Kolumne

Thomas Wollstein
April 2002


Der nicht auch noch! Das werden jetzt vielleicht einige von Ihnen sagen. Noch ein Artikel, der die "guten alten Zeiten" predigt, da ein Tri-X die Spitze der technischen Möglichkeiten definierte und die Welt noch in Ordnung war.

Aber keine Sorge. Ich möchte Ihnen keine Meinung verpassen, sondern Ihnen wertfrei Entscheidungshilfen geben und Sie vor ein paar Fallstricken warnen, wenn Sie sich die entscheidende Frage stellen:

Mache ich's analog oder digital?

Sehen wir es einmal realistisch: Der Trend im Massenmarkt der bunten und vielen Knippsbilder, und auch der Trend in der professionellen, medienorientierten und auf kurzlebige Produkte (ich zögere, sie "Werke" zu nennen) ausgerichteten Fotografie geht ganz klar in Richtung digital. Und das ist auch gut so. Aus meiner Sicht bedeutet das eine deutliche Entlastung der Umwelt von einer Menge problematischer Chemie. Zwar ist ein Profilabor heute durch behördliche Auflagen schon sehr weitgehend im Sinne einer fachgerechten Entsorgung festgelegt, und auch die Erzeugung von Computer-Hardware ist nicht gerade ein "Öko"-Verfahren, aber alles in allem scheint mir die Ökobilanz speziell bei hohen Bildzahlen bei digitaler Be- und Verarbeitung doch günstiger.

Aber das soll uns hier nicht interessieren. Uns geht es hier in ganz egoistischer Weise darum festzustellen, welcher Schuh uns, Ihnen und mir, am besten passt. Und dazu möchte ich Ihnen ein paar Kriterien liefern.

Die Aufnahme: Digitale Kameras

Pixelzahl
Der Markt im Bereich Digitalfotografie entwickelt sich rasant, wie wir es von den Computern seit gut ein bis zwei Jahrzehnten kennen. War vor einem Jahr eine 2,1-Megapixel-Kamera noch etwas Tolles, so ist sie heute schon fast out. 10-Megapixel-Kameras sind im Kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man die Klamotten von heute nur noch mit einem mitleidigen Lächeln betrachtet.

Dabei lassen sich damit schon gute Bilder machen! Wer sowieso nur bis DIN A 5 oder etwa 13x18cm vergrößert, der kann mit einer 2,1-Megapixel-Kamera schon mehr als zufrieden sein. Und auch DIN-A 4-Ausdrucke, oder rund 20x30cm, sehen gar nicht übel aus.

Aber das ist ja auch gar nicht der Punkt bei der digitalen Erneuerungstaktik, oder? Es ist der Spieltrieb! Wie die Kindergartenkinder sind wir stolz auf unsere 4,72 Megapixel, weil Heinz-Rudolf nur 4,65 hat. Dass seine Bilder von unseren in der Qualität gar nicht zu unterscheiden sind, ist da nicht so entscheidend.

Nun ja, nach der Polemik ein paar Fakten, deren Bewertung allerdings teilweise durch meine persönlichen Sehgewohnheiten geprägt ist:

Ich behaupte jetzt einmal, dass Sie bis zum Format 13x18cm (oder DIN A 5) mit einer 2,1-Megapixel-Kamera sehr gute Bilder machen können, auch noch gute bis rund 20x30cm oder DIN A 4.

Wenn Sie das als gegeben akzeptieren, können Sie leicht weiterrechnen: Um die doppelte Bildfläche in gleicher Qualität zu "belichten", brauchen Sie doppelt so viele Pixel, also rund 4 bis 5 Megapixel, usw. usw., immer vorausgesetzt, dass die Qualität des Objektivs entsprechend mit zunimmt oder noch nicht ausgeschöpft ist. Die Pixelzahl ist nämlich bestenfalls die halbe Wahrheit. Eine 10-Megapixel-Kamera mit einem Flaschenboden als Objektiv kann keine tollen Fotos machen, wie auch bei analogen Kameras ein Kodak Technical Pan mit dem absolut unschlagbaren Schärfeentwickler nichts nützt, wenn Sie mit einem minderwertigen Objektiv fotografieren, von den anderen Bedingungen für scharfe Bilder (Verwacklungsfreiheit und korrekte Einstellung) einmal abgesehen, denn die sind für analoge und digitale Bilder gleich oder zumindest ähnlich.

