perfektes Negativ

3 Der Negativentwicklungsprozess
3.1 Entwickler und ihre Bestandteile
3.1.1 Wahl des Entwicklers
3.2 Faktoren, die den Entwicklungsprozess beeinflussen
3.2.1 Konzentration des Entwicklers
3.2.2 Temperatur des Entwicklers
3.2.3 Bewegung der Filme im Entwickler
3.2.4 Rotationsentwicklung
3.2.5 Entwicklungsdauer
3.3 Entwicklungsarten und ihre Anwendung
3.3.1 Normalentwicklung
3.3.2 Ausgleichsentwicklung
3.3.3 Kontrastentwicklung
3.4 Das Unterbrecherbad
3.5 Fixieren der Negative
3.5.1 Die Bestandteile des Fixierbads und ihre Aufgaben
3.5.2 Fixierdauer
3.5.3 Ausnutzbarkeit des Fixierbads
3.6 Nachbehandlung und Wässerung der Negative
3.6.1 Behandlung der Negative vor dem Trocknen
3.7 Trocknung
3.8 Archivierung / Lagerung der Filme


TERRY SCHAEVEN
Stand 04/2008


3   Der Negativentwicklungsprozess

Nach dem Belichten in der Kamera werden die S/W-Aufnahmematerialien im Labor weiterverarbeitet. Dabei unterscheiden wir grundsätzlich zwischen zwei verschiedene Verfahren, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen: Negativherstellung und Umkehrverarbeitung. Auf die Umkehrverarbeitung wollen wir hier jedoch nicht eingehen.

Bei der Negativherstellung sind folgende Arbeitsgänge erforderlich:

  1. Entwickeln

  2. Zwischenwässern

  3. Fixieren

  4. Schlusswässern

  5. Trocknen.

Die fertigen Negative zeigen die Helligkeitswerte des Objekts in umgekehrter Reihenfolge. Mit Hilfe eines Negativs können dann auf einem anderen Fotomaterial beliebig viele Positive erzeugt werden. Positive geben die Helligkeitswerte des Objekts richtig wieder.

Wie wir wissen, entsteht bei der Belichtung des Negativmaterials zunächst ein "latentes" Bild, das erst durch ein Reduktionsmittel, dem sogenannten "Entwickler", in ein sichtbares umgewandelt wird. Dabei werden an den vom Licht beeinflussten Stellen, je nach Intensität der eingestrahlten Energie, mehr oder weniger viele der lichtempfindlichen Silbersalze der Emulsion befähigt, sich in schwarzes Silber zu verwandeln. Das nach der Entwicklung erhaltene Bild ist ein Negativ, d.h., die Lichter des aufgenommenen Gegenstandes erscheinen schwarz, die Schatten dagegen hell. Dieses Negativ ist aber noch nicht haltbar, da es ja neben dem durch die Entwicklung entstandenen metallischen Silber einen erheblich großen Anteil von unverändertem, lichtempfindlichem Bromsilber enthält. Erst durch den anschließenden Fixierprozess wird dieses aus der Schicht herausgelöst. Durchschnittlich wird nur etwa 1/5 der vorhandenen Menge des Silbersalzes durch Reduktion zu metallischem Silber verwandelt.

3.1 Entwickler und ihre Bestandteile

In den Entwicklern sind mehrere Substanzen wesentlich und wichtig. Das Aufbauschema eines üblichen Entwicklers zeigt uns neben der Entwicklersubstanz weitere drei Bestandteile, deren Zusammenwirken den zu entwickelnden Schichten den jeweils gewünschten Charakter erteilt:

Entwicklungssubstanz plus BeschleunigerVerzögerer - Schutzsubstanz.

Entwicklersubstanz ist ein Sammelbegriff für eine Reihe organisch-chemischer Substanzen von bestimmtem Aufbau, die das belichtete Silberhalogenid in metallisches Silber verwandeln können.

Hierzu zählen in erster Linie: Amidol, Brenzkatechin, Glycin, Hydrochinon, 1-Hydroxy-2,4-diaminobenzolhydrochlorid, Metol, Monomethyl-p-aminophenolsulfat, Paraminophenol, Para-Hydroxyphenylglycin, Paraphenylendiamin, Hydroxiethyl-o-Aminophenol, Hydroxymethyl-methyl-phenidon, p-Aminophenol, p-Phenylendiamin, o-Phenylendiamin, Phenidon, Paraphenylendiamin, Pyrogallol. Neuerdings auch Ascorbinsäure (Vitamin "C"). Ferner Bestandteile aus Farbenentwicklern. (Typ 1 bis 4).

Beschleuniger ist eine Gruppe anorganischer Stoffe, unter dem Namen Alkali zusammengefasst, die die Entwicklersubstanz zu obiger Reaktion befähigen und den Reaktionsverlauf beschleunigen. Dies kann z.B. Natriumhydroxid, Kaliumhydroxid, Kaliumkarbonat (Pottasche), Natriumkarbonat (Soda) oder Natriumborat (Borax) sein.

Verzögerer dienen zur Steuerung der Reaktion im gegenläufigen Sinne, wobei sich der Einfluss mehr auf die unbelichteten Silberhalogenidpartikel beschränkt, also zur Zurückhaltung eines Schleiers. Diese Aufgabe wird üblicherweise von Kaliumbromid übernommen.

Schutzsubstanz dient zur Vermeidung der Wirkungen des Luftsauerstoffes auf die leicht oxidierbaren Entwicklersubstanzen. Hierfür werden üblicherweise Sulfite wie Natriumsulfit oder neutralisiertes Bisulfit genommen.

Außer den vorgenannten Grundsubstanzen kann ein Entwickler zur Erreichung besonderer Wirkungen (Härtung der Schicht, Größe und Färbung des Silberkornes, Vermeidung von Kalkausscheidungen bei hartem Wasser etc.) noch weitere Chemikalien enthalten. Alle heutigen konfektionierten Entwickler haben oft noch eine Vielzahl von weiteren Zusätzen. Hierzu zählen dann auch die sogenannten "Superadditive" sowie "Komplexierungsmittel".

Komplexierungsmittel dienen in erster Linie dazu, Metalle wie Calcium, Magnesium, Eisen, Kupfer etc. die im Wasser enthalten sind, als Katalysatoren zu deaktivieren und wasserlösliche Verbindungen zu bilden, die auch in alkalischen Lösungen stabil bleiben.

Zu den bekanntesten Komplexierungsmitteln gehören: CALGON, EDTA-Verbindungen, HYDROXYETHYLIDENDIPHOSPHONSÄURE.

Dieser großen Zahl möglicher Entwickler entspricht auch die Vielfältigkeit der Wirkungen, die es gestattet, an den fotographischen Schichten den Übergang vom Silberhalogenid zum metallischen Silber so zu leiten, dass diese jeweils verschieden ausgebildeten Silberteilchen wunschgemäß die beste Ausnutzung der Empfindlichkeit, den größten Kontrast, die zarteste Abstufung oder das feinste Korn ergeben.

3.1.1 Wahl des Entwicklers

Ich habe im Laufe der Jahre fast alle konfektionierten Entwickler getestet als auch eine Reihe von Entwicklern nach Rezept selbst angesetzt. Für die Entwicklung von Großformatnegativen kann man hier auf eine ganze Reihe von interessanten Rezepturen zurückgreifen. Ich habe die Zusammensetzungsformeln von etwa 150 verschiedenen Negativentwicklern gesammelt und davon etwa 25 getestet.

Für die Entwicklung von Kleinbild- und Rollfilmen bringen diese Rezepte keine Vorteile, sondern meistens Nachteile gegenüber konfektionierten Entwicklern. Deshalb möchte ich hier nicht weiter darauf eingehen. Meine Rezeptsammlung kann aber gerne Interessenten zur Verfügung gestellt werden.

Grundsätzlich kann man die konfektionierten Entwickler nach verschiedenen Kriterien einstufen, wie z.B. nach:

  • Normalentwickler

  • Ausgleichsentwickler

  • Kontrastentwickler

  • Feinkornentwickler

  • Feinstkornentwickler

  • High Definition-/ High Acutance Entwickler

  • Monobadentwickler

  • Entwickler mit besonders guter Empfindlichkeitsausnutzung

  • Dokumentenfilm - / Lithografische Entwickler

 

oder auch nach "Oberflächenentwickler", "Tiefenentwickler", "Zweibadentwickler" oder vielen anderen Pauschalbegriffen wie "Schnellentwickler", "Entwickler für höhere Temperaturen, " Empfindlichkeitssteigernde Entwickler" etc.

Viele der konfektionierten Entwickler stellen in der Praxis oft ein Kompromiss verschiedener Eigenschaften dar und sind somit "Universalentwickler". Hierzu zählen z.B. Kodak D76/ Ilford ID11, Kodak XTOL, AGFA Rodinal-Spezial. Diese Entwickler sind eine Kombination aus Ausgleichs- und Feinkornentwickler und lassen sich durch Verdünnung noch sehr gut steuern.

Eine Sonderstellung nimmt das über 100 Jahre alte Agfa Rodinal bzw. ORWO/Calbe R-09 ein. Dies ist ein Entwickler mit einer sehr hohen Kantenschärfe auf Basis von p-Aminophenol und wird allgemein als grobkörnig entwickelnd eingestuft. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. In höheren Verdünnungen wie z.B. 1+75 und 1+100 arbeitet Rodinal relativ feinkörnig und liefert Negative mit phantastischer Gradation. Darüber hinaus lässt Rodinal sich außer mit der Verdünnung auch sehr gut über die Entwicklungsbewegung bei hohen Verdünnungen beeinflussen, von Negativen mit "normaler" Gradation bis zu Negativen mit flacher, also weicher Gradation als auch sogar in hoher Konzentration für steile Gradation.

Der "Nachteil" von Rodinal ist, dass die Filmempfindlichkeit nicht sehr gut ausgenutzt wird. Ähnliche Eigenschaften hat übrigens der KODAK HC 110, der jedoch noch wesentlich grobkörniger entwickelt.

Eine weitere Sonderstellung nimmt der A49 von Calbe ein. Dieser Entwickler hat gerade für den Kleinbild- und Mittelformatfotografen herausragende Eigenschaften. Er zählt zu den echten Feinstkornentwicklern, hat aber nicht deren "schlechte" Eigenschaft, die Filmempfindlichkeit herunterzusetzen oder zur Unschärfe zu neigen.

Eine der letzten Entwicklungen stellt Kodak XTOL dar, der auf einer neuen Technologie beruht und u.A. Ascorbinsäure als Entwicklersubstanz verwendet. XTOL hat einen PH-Wert von unter 8,2. Ascorbinsäure wird als sehr "scharf" wirkende Entwicklungssubstanz charakterisiert und in Verbindung mit dem niedrigen PH-Wert ergeben sich Negative mit guter Empfindlichkeitsausnutzung, feinem Korn, hoher Schärfe.

Ich kann aufgrund meiner Erfahrungen deshalb die drei nachfolgenden Entwickler für die Kleinbild- und Mittelformatfotografen empfehlen:

A49

Je nach gewünschtem Kontrast unverdünnt, verdünnt 1+1 oder 1+2. A 49 nutzt die Filmempfindlichkeit bei den meisten Filmen bei "Normalentwicklung" weitestgehend aus. A 49 harmonisiert mit praktisch allen Filmen. Wie alle Feinstkornentwickler wirkt das Filmkorn etwas verwaschen bei konventionellen Emulsionen. Deshalb verwende ich A49 in 1+1 Verdünnung überwiegend für Portrait-/ Aktaufnahmen. Bei Flachkristallfilmen arbeitet A49 hervorragend und ohne Nachteile.

 XTOL 

In Verdünnungen 1+1 bis 1+3, je nach gewünschtem Kontrast. XTOL nutzt die Empfindlichkeit nicht ganz so gut wie A49 aus, ist aber etwas konturenschärfer und entwickelt nicht ganz so feinkörnig.

 CG512 

Für mich ist dieser Entwickler der beste Entwickler auf dem Markt. Er entwickelt extrem scharf und relativ feinkörnig. Die Empfindlichkeitsausnutzung ist jedoch schlechter als bei XTOL und A49.

Vom Gebrauch von so genannten „High Accutance“-Entwicklern rate ich ab. Alle diesbezüglich von mir getesteten Entwickler wie: FX39, HRX, TFX2 etc. haben keine schöne Grauwertwiedergabe.

3.2 Faktoren, die den Entwicklungsprozess beeinflussen

Der Ablauf des Entwicklungsprozesses ist nicht nur von der Zusammensetzung und der Konzentration des Entwicklers abhängig, auch äußere Faktoren wie: Temperatur, Zeitdauer der Einwirkung und Bewegung des Materials im Entwickler, spielen eine Rolle.

3.2.1 Konzentration des Entwicklers

Die Entwicklerkonzentration hat sehr großen Einfluss. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass verdünnte Entwickler nicht nur langsamer, sondern auch ausgleichender arbeiten, während stärker konzentrierte Entwickler zügiger und kontrastreicher entwickeln. Wir können also bereits durch Veränderung der Konzentration weitgehend die Arbeitsweise verändern. Ein Musterbeispiel dafür ist RODINAL. In Verdünnungen von 1+10 bis 1+15 eignet er sich zur Kontrastentwicklung von Strichreproduktionen. In Verdünnung 1+25 dient er als Normalentwickler für größere Negative. In Verdünnung 1+50 und bei Zugabe von 70g Natriumsulfit pro Liter kann er sogar als Universaltankentwickler eingesetzt werden.

In Verdünnung 1+40 bis 1+200 ergibt RODINAL einen guten Feinkorn-Ausgleichsentwickler für Kleinbild- und Rollfilme. Bei RODINAL ergibt sich mit zunehmender Verdünnung sowohl ein weiterer Schärfegewinn als auch ein feineres Korn. Um jedoch eine homogene Entwicklung zu gewährleisten, sind Mindestmengen an Entwicklerkonzentraten pro Film erforderlich. Diese betragen bei Rodinal 4ml, bei A49 und bei XTOL 120ml je Film.

Bei allen mir bekannten Entwicklern –außer RODINAL- ergibt sich mit zunehmender Verdünnung eine bessere Schärfe aber eine leichte Zunahme der Körnigkeit. Dies trifft insbesondere auf die bekannten Standardentwickler wie D76 / A 49 / XTOL etc. zu. Deshalb sollten diese sogenannten Feinkornausgleichsentwickler nicht höher als 1+2 verdünnt werden.

3.2.2 Temperatur des Entwicklers

Wie bei allen chemischen Reaktionen, so ist die Temperatur auch bei der Entwicklung von Bedeutung. Je wärmer der Entwickler ist, umso schneller verläuft der Entwicklungsprozess und umgekehrt.

Wir dürfen die Entwicklertemperatur jedoch nicht beliebig wählen. Der günstigste Temperaturbereich liegt zwischen 18 und 22°C. In diesem Bereich verläuft die Reaktion zügig, ohne dass die Gelatine zu stark aufquillt. Der übliche Temperaturwert, der auch als Basis von Zeitangaben dient, ist deshalb 20°C. (Ausnahme: CG512, welcher bei 24°C verarbeitet werden sollte.)

Kann dieser Temperaturwert nicht eingehalten werden, so sind entsprechende Korrekturen erforderlich. Bei höheren Temperaturen ist die Entwicklungszeit prozentual zu verkürzen, bei niedrigeren Temperaturen ist sie zu verlängern. Da die verschiedenen Entwickler unterschiedlich auf Temperaturabweichungen reagieren, gibt es für jeden Entwickler eine spezielle Umrechnungstabelle.

Wie schon erwähnt, wirken sich Änderungen im Prozess bei Flachkristallen wesentlich stärker aus als bei herkömmlichen Silberkristallen. Die Temperaturänderungen wirken sich bei herkömmlichen Filmen in etwa wie folgt aus:

bei 18°C = Notwendige Entwicklungsverlängerung um 25%

bei 22°C = Notwendige Entwicklungsverkürzung um 20%

Bei Flachkristallfilmen liegen die vorgenannten Werte etwa bei 15 bzw.12%

Thermometer dienen in erster Linie zur Prüfung der Temperatur der Bäder, aber auch zur Messung der Temperatur des Arbeitsraumes, denn nach dieser richtet es sich, ob die Lösungen gegebenenfalls 1 bis 2°C wärmer oder kälter als vorgeschrieben eingestellt werden, um zu verhüten, dass während der Arbeitsdauer die Temperatur zu stark absinkt oder ansteigt.

Die üblichen im Fotofachhandel erhältlichen Laborthermometer reichen nur bis 50°C. Deshalb ist darauf zu achten, dass diese Thermometer nicht in wärmere Lösungen eingetaucht werden, ansonsten besteht die Gefahr, dass das Kapillarrohr platzt. Die Füllung der Thermometer besteht aus gefärbtem Alkohol oder Quecksilber. Alkoholthermometer, wie sie im Fotofachhandel üblicherweise angeboten werden, brauchen 1 bis 2 min, ehe sie, in eine Flüssigkeit getaucht, deren Temperatur richtig anzeigen.

Dagegen ist der gefärbte Alkoholfaden in der Dunkelkammer besser zu erkennen als der des Quecksilbers, doch wird man meist die Temperatur der Lösungen noch bei hellem Licht einstellen und auch überwachen können. Ein Quecksilberthermometer hat den Vorteil, dass es viel schneller die Temperatur richtig anzeigt.

Ich empfehle deshalb ein Thermometer aus Laborbedarfshandlungen zu erwerben mit Quecksilberfaden und 1/10° Grad-Einteilung, welches bis mindestens 50°C, besser bis 100°C skaliert ist. Beim Zerbrechen dieser Thermometer ist die gesundheitsschädliche Wirkung von Quecksilberdampf zu beachten! Ideal ist ein digitales Thermometer, welcher innerhalb einer Sekunde die exakte Zeit anzeigt. Solche Thermometer sind mit 1/10°C-Genauigkeit für etwa € 55,-- zu bekommen.

3.2.3 Bewegung der Filme im Entwickler

Während der Entwicklung muss dafür gesorgt werden, dass der verbrauchte Entwickler an der Schichtoberfläche der Materialien durch frischen Entwickler ersetzt werden kann. Ohne Bewegung würde dieser Austausch zu langsam vor sich gehen, und es käme zu Entwicklungsfehlern. Diese Fehler äußern sich in Bromidabläufen oder in "Rauchfahnen". Bei den Bromidabläufen sinkt der verbrauchte Entwickler von den stark geschwärzten Stellen des Negativs nach unten und bewirkt dicht unterhalb dieser Stellen eine partielle Unterentwicklung.

Bei den Rauchfahnen sinkt der unverbrauchte Entwickler von den unbelichteten Stellen des Negativs nach unten und lässt dort eine partielle Überentwicklung entstehen. Beide Fehler lassen sich nachträglich nicht beheben und führen zu unbrauchbaren Negativen. Auch eine ständige gleichförmige Bewegung der Materialien während der Entwicklung kann ähnliche Fehlerscheinungen hervorrufen.

Es empfiehlt sich deshalb, die Materialien im Entwickler in Intervallen von nur etwa alle 30 Sekunden bis maximal 2 Minuten jeweils kurze Zeit kräftig zu bewegen. Besonders wichtig ist die Bewegung zu Beginn des Entwicklungsvorgangs, um zu verhindern, dass sich auf der Schichtoberfläche der Filme Luftblasen festsetzen. Diese schirmen die Emulsion vor dem Entwickler ab und ergeben im fertigen Negativ glasklare runde oder ovale Punkte. Auch hier handelt es sich um einen Fehler, der sich nachträglich nicht beheben lässt. Es ist deshalb notwendig, den Film während der ersten 30 Sekunden bis zu 1 Minute ständig zu bewegen.

Der Abstand der Bewegungsintervalle wirkt sich auch auf die Gradation und den Gesamtschwärzungsgrad aus. Ein Film, der alle 30 Sekunden bewegt wird hat schneller seine maximale Schwärzung in den Lichtern erreicht als ein Film der nur alle 60 Sekunden bewegt wird. Deshalb kann der Kipp-/ Bewegungsrhythmus auch zur Gradationssteuerung eingesetzt werden. Um jedoch gleiche maximale Schwärzungen zu erreichen ist eine Entwicklungsverlängerung notwendig, wenn das Kipprhythmusintervall größer gewählt wird.

Ich empfehle hier folgenden Agitationsrhythmus:

Bei Entwicklungszeiten von kleiner 5 Minuten= Alle 30 Sekunden

Bei Entwicklungszeiten zwischen 5 und 10 Minuten= Alle 60 Sekunden

Bei Entwicklungszeiten über 10 Minuten= Die ersten 10 Minuten alle 60 Sekunden, dann alle 120 Sekunden.

Am Beginn der Entwicklung sollte 30 Sekunden lang ständig bewegt werden.

Ein 30 Sek. Kipprhythmus sollte jeweils etwa 5-7 Sekunden dauern und dabei die Entwicklungsdose 3x gekippt und gleichzeitig im Handgelenk um ca. ¼ Umdrehung gedreht werden. Ein 60 Sek. Rhythmus sollte etwa 10 Sekunden dauern bei 5maligem Kippen.

3.2.4 Rotationsentwicklung

S/W-Entwicklungen in Rotationsmaschinen sind nur bei einer N/N oder N+1-Entwicklung zu empfehlen, weil die Gradationskurve durch die ständige Bewegung steiler wird. Die Entwicklungszeit verkürzt sich und die Schattenzeichnungen bleiben zurück. Ferner leidet die Konturenschärfe bei der Rotationsentwicklung.

Die Filmempfindlichkeit wird bei der Rotationsentwicklung nicht so gut ausgenutzt, wie bei der konventionellen Kippentwicklung. Dies rührt daher, dass die sich ergebenden Entwicklungszeiten durch die permanente Rotation verkürzt werden und somit die Dichte in den Lichtern schneller erreicht werden als bei der herkömmlichen Kippentwicklung. Dabei bleibt die Schattenzeichnung zurück, was durch eine niedriger zu wählende Filmempfindlichkeit kompensiert werden muss.

Dies betrifft sowohl Filme mit kubischen Silberkörnern als auch Flachkristallversionen.

Bei der Entwicklung konventionellen Filme in der Rotation kommt insbesondere ein weiterer Nachteil hinzu: die Konturenschärfe leidet extrem bei der Rotationsentwicklung. Dies ist oft schon mit bloßem Auge sichtbar, insbesondere aber bei einer Mikroskopbetrachtung.

Speziell Entwickler die eine hohe Kantenschärfe erzielen, verlieren beim Einsatz in der Rotation all ihre diesbezüglichen Vorteile. (Beispiel Rodinal).

Fazit: Eine Rotationsentwicklung empfiehlt sich ausschließlich für Flachkristallfilme und dort sinnvollerweise auch nur für das Mittelformat und für Planfilme.

3.2.5 Entwicklungsdauer

Die Entwicklungsdauer ist von ausschlaggebender Bedeutung. Mit zunehmender Entwicklungsdauer nehmen zunächst auch Schwärzung, Kontrast und Körnigkeit immer mehr zu. Wird jedoch wesentlich zu lange entwickelt, dann bleibt die Schwärzung konstant, während nur noch Schleier und Körnigkeit zunehmen. Durch den Grauschleier in den unbelichteten Teilen des Negativs kommt es wieder zu einer Kontrastminderung.

Aus Kapitel 2.3 geht hervor, dass das ideale Negativ bestimmten Anforderungen bezüglich Dichte, Schwärzungsumfang und Körnigkeit genügen muss. Sollen all diese Forderungen erfüllt werden, dann dürfen die Materialien nur eine ganz bestimmte Zeit entwickelt werden.

Zu kurz entwickelte Negative sind zwar feinkörniger, meist aber auch zu dünn und zu flau. Überentwickelte Negative sind in der Regel zu dicht, zu hart und sehr grobkörnig.

Grundsätzlich müssen grobkörnige (= hochempfindliche) Aufnahmematerialien länger entwickelt werden als feinkörnige (= niedrigempfindliche). Das liegt daran, dass bei gleicher Gesamtmasse große Körner dem Entwickler weniger Angriffsfläche bieten als kleine Körner.

Die optimale Entwicklungszeit ist von vielen Faktoren abhängig. Helligkeitsumfang des Aufnahmeobjekts, Art des Aufnahmematerials, Zusammensetzung, Konzentration und Temperatur des Entwicklers sowie Bewegung des Materials während der Entwicklung spielen eine Rolle. Um zu gleichbleibenden und wiederholbaren Ergebnissen zu kommen, sollte man in der Praxis nur mit der Entwicklungszeit variieren und die anderen Faktoren möglicht konstant halten.

Bei kontrastreichen Motiven und bei niedrigempfindlichen Aufnahmematerialien soll kürzer, bei kontrastarmen Motiven und hochempfindlichen Aufnahmematerialien muss länger entwickelt werden.

Werden mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig verändert, dann ist es kaum möglich, die Ergebnisse in Form der fertigen Negative exakt auszuwerten und Schlussfolgerungen zu ziehen. Um beispielsweise den Schwärzungsumfang im Negativ bei Gegenlichttaufnahmen nicht zu groß werden zu lassen, benötigen wir nicht unbedingt verdünnte Entwickler oder andere Kipprhythmen, es genügt, wenn wir etwas kürzer als normalerweise entwickeln.

Hier müssen Erfahrungswerte gesammelt werden oder mittels Densitometer die Gradationskurven für unterschiedliche Entwicklungszeiten ausgetestet werden. Bei sehr kontrastreichen Objekten kann es erforderlich sein, die Entwicklungszeiten bis zu 50% zu unterschreiten, um den Kontrast auszugleichen. Selbstverständlich müssen solche Aufnahmen reichlicher belichtet werden, da sonst die Zeichnung in den Schatten verloren geht.

3.3 Entwicklungsarten und ihre Anwendung

3.3.1 Normalentwicklung

Unter Normalentwicklung verstehen wir eine Entwicklung, die für Aufnahmeobjekte mit "normalem" Kontrast geeignet ist. Dies entspricht einer Gradationskurve die über acht logarithmische Dichtestufen einen Schwärzungsumfang von 0,10 bis 1,3 über dem Grundschleier wiedergibt. Nach Zonenwertbezeichnung also N-N = Normalentwicklung. Diese Normalentwicklung kann angewandt werden für Aufnahmen, deren Kontrastumfang im normalen Bereich liegt. Die Gradationskurve dieser Normalentwicklung hat etwa ein Gamma von 0,61 bis 0,65.

Für Großformatnegative kann und sollte diese Normalentwicklung im wahrsten Sinne des Wortes die Normentwicklung darstellen. Für Kleinbild- und teilweise auch für Mittelformatnegative ist sie nicht empfehlenswert, da der Mikrokontrast dabei sehr hoch liegt.

Ich empfehle deshalb alle Kleinbildnegative weicher zu entwickeln, entsprechend der Zonenbezeichnung N-1, bzw. zu einer Dichte von etwa 1,1 über dem Grundschleier in Zone VIII. Bei Mittelformatnegativen sollte ein Zwischenwert gewählt werden, also praktisch N-0,5 mit einer Dichte von etwa 1,18-1,20 in der Zone VIII.

Aufnahmen mit einem normalen Kontrastumfang können dementsprechend anschließend bei Großformatnegativen auf der Papiergradation 2, bei Mittelformatnegativen auf der Gradation 2,5 und bei Kleinbildnegativen auf der Gradation 3 optimal wiedergegeben werden.

Die verkürzte Entwicklungszeit zur Erreichung der niedrigen Dichte muss bei den meisten Film-/ Entwicklerkombinationen durch Verlängerung der Belichtungszeit bzw. durch Korrektur der ISO-Werte am Belichtungsmesser nach unten korrigiert werden. Z.B. von ISO 100/21 auf ISO 80/20.

3.3.2 Ausgleichsentwicklung

Die Ausgleichsentwicklung ist immer dann notwendig, wenn der Kontrastumfang der Aufnahme über dem reproduzierbaren Bereich eines Normalnegativs hinausgeht. Entsprechend muss dann die Gradationskurve flacher verlaufen um den Kontrastumfang der Aufnahme in dem reproduzierbaren Bereich des Negativs wiedergeben zu können. Andernfalls brennen einem dann beim Positiv die Lichter aus oder die Schatten laufen komplett zu oder beides. Da hilft dann auch oft nicht mehr die Verwendung einer extra weichen Papiergradation, die dann auch zur Folge hätte, dass die mittleren Grauwerte "suppig" würden. Auch abwedeln oder Nachbelichten ist nicht immer mit Erfolg möglich.

Die Zonenfotografen sprechen hier dann von einer N-1 oder N-2 oder gar N-3 Entwicklung. Die Dichte in Zone VIII bei einer N-1 Entwicklung (siehe Normalentwicklung) sollte dann etwa 1,10 über Grundschleier, bei einer N-2 Entwicklung bei etwa 0,90 und bei N-3 Entwicklung bei etwa 0,76 liegen. Entsprechend der verkürzten Belichtungszeit ist dann allerdings erforderlich, dass bereits bei der Aufnahme dies berücksichtigt wurde und entsprechend reichlicher belichtet wurde um die Schattenpartien (Zonen I-III) noch ausreichend durchzuzeichnen.

Dies kann zur Folge haben, dass etwa je reduzierter Zone eine ISO-Anpassung von etwa 1 Stufe erforderlich ist, also ein Film, der bei Normalentwicklung mit ISO 100 belichtet werden kann, bei einer Entwicklung nach N-3 dann wie ISO 50 belichtet werden muss.

Kleinbild – und Mittelformatfotografen, die ja immer einen ganzen Film mit z.T. unterschiedlichen Motivkontrastumfängen haben, sollten deshalb entweder wirklich den Film wechseln bei wesentlich veränderten Motiven oder einen Kompromiss eingehen. Gerade bei der Landschaftsfotografie, wo häufig große Kontrastumfänge zu bewältigen sind, sollