ein Spurenelement (sie bekommen es in entsprechender Dosierung in Nahrungsergänzungsmitteln im Reformhaus), aber schon ein bisschen zuviel ist sehr schädlich. Selen kann durch die Haut aufgenommen werden. Tragen Sie also beim Arbeiten mit Selentoner Handschuhe!
Selentoner stinkt zudem nach Ammoniak. Dieses Gas ist m. W. in den geringen Dosen nicht sonderlich gefährlich, aber kann empfindliche Personen (z. B. Asthmatiker) reizen. Lüften Sie gut beim Tonen.

Goldtoner - edel, exotisch und echt cool

Wenn man der Aufschrift auf der Flasche von Tetenals Goldtoner glauben darf, ist der Toner nur dazu gedacht, zusammen mit einer Schwefeltonung zur Erreichung eines Rötel-Effekts genutzt zu werden. Aus meiner Sicht ist das (siehe weiter unten) die weniger interessante Anwendung. Denn für sich allein genommen bewirkt Goldtoner eine deutliche Erhöhung der Maximaldichten und - was mir noch viel mehr zusagt - eine wunderbare Abkühlung des Bildtons bis hin zu echtem Blauschwarz. Das Beispielbild wurde 10 Minuten in Tetenal Goldtoner getont. (Tetenal Goldtoner wird direkt als Arbeitslösung angeboten, daher ist keine Verdünnung angegeben.) Bei Salzpapierdrucken und anderen alten Auskopierverfahren war übrigens die Behandlung des Bildes mit Goldtoner gängig, da nur so die Bilder haltbar wurden [1], und Goldtoner war der Stabilisator schlechthin, bevor - vermutlich wegen des günstigeren Preises - Selentoner so beliebt wurde. Mit Goldtoner lassen sich je nach Formulierung nicht nur die hier beschriebenen kühlen bis bläulichen Bildtöne erzeugen, sondern auch bräunliche, die denen von Schwefeltoner ähneln. Ich möchte mich hier allerdings auf die erstgenannte Anwendung beschränken, da man wegen des hohen Preises i. d. R. nur für die Zwecke Goldtoner einsetzen wird, die nicht anders zu erzielen sind.

Durch die Erhöhung der Dichte des Bildes können mitunter Bilder, die in trockenem Zustand gut aussehen, nach der Anwendung von Goldtoner zu dunkel wirken.

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Auch Goldtoner neigt zum Teiltonen, allerdings von der anderen Seite her: Er wirkt zuerst in den hellen Bildpartien. Dazu vielleicht mehr in einem späteren Artikel. Hier ist im Sinne der Bildsilberstabilisierung der Schluss zu ziehen, dass Goldtoner erst dann seine stabilisierende Wirkung voll entwickeln kann, wenn er bis in die Schatten hinein wirkt. Wenn seine Anwendung darauf abzielt, die Schattendichten zu erhöhen, wird man ihn ohnedies lange genug einwirken lassen. Ansonsten empfiehlt sich eine Zusatzbehandlung mit Agfa Sistan.

Für Goldtoner gilt die Empfehlung, Warmtonpapier zu benutzen, in besonderem Maße, da er bei Kalttonpapieren oft kaum oder gar nicht sichtbar wirkt.

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Sicherheitshinweise:
M. W. (aber ich bin nicht allwissend) birgt Goldtoner keine herausragenden Gefahren. Behandeln Sie ihn mit dem allen Chemikalien gebührenden Respekt.

Schwefeltoner: Ei, was stinkt hier so?

Schwefeltoner kommt in zwei Varianten daher, einer geruchlosen und einer (nach faulen Eiern) stinkenden. (Wenn das der einzige Unterschied wäre, wäre vermutlich die stinkende Variante längst ausgestorben.) Beide Tonervarianten sind Zweibadtoner, bei denen der eigentlichen Tonung ein Bleichbad vorausgeht. Das Bleichbad besteht typischerweise aus Kaliumhexacyanoferrat (III) und Kaliumbromid und verwandelt das Bildsilber wieder in Silberbromid. Dieses Silberbromid wird dann im zweiten Bad, dem eigentlichen Toner, zu Silbersulfid umentwickelt. Das Silbersulfidbild ist braun gefärbt. Silbersulfid ist eine extrem stabile Verbindung. Schwefelgetonte Bilder sind daher absolut archivfest.

Die Unterschiede zwischen den beiden erwähnten Tonervarianten liegen im zweiten, dem Tonungsbad. Während bei der stinkenden Variante (z. B. Tetenal Schwefeltoner oder Eigenansatz, Rezept siehe Ende des Artikels) die Tonungslösung eine einfache Natriumsulfidlösung ist, wird bei der zweiten Variante eine organische Verbindung, Thiocarbamid (gleichbedeutend: Thioharnstoff), verwendet (z. B. Amaloco Variton und Tetenal Triponaltoner). Thiocarbamidbasierte Schwefeltoner lassen sich in ihrer Wirkung steuern. Vor der Tonung wird je nach gewünschtem Farbton, der von gelblichbraun bis kaltbraun reichen kann, eine Tonerlösung aus Thiocarbamid und einem Steuerpart, Natriumhydroxid, angesetzt. Die Tonungslösung hält allerdings nur ein paar Stunden.

Wegen der verwendeten Bleichlösung ist besonders zu beachten, dass die Bilder vor dem Tonen gründlich ausgewässert werden, den die Bleichlösung zusammen mit Fixierbadresten ergibt im Prinzip Farmerschen Abschwächer. Dadurch würden beim Vorhandensein von Fixierbadresten die Lichter ausbleichen.

Zwischen Bleichen und Tonen ist eine Zwischenwässerung einzuschieben, bei der der leuchtend gelborange Farbton des Bleichbades ausgewaschen werden muss, bevor der Toner angewendet wird. Die eigentliche Tonung geschient praktisch augenblicklich, wenn das Bild ins Bad kommt.

Das Beispielbild wurde mit einem selbst angesetzten einfachen Natriumsulfidtoner (Pfui!) getont. Es hat einen sehr antiken Look angenommen, der nicht zuletzt auch dadurch verstärkt wird, dass es erheblich in Kontrastumfang und Maximaldichte nachgelassen hat.

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Da die Wirkung der Bleichlösung ebenfalls zuerst in den hellen Partien sichtbar wird, lässt sich auch mit Schwefeltoner eine Teiltonung erreichen, wenn man den Bleichvorgang frühzeitig abbricht. Die meisten handelsüblichen Tonerrezepturen und Vorschläge für Selbstansätze enthalten jedoch für diesen Zweck viel zu hoch konzentrierte Bleichlösungen. Wenn Sie also eine Teiltonung probieren möchten, sollten Sie die Bleichlösung stark verdünnen, um den Prozess besser steuern zu können. Es gilt dann wieder die Empfehlung, den Schutz mit Agfa Sistan zu vervollständigen.

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Sicherheitshinweise:
Natriumsulfidlösung ist stark alkalisch und daher gefährlich bei Haut- oder Schleimhautkontakt. Handschuhe sind empfehlenswert. Sie setzt zudem Schwefelwasserstoffgas frei, das zwar schon in kleinen Konzentrationen unangenehm stinkt (insofern haben Sie einen Warnmechanismus), das aber zu einem raschen Abklingen der Empfindlichkeit der Nase führt (dann bemerken Sie eine gefährlich werdende Exposition nicht mehr). Lüften Sie gut, während Sie mit Schwefeltoner arbeiten.
Kaliumhexacyanoferratlösung kann bei Kontakt mit Säure hochgiftiges Blausäuregas freisetzen. Vermeiden Sie es, Lösungen zusammenzuschütten, wenn Sie nicht genau wissen, was Sie tun.
Thiocarbamid (Thioharnstoff) ist krebsverdächtig. Arbeiten Sie mit Handschuhen.

Agfa Viradon - das Beste aus zwei Welten

Soweit mir bekannt, handelt es sich bei Agfa Viradon im Prinzip um eine Kreuzung aus Selen- und Schwefeltoner, und vom Bildton her würde das auch passen. (Für das Beispiel wurde 10 Minuten in Agfa Viradon 1+50 getont.) Stinken tut das Zeug wie Schwefeltoner. Agfa Viradon ist ein Einbadtoner. Das Bild wird einfach für einige Zeit hineingeworfen und wieder herausgefischt, wenn es passend erscheint. Allerdings muss man sagen, dass die visuelle Beurteilung des Tonungsfortgangs schwierig ist, da die Lösung dunkelorange gefärbt ist. Wenn man den Tonungsvorgang definiert abbrechen möchte, empfiehlt sich ein Bad in Natriumsulfitlösung (diesmal Sulfit mit t!). Diese soll ein Nachtonen während der Schlusswässerung verhindern.

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Die kombinierte Selen- und Schwefeltonung müsste nach allem Verständnis stabile Bilder ergeben, so dass ein zusätzlicher Schutz nicht vonnöten ist.

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Sicherheitshinweise:
Für Agfa Viradon gelten die Hinweise wie für Natriumsulfid und Selen, also: Tragen Sie Handschuhe und lüften Sie gut!

Das Bild hat die Röteln - Tonung mit Schwefeltoner und Goldtoner

Wie bereits erwähnt, ist lt. Flaschenetikett Tetenals Goldtoner dazu gedacht, nach einer Schwefeltonung eingesetzt zu werden, um so einen Rötelton zu erzielen. Wenn man einmal davon absieht, dass das nicht jedem Bild steht, bieten sich damit interessante Möglichkeiten zum Spielen. Mein erstes Experiment mit Schwefel + Goldtonung brachte mir auf Forte Polywarmtone Plus FB bei einem mit hausgemachtem Schwefeltoner (s. u.) getonten Ausschussbild einen unerwarteten leuchtenden Orangeton, der mir fast die Schuhe auszog. Hier scheint das Papier ein wenig untypisch zu reagieren. Ich habe daraufhin ein wenig mehr experimentiert und präsentiere Ihnen als Beispielbild ein solches, dass 3 Minuten in Viradon 1+50 und 8 Minuten in Tetenal Goldtoner behandelt wurde. Der Bildton ist in der Tat ein roter, und dieser Rotton hat gegenüber anders erzeugten den Vorteil, dass er stabil ist.

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Ein interessantes Anwendungsfeld für diese Tonung sehe ich vor allem in der Teiltonung. Schwefeltoner tont zuerst die hellen Partien, und ich könnte mir vorstellen, dass zarte Rosatöne zusammen mit tiefen, kalten Schwärzen bei Abendstimmungen eine interessante Wirkung haben können. (Da muss ich doch gleich einmal ein passendes Negativ suchen.)

Zur Anwendung der beiden einzelnen Toner habe ich schon etwas gesagt. Zwischen den beiden Tonungen sollten Sie wässern wie bei einer Schlusswässerung.

Es gelten die Sicherheitshinweise für die einzelnen Toner.

Agfa Sistan: Keine Tonveränderung und trotzdem stabil


Es passt nicht so richtig zum Thema "Tonungen", aber dafür zum Thema "Stabilität". Eine Bildtonänderung ruft Sistan nicht hervor. Sistan ist lt. Etikett ein "Bildsilberstabilisator". Über die Wirkmechanismen habe ich im Januar-Beitrag schon ein bisschen gesagt, so dass ich mir das hier spare. Nur noch einmal der Hinweis zur Anwendung:

Agfa Sistan wird als Schlussbad verwendet. Danach darf nicht mehr gewässert werden. (Sonst können Sie sich die Anwendung gleich sparen.)

Agfa Sistan scheint sich mit allen anderen Tonern zu vertragen. Bei wertvollen Bildern ist es daher vielleicht eine gute Idee, Sistan zur Vervollständigung des Schutzes einzusetzen, wenn z. B. eine Volltonung mit einem Toner nicht sichergestellt oder aus gestalterischen Gründen nicht gewünscht ist.

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Sicherheitshinweise:
Das wirksame Agenz in Agfa Sistan ist Kaliumthiocyanat (oder Kaliumrhodanid), eine nicht übermäßig giftige Chemikalie, die allerdings bei Kontakt mit Säure hochgiftige Dämpfe entwickelt. Achten Sie bei der Entsorgung auf diesen Punkt.


Die folgende Tabelle präsentiert die Toner noch einmal im Überblick.

Behandlung*

Bildton**

Stabilisierende Wirkung***

ungef. Kosten für die Behandlung
eines Bildes 20x25 cm
****

Agfa Sistan

keine Änderung

lt. Agfa sehr gut, unabh. Tests in Vorbereitung

unter 0,10 DM

Agfa Viradon

Brauntöne, meist warm

sehr gut

gering

Goldtoner

direkt eingesetzt Erhöhung der Schattendichte, Abkühlungnach Schwefeltonung Rottöne


zusätzliche Anwendung von Sistan empfohlen, da Volltonung nicht sicher nachgewiesen werden kann

1 DM

Schwefeltoner

Brauntöne, kaltbraun bis gelblich, bei Thiocarbamidtoner abstimmbar bei Volltonung sehr gut

bei Teiltonung zusätzliche Anwendung von Sistan empfohlen

bei Selbstansatz gering
ab 0,20 DM für käuflichen Natriumsulfidtoner
0,60 bis 1,50 DM für käuflichen Thiocarbamidtoner

Selentoner

bei Teiltonung nur Erhöhung der Schattendichte, keine nennenswerte Farbtonänderung, variierende, ins Rotbraune tendierende Töne bei Volltonung

nur bei Volltonung sichergestellt, zusätzliche Anwendung von Sistan empfohlen

gering

Anmerkungen:
* in alphabetischer Reihenfolge
** Die Töne variieren von Papier zu Papier, daher nur zur groben Orientierung.
*** Die stabilisierende Wirkung oder Wirksamkeit hängt u. A. von den Lagerungsbedingungen ab. Sie bezieht sich hier allein auf die Stabilisierung des Bildsilbers. (Wenn der Träger im feuchten Keller verschimmelt, hilft Ihnen auch Schwefeltoner nicht mehr.)
**** Die Kosten sind nicht immer genau berechenbar, da die Toner je nach Schwärzung der getonten Bilder unterschiedlich verbraucht werden. Die Werte sind also i. A. Näherungswerte, die aus den vom Hersteller angegebenen Kapazitäten und Katalogpreisen ermittelt wurden. Einzig bei Agfa Sistan lässt sich der Wert einfach ausrechnen, da jeder Ansatz für dieselbe Anzahl von Bildern ausreicht.

 

Tonerrezepturen

Bitte beachten Sie die Sicherheitshinweise im Text.

Einfacher Zweibad-Schwefeltoner auf Natriumsulfidbasis
Rezept aus [2]

Bleichbad (Stammlösung)

Kaliumhexcyanoferrat(III) 100 g
Kaliumbromid 100 g
Wasser (vorzugsweise demineralisiert) 1 l

Als Arbeitslösung verwenden Sie 50 ml der Stammlösung auf 1 l Wasser (1+19).

Hinweis: Für Teiltonung evtl. stärker verdünnen!

Tonerbad (Stammlösung)

Natriumsulfid 200 g
Wasser (vorzugsweise demineralisiert) 1 l

Hinweis: Das Sulfid ist nicht gut löslich. Verwenden Sie zum Auflösen heißes Wasser.

Als Arbeitslösung verwenden Sie 50 ml der Stammlösung auf 1 l Wasser (1+19).
Beide Lösungen können bis zur Erschöpfung verwendet werden.

Abstimmbarer Schwefeltoner auf Thiocarbamidbasis
Rezept aus [3]

Bleichbad (Stammlösung)

Kaliumhexcyanoferrat(III) 100 g
Wasser (vorzugsweise demineralisiert) 1 l

Als Arbeitslösung verwenden Sie 50 ml der Stammlösung auf 1 l Wasser (1+19).
Alternativ kann auch die Stammlösung wie für den einfachen Schwefeltoner verwendet werden.
Das Tonerbad besteht aus einem Steuer- und einem Tonerpart, die kurz vor der Anwendung gemischt werden und zusammen nur begrenzt haltbar sind. Das Mischungsverhältnis bestimmt den Farbton.

Die Bleichlösung kann bis zur Erschöpfung verwendet werden.

Steuerpart (Stammlösung)

Natriumhydroxid 100 g
Wasser (vorzugsweise demineralisiert) 1 l

Natriumhydroxid ist stark ätzend. Verwenden Sie Handschuhe und eine Schutzbrille!

Tonerpart (Stammlösung)

Thiocarbamid 200 g
Wasser (vorzugsweise demineralisiert) 1 l

Die Zusammensetzung der Arbeitslösung hängt vom gewünschten Tonungsergebnis ab.

 Verwenden Sie für

 Gelbbraun

 bis

 Tiefbraun

 Stammlösung Tonerpart

60 ml 

 bis

10 ml

 Stammlösung Steuerpart

10 ml 

 bis

60 ml

Die Arbeitslösung des Toners ist nur ein paar Stunden verwendbar.

Goldtoner (Ansco 231)
Rezept aus [4]

Demineralisiertes Wasser, 52 °C 750 ml
Ammoniumthiocyanat* 105 g
Goldchloridlösung,. 1 % 60 ml
Demineralisiertes Wasser, kalt auf 1 l

*) alternativ 110 g Natriumthiocyanat oder 135 g Kaliumthiocyanat

Nach dem Fixieren und Waschen der Bilder 10 bis 20 Minuten bei gelegentlicher Bewegung tonen, dann Wässern und Trocknen.

 

Literaturhinweise

[1] William Crawford, The Keepers of Light, A History and Working Guide to Early Photographic Processes, Morgan & Morgan 1979, ISBN 87100-158-6 (alte Verfahren, Rezepturen für geeignete Toner)
[2] Larry Bartlett, Text von John Tarrant: Workshop Schwarzweiß Printing: Professionelle SW-Abzüge selbermachen, Augustus Verlag 1997, ISBN 3-8043-5105-0 (Rezepturen für verschiedene Toner)
[3] Tim Rudman, The Photographer's Master Printing Course, Focal Press 1994, ISBN 0-240-80324-8 (Anwendung und Rezepturen, speziell auch Teiltonung, viele Beispiele)
[4] Steve Anchell, The Variable Contrast Printing Manual, Focal Press 1997, ISBN 0-240-80259-4
[5] Tim Rudman, The Master Photographer's Toning Book, Argentum 2002, Reprint 2010, ISBN: 978-1-90253-823-5, A Definitive Guide to Creative Toning Techniques