Wenn Sie an die Grenzen der Auflösung vorstoßen wollen, haben derzeit analoge Kameras (zumindest im Amateurbereich) noch die Nase vorn. Die Auflösung hochauflösender Filme wie Kodak Technical Pan oder Agfa Copex Rapid ist für Digitaltechnik unerreichbar.

Vielseitigkeit
In diesem Punkt sind Digitalkameras kaum zu schlagen: Farb- und Schwarzweißaufnahmen, oben drauf noch Infrarot (dafür ist allerdings wie bei konventioneller Technik ein IR-Filter nötig, und auch nicht jede Digitalkamera kann es), Aufnahmen mit ISO 50/18° und mit ISO 6400/39° (diese Bandbreite erreichen auch nur einige Kameras, längst nicht alle!), alles in einem Gehäuse und ohne Filmwechsel, der teilweise sogar noch im Dunkeln (IR) erfolgen muss, einfach durch Auswahl im Menü umschaltbar, das kann Ihnen keine analoge Kamera bieten. Eine Digitalkamera kann das dagegen leicht. Hier gewinnt die Digitaltechnik.

Schlepperei
Man könnte denken, dass nach dem vorangegangenen Abschnitt auch hier die Digitaltechnik "gewinnt", weil man ja mehrere Gehäuse einsparen kann. Das stimmt aber nur bedingt. Die für die Aufnahme mitzuschleppende Ausrüstung wird in der Tat dank der Vielseitigkeit der Digitaltechnik weniger, aber wenn Sie auf eine Reise gehen, auf der Sie viele Bilder aufnehmen werden, reicht Ihnen der Speicher in Ihrer Kamera meist nicht, und Sie brauchen Zusatzspeicher. Sie können viele Speicherkarten mitführen, die dann allerdings auch ihren Preis haben, oder aber Sie nutzen Hilfsmittel wie Notebook oder spezielle Festplattenlaufwerke o.ä., auf denen Sie die in Ihrer Kamera gespeicherten Bilder bis zur weiteren Verarbeitung parken. Hier hat die Digitaltechnik also allenfalls einen geringen Vorteil.

Systemkameras
Nikon, Canon und Konsorten bieten Kameras an, die mit den vorhandenen Zubehörteilen eines Systems kompatibel sein sollen. Man kann also z.B. eine vorhandene Objektivpalette weiter nutzen. Klingt toll, nicht? Einen Schönheitsfehler hat die Sache allerdings: Die CCD-Arrays in den "kompatiblen" Kameras sind i.d.R. nicht so groß wie ein KB-Negativ, sondern ein Stück kleiner. Konsequenz: eine effektive Brennweitenverlängerung. Der Stolz des Landschaftsfotografen, das teuer erstandene 20-mm-Weitwinkel, wird zu irgend etwas zwischen 26 und 34 mm, gar nicht mehr so beeindruckend. Natürlich wird nicht wirklich die Brennweite länger, sondern die Werte geben an, welche Brennweite bei KB dieselbe Bildwirkung haben würde wie Brennweite X bei kleinerem Format. Die Faktoren, mit denen Sie die KB-Brennweite multiplizieren müssen, um das Äquivalent bei der digitalen Systemkamera zu errechnen, reichen bei den gegenwärtig verfügbaren Kameras von 1,3 bis 1,7.

Eine Ausnahme gibt es jetzt: Contax beabsichtigt, diesen Monat die Contax N auf den Markt zu bringen, die ein CCD-Array mit 24x36mm mit gut 6 Megapixeln hat. Bei dieser Kamera bleibt das 20-mm-WW ein 20-mm-WW, allerdings wird sie auch für rund 10000 EURO über den Tresen wandern. Doch wie wir wissen, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis andere Hersteller mit preiswerteren Modellen nachziehen werden, und in ein oder zwei Jahren ist diese Neuheit dann schon gängig.

Schnelligkeit (nach der Aufnahme)
Auch hier gewinnt eindeutig die Digitaltechnik. Mit analoger Technik ist es einfach nicht drin, ein Foto, das ich eben aufgenommen habe, ein paar Minuten nach der Heimkehr auszudrucken oder per Mail an Freunde und Bekannte zu senden. (Polaroids lasse ich einmal außen vor: Die aus den Polaroid-Knipskameras sind von bescheidener Qualität, und jedes Bild ist per se ein Unikat, und die aus Polaroid-Rückenteilen für Großformatkameras spielen in einer anderen Liga.)

Schnelligkeit (bei der Aufnahme)
Das ist eine Domäne, in der die meisten Digitalkameras überhaupt nicht glänzen. Vor kurzem klagte mir ein Bekannter seinen Frust darüber, dass seine neue Digitalkamera, wiewohl die Bilder von der Auflösung her prima wären, immer erst auslöse, wenn seine quirlige Tochter schon aus dem Bild verschwunden sei. Viele Digitalkameras, speziell bei den preiswerteren Modellen, haben endlos anmutende Auslöseverzögerungen und eignen sich daher nicht für Schnappschüsse. Aber wiewohl einem der Verkäufer im Laden gerne einen Haufen Zahlen ("X Megapixel, Y Millionen Farben, usw.) um die Ohren haut, den Kennwert "Auslöseverzögerung" kennt er oft nicht, oder er "vergisst" darauf hinzuweisen. Auch Serienaufnahmen sind noch bei einigen Kameras nur mit geringerer Bildfolgefrequenz möglich als bei motorunterstützten SLRs. Dafür haben sie dann aber Leistungsmerkmale wie "Panoramafunktion" und "kurze Filmsequenzen" (oft mit bescheidener Auflösung), bei denen man sich wirklich fragen sollte, ob man sie braucht oder ob es sich um Spielerei handelt.

Meine analogen Kameras jedenfalls lösen dann aus, wenn ich auf den Auslöser drücke, allenfalls kaum merkbare Bruchteile von Sekunden später, wenn ein dicker Spiegel aus dem Weg geräumt werden muss.

Nie wieder Korn?
Das könnte man denken, denn die Art der Bildaufzeichnung ist eine andere bei Digitalkameras. Die Anzahl der Pixel bleibt ja immer gleich, und da sollte doch auch die "Körnigkeit" immer gleich bleiben, richtig? Falsch! Wenn Sie eine Digitalkamera auf eine höhere Empfindlichkeit einstellen, drehen Sie an einem Verstärker, der das vorhandene schwächere Signal stärker verstärkt, um es durch die nachgeschaltete Elektronik auswertbar zu machen. Es passiert aber dasselbe wie bei einem Radio, wenn Sie bei einem schwachen Sender die Lautstärkeregelung aufdrehen: das Rauschen wird auch verstärkt. Was beim hochempfindlichen Film das Korn, ist bei der digitalen Bildverarbeitung mit hoher Empfindlichkeit das Rauschen. Im Bild sieht es tatsächlich dem Filmkorn oberflächlich ähnlich.

Preis
Was ich zuvor über Qualität sagte, gilt hier verschärft: Was heute an digitaler Technik zu teuer ist, wird einem morgen als veralteter Trödel nachgeschmissen. Das sind gute Nachrichten, wenn Sie digital fotografieren möchten und Ihre Anforderungen stabil sind und sich nicht mit dem Stand der Technik (Stichwort Spieltrieb) fortentwickeln. Warten Sie einfach ab, und Sie können sich morgen die heute unerschwinglichen Top-Geräte leisten. Es sind schlechte Nachrichten, für den der hofft, seine gebrauchten Geräte bei gewachsenen Anforderungen wieder weiterverkaufen zu können: Der Kram wird hoffnungslos veraltet sein. Anders analoge Technik: Die veraltet nicht , sondern wird oft zum "Klassiker". Für ein Nikon FM Gehäuse blättern Sie bei gutem Zustand auch heute, nach immerhin rund 25 Jahren, noch etwa 250 EURO auf den Tresen.

Aber wie sieht es mit dem Preis/Leistungsverhältnis aus, der Bildqualität bei gegebenem Preis? Die Qualität, die Sie mit einer Nikon FM für 250 EURO mit einem gebrauchten Nikkor für vielleicht noch einmal 100 EURO, also alles in allem unter 400 EURO hinbekommen, oder mit einer Minox oder Rollei 35 mit deren legendären Objektiven, bekommen Sie digital in dieser Preisklasse noch lange nicht, heute nicht, und wohl auch nächstes Jahr noch nicht.

Soviel zu einigen praktischen Aspekten und zur Aufnahme. Betrachten wir den Output, das, was man früher Vergrößern und heute neudeutsch immer öfter Printen nennt:

So kommen die Bilder aufs Papier: Drucker usw.

Bildqualität/Auflösung
In letzter Zeit hat sich auch hier die Technik rasant fortentwickelt. Mein alter HP Deskjet 500 C, 300 DPI Auflösung, bei Farbdruck mit einem furchtbar grünstichigen Schwarz (weil man bei Farbdrucken die schwarze Kartusche durch die Farbkartusche ersetzen musste und das Schwarz durch Übereinanderdrucken von Gelb, Magenta und Cyan zustande kam), war anno 1993 sauteuer und ein prima Gerät im Bereich Amateurtechnik, um das mich der eine oder andere Kollege beneidete. Heute bekomme ich für dasselbe Geld drei Drucker mit 5- bis 10facher Auflösung, die wirklich in Fotoqualität drucken. Die zuhause gedruckten Fotos sind noch teurer als die Minilab-Kopien aus dem Drogeriemarkt an der Ecke, aber auch um Längen besser. Was die Drucke teurer sind, spare ich dadurch ein, dass ich nicht, weil ja Erstkopien billiger sind, den ganzen Film erst einmal vergrößern lasse und dann die mistigen Bilder wegwerfe, sondern nur das ausdrucke, was mir wirklich gefällt. (Ich weiß, Sie werden jetzt auf das Rückgaberecht für misslungene Bilder verweisen, aber mal ehrlich: Bin ich wirklich der einzige Mensch, der so wischi-waschi ist, dass er nachher doch mehr Bilder be-zahlt hat als eigentlich gute dabei waren, weil die Kassiererin so böse guckt, wenn man welche zurückgibt oder weil es mir vielleicht peinlich ist, dass mir dieser oder jener Schuss misslungen ist?)

Kurz und gut: Mit einem durchaus nicht mehr so teuren Fotodrucker brauchbarer Qualität können Sie mit wenig Aufwand (und viel mehr Spaß an eigener Leistung) bessere Bilder hinbekommen als alle Läden, bei denen Ihre Bilder unpersönlich und maschinell verarbeitet werden.

Verarbeitung in der eigenen Duka und im Fachlabor sind natürlich etwas ganz anderes. Die Bildqualität hängt sehr von Ihren Kenntnissen und Fähigkeiten (oder denen des Fachlaboranten) ab, und Sie können exzellente Resultate erzielen, die mit denen eines Minilabs nicht zu vergleichen sind, wohl aber mit denen eines Druckers bei guter digitaler Verarbeitung.

Beständigkeit der Bilder
Bis vor relativ kurzer Zeit hätte ich es mir an dieser Stelle noch einfach machen können. Die meisten Farbdrucker waren für Präsentationen und ähnlich kurzlebige Druckerzeugnisse gedacht, und die Lichtechtheit der Ausdrucke mit dem Wort "bescheiden" zu bezeichnen war noch gestrunzt. Beispielsweise wurde den Ausdrucken eines namhaften Druckerherstellers mit Originaltinten von Wilhelm Imaging, der Autorität bezüglich der Lebensdauer von Bildern aller Art, deutlich sichtbares Verblassen nach nur 6 Monaten attestiert. Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten als Hochzeitsfotograf und verkaufen dem glücklichen Paar einen Haufen tolle Bilder für das Familienalbum, und die Bilder fangen nach so kurzer Zeit an zu verblassen! (OK, OK, man könnte angesichts der Dauerhaftigkeit vieler Ehen heute bessere Beispiele ersinnen, aber trotzdem!)

Es gab zwar schon dauerhaftere Druckverfahren (z.B. Iris-Prints), aber die waren für den Amateur unerschwinglich. Epson war m.W. vor etwa ein bis zwei Jahren der Vorreiter mit farbstoffbasierten Tinten für den Heimmarkt, deren Lichtechtheit mit "bis zu 15 Jahren" (geeignetes Papier vorausgesetzt) angegeben wurde. Epson führt auch heute noch den Markt an mit pigmentbasierten Tinten, die (wieder geeignetes Papier vorausgesetzt) für "mindestens 100 bis 200 Jahre lichtecht" bleiben sollen, und diese Zahl ist nicht nur O-Ton Epson, sondern wird von Wilhelm Imaging Research bestätigt.

Dem kommt kaum ein nasschemisch erzeugtes Farbfoto nahe, und auch bei SW-Bildern muss man schon ein bisschen über die Standardverarbeitung hinausgehen, um das zu erreichen. Die Dauerhaftigkeit von SW-Bildern war schon verschiedentlich mein Thema in dieser Kolumne. Sie wird durch Einflussgrößen wie Fixage, Wässerung, Tonung usw. beeinflusst, und man kann leicht eine Menge falsch machen. Kaufen Sie aber z.B. einen Drucker wie den erwähnten von Epson und verwenden die zugehörige Tinte und das richtige Papier, können Sie praktisch nichts falsch machen. Das Papier kann eben nicht durch Schluderei Fixierbadreste oder andere Chemikalien enthalten.

Die Haltbarkeit der Bilder hängt immer von Tinte und Papier ab. Eine Reduzierung der Haltbarkeit auf 20 % des vom Tintenhersteller genannten Wertes durch die Wahl eines ungeeigneten Papiers ist leicht drin.

Bevor Sie jetzt zum nächsten Epson-Vertragshändler laufen und den besagten Epson-Drucker kaufen, muss ich allerdings noch zwei Tropfen Wermut in den Wein gießen:

1. Pigmentbasierte Tinten haben zwangsläufig eine schmalere Farbbandbreite als farbstoffbasierte. Allerdings merkt man das nur, wenn man sehr genau hinschaut. Viele Leute sprechen auch davon, dass Drucke mit den farbstoff- und pigmentbasierten Tinten nebeneinander praktisch ununterscheidbar sind.

2. Ernster ist eine Einschränkung, die SW-Fotografen betrifft: Die pigmentbasierten Tinten neigen verstärkt zu Photometamerismus, was heißt, dass die mit diesen Tinten gefertigten Drucke unter verschiedenen Beleuchtungen Farbstiche aufweisen können. Den SW-Ausdrucken besagten Epson-Druckers wird z.B. nachgesagt, dass sie unter Tageslicht einen deutlichen Grünstich, besonders in den Mitteltönen, aufweisen, der unter Glühlampenbeleuchtung nicht auftritt. Es wird sogar behauptet, diese Tinten seien für SW-Bilder ungeeignet. Ob einen das stört, findet man am besten selbst heraus, indem man sich Probeausdrucke anfertigen lässt.

Gesundheitsschutz
Zur Ökobilanz hatte ich ja oben schon etwas ausgeführt. Ich sehe mich außer Stande, hier eine eindeutige Entscheidung zu treffen. Anders sieht es beim Gesundheitsschutz aus: Eine Duka-Atmosphäre ist nicht gerade gesunde Bergluft. Sie enthält je nach der verwendeten Chemie reizende bis ungesunde Gase (z.B. Schwefeldioxid aus Fixierbädern, Formaldehyd aus Lith-Entwickler, diverse Lösemittel) und Stäube (jedes bisschen verschüttete Suppe, die nicht sofort aufgewischt wird, trocknet ein und wird zu chemisch aktivem Staub!). Darüber hinaus kommt man beim Hantieren mit den Chemikalien immer einmal wieder auch mit diesen in Kontakt.

Anders bei digitaler Technik: Auch hier verdunstet beim Drucken vermutlich der eine oder andere Milliliter Lösemittel aus der Tinte, aber die Exposition dürfte doch deutlich geringer sein als bei konventioneller nasschemischer Verarbeitung. Kontakt mit Chemikalien entfällt völlig. Es häufen sich im Internet Berichte von Leuten, die gegen bestimmte Entwicklersubstanzen oder ihre Dukachemie allgemein allergisch geworden sind und die nun Dank digitaler Technik wieder einen verträglichen Zugang zur Bildbearbeitung gefunden haben. Auch in der Schwangerschaft ist es sicherlich weniger problematisch, wenn man seine Bilder statt mit der Nase über einer Schale mit ungesunder Chemie vor einem (heute natürlich sowieso strahlungsarmen) Monitor bearbeitet.

Verbrauchsmaterialien
Erfreulicherweise ist die Auswahl an Papieren für Drucker inzwischen mindestens ebenso groß wie bei konventionellen Fotopapieren (oder sind es schon mehr?). Vom ultraglänzenden Fotopapier mit um die 200 g/m2 bis zum Aquarellpapier bekommen Sie alles. Computerdrucken sieht man daher ihre Herkunft nicht mehr zwangsläufig an.

Bei den Tinten hatten wir schon die Frage der Lichtbeständigkeit angesprochen. Wenn Sie nicht zu den superbeständigen und trotzdem gegenüber konventionellen Tinten nur rund 10 % teureren (beachten Sie aber, dass der zugehörige Drucker teurer ist als andere!) "Jahrhundert-Tinten" greifen wollen, bekommen Sie für einige der verbreiteteren Druckermodelle auch von Fremdherstellern (z.B. Luminos oder Lyson, um nur zwei zu nennen) Tinten, deren Haltbarkeit wesentlich besser ist als die der Originaltinten. Hier konkrete Zahlen anzugeben ist genau wie bei konventionell erzeugten Bildern nicht möglich, da neben Tinte und Papier auch die Lagerungs- bzw. Ausstellungsbedingungen die Haltbarkeit wesentlich beeinflussen. Z.B. sind viele Tintenstrahldrucke bei Lagerung "an einem dunklen, trockenen und kühlen Ort" viel länger beständig als vom Hersteller angegeben. Die Herstellerangaben für die Lichtechtheit beziehen sich i.d.R. auf "normale Innenraumbeleuchtung", und Licht, Wärme und Feuchte knabbern an silberbasierten Bildern in ähnlicher Weise wie an Tintenstrahldrucken.

Der Preis für einen Tintenstrahldruck (Papier + Tinte) streut ungefähr genauso wie der für ein Foto (Papier + Chemie) und liegt bei beiden in ähnlichen Größenordnungen.

Wenn Sie sich einen Drucker vorrangig unter Ersparnis-Gesichtpunkten aussuchen, sollten Sie eine Vollkostenrechnung anstellen. Lassen Sie sich nicht zu leicht durch Billigmacher-Angebote verleiten: Ich erinnere mich noch an den Frust meines Chefs, der einen sehr preiswert anmutenden Drucker gekauft hatte, aber sehr bald merkte, dass zwei neue Kartuschen für dieses Model so viel kosteten wie der ganze Drucker, während die Tinten bei einem teureren Modell wesentlich günstiger waren und so auf lange Sicht der teurere Drucker der sparsamere war. Ein realistischer Vergleich ist nur möglich, wenn Sie sich Angaben dazu verschaffen, wie viele Drucke Sie über den Daumen aus einer Kartusche herausholen können und was die Kartusche kostet. Wenn der billige Drucker dann noch immer der billigere ist, können Sie ihn kaufen, vorausgesetzt, die technischen Merkmale (darunter auch Haltbarkeit der Drucke) stimmen auch.

Beachten Sie auch, dass Fotodrucker nicht immer auch gute Bürodrucker sind. Mancher Fotodrucker druckt auf "Schreibmaschinen"papier (heute wohl eher Kopiererpapier) hanebüchen schlecht und zudem langsam.

Hybridverarbeitung: Aus Analog wird Digital

Eine gemischte Verarbeitung wird angesichts der noch vorhandenen Nachteile digitaler Kameras (v.a. noch hoher Preis hochauflösender Digitalkameras, Langsamkeit) von vielen Fotografen genutzt. Auch die Weiternutzung vorhandener Ausrüstung ist ein Argument. Zwar nehmen Sie so auch die Nachteile der analogen Fotografie (wie die schwere Ausrüstung) mit in Kauf, aber hinsichtlich des Verhältnisses von Qualität zu Investition ist ein guter Filmscanner in Verbindung mit vorhandener Kameraausrüstung einer neuen Digitalkamera meist deutlich überlegen. Die Möglichkeit, mit einer Kamera SW- und Farbaufnahmen zu machen, haben Sie hier auch, wenn Sie Farbmaterial verwenden. Die Umsetzung in Graustufenbilder ist kein Problem und gibt Ihnen sogar eine Menge Spielraum im Sinne nachträglicher "Filterung".

Bei den Scannern für Amateure sind drei Klassen zu unterscheiden:

1. Flachbettscanner mit Durchlichteinheit sind i.d.R. am preisgünstigsten. Die Auflösungen der Spitzengeräte reichen mit 1200 bis 2400 DPI inzwischen schon recht nahe an die der einfacheren Filmscanner heran oder übertreffen diese sogar. Auch die verwertbaren Dichteumfänge wachsen. Diese beiden Parameter sind die wesentlichsten, auf die Sie beim Kauf eines Scanners achten sollten. Ein mit 1200 DPI gescanntes KB-Negativ entspricht in der Pixelzahl ungefähr dem Bild einer 2,1-Megapixel-Kamera. Zu deren Beschränkungen hatte ich oben bereits etwas gesagt. Beim Dichteumfang gilt "Je mehr, desto besser", insbesondere, wenn Sie mit dem Gedanken spielen, auch Dias zu scannen. Auch einige Flachbettscanner bieten heute schon die Möglichkeit der Bildretusche (Staub und Kratzer entfernen), wobei ich mangels Erfahrung nicht sagen kann, wie wirksam diese Funktion im Vergleich zu der bei einem Filmscanner ist (s.u.). Mit meinem Flachbettscanner habe ich die Erfahrung gemacht, dass er wesentlich staubanfälliger ist als mein Negativscanner. Ich führe das auf das für statische Aufladung empfindlichere Kunststoffgehäuse zurück. (Mein Filmscanner hat ein Metallgehäuse.) Eine weitere, allen Scannern gemeinsame Kenngröße ist die Farbtiefe. Wenn ein Scanner die Bilder mit höherer Farbtiefe scannt und an den Computer übergibt, heißt das, dass die Farben gleichmäßiger abgestuft eingelesen werden. Es heißt auch, dass dasselbe Bild mehr Speicherplatz benötigt. Beachten Sie, dass nicht alle Bildbearbeitungsprogramme Bilder mit beliebig hohen Farbtiefen bearbeiten können oder zumindest nicht mit allen Funktionen.

2. Filmscanner der Einstiegsklasse bieten gegenüber Flachbettscannern als Vorteil oft die Möglichkeit der Batchverarbeitung, d.h. Sie können einen ganzen Streifen von Negativen (je nach Modell 4 bis 36 Aufnahmen, meist aber 6) ohne Benutzereingriff einscannen. Das ist aus meiner Sicht ein sehr nützliches Merkmal.

3. Filmscanner der Mittelklasse bieten neben größerem Dichteumfang und besserer Auflösung noch nützliche Zusatzfunktionen wie Staubretusche, Kornminimierung und Farbrestaurierung verblasster Dias oder Negative. Beachten Sie, dass die Staubretusche i.d.R. nur bei chromogenen Filmen funktioniert, nicht aber bei silberhaltigen Negativen, also wohl bei chromogenen SW-Bildern (wie Ilford XP, Kodak CN und Konsorten), aber nicht bei silberbasierten SW-Negativen oder -Dias. Das liegt am Verfahren: Die Staubretusche basiert darauf, dass zusätzlich zum eigentlichen Scan ein Infrarotscan durchgeführt wird. Die Bildfarbstoffe sind für infrarotes Licht transparent, also praktisch nicht vorhanden. Nicht so der Staub (und das Bildsilber konventioneller SW-Filme). Aus der Differenz der Scans im sichtbaren und infraroten Bereich lässt sich erkennen, was Staub ist und was Bild und so der Staub weitgehend eliminieren. Kornminimierung basiert lt. Nikon-Prospekt auf einer "Glättung des Mikrokontrastes" und kann nach meinem Empfinden den Schärfeeindruck nachteilig beeinflussen. Die Farbrestaurierung konnte ich noch nicht testen, aber ich kann mir vorstellen, dass sie nützlich sein kann.

Es gibt natürlich noch tollere Scanner, z.B. mit 8000 DPI und sagenhaft anmutenden Dichteumfängen, aber die kosten auch eine Kleinigkeit (so um die 10.000 bis 20.000 EURO). Daher werde ich sie hier nicht weiter betrachten.

Umgekehrt geht auch: Aus Digital wird Analog

Liebhaber so genannter alternativer Prozesse wie Cyanotypie, Platindruck und wie sie alle heißen, brauchen ein Negativ, das so groß ist wie das Bild, das sie erzeugen wollen, weil diese Prozesse Kontaktkopierprozesse sind. Nichts leichter als das: Drucken Sie Ihr digital vorliegendes Bild auf Overheadfolie! Es gibt pfiffige Verfahren, die sogar den Nachteil vieler Folien, nämlich die für manche Prozesse mangelhafte erreichbare Maximaldichte, umgehen.

Platz da!

Abschließend noch ein Wort zu den "Systemanforderungen": Wenn Sie die Leistungsmerkmale Ihrer digitalen Ausrüstung zusammenstellen, beachten Sie auch die des dafür benötigten Computers. Man sagt als Faustregel, dass sich dann mit einer Bilddatei einigermaßen komfortabel arbeiten lässt, wenn der Arbeitsspeicher (RAM) des Computers mindestens dreimal so groß ist wie die zu verarbeitende Datei. Ein KB-Farbnegativ oder -dia, mit knapp 3000 DPI gescannt, ergibt bei 8-Bit-Ausgabe an den Rechner eine Datei mit fast 40 MB. Bei den heute üblichen 128 oder 256 MB ist das kein Problem mehr, wohl aber bei älteren Schätzchen. Auch die Festplattenkapazität sollte nicht zu klein sein, wenn Sie nicht allenthalben Bilder auslagern möchten. Planen Sie also einen Ein- oder Umstieg, prüfen Sie auch, welche Kosten für einen neuen Computer evtl. noch auf Sie zukommen.

Die Kreativität

Digital oder Analog? Diese Frage sollte man nicht in dieser Ausschließlichkeit stellen. Beide Techniken haben Ihre Vor- und Nachteile und beide zu nutzen bedeutet, die eigenen kreativen Möglichkeiten zu erweitern.

Digitale Bildverarbeitung hat sicher als ein ganz großes Plus aufzuweisen, dass sie viel leichter erlernbar ist, weil das Ausprobieren mühe- und risikoloser geschieht und die Rückkopplung unmittelbarer ist. Wenn ich ein nasschemisch erzeugtes Bild tone, muss ich den fraglichen Abzug mehrfach anfertigen für den Fall, dass die Tonung mir nicht zusagt, denn rückgängig machen kann ich sie nicht. Tone ich unter Photoshop, drücke ich STRG+Z (Rückgängig machen), und - Simsalabim - ist die "Selentonung" wieder verschwunden. Genau so schnell sind andere Manipulationen ausprobiert, und nicht ein Blatt Papier wird dafür versägt. Dies ermutigt einfach mehr zum Spielen, einer Voraussetzung des Lernens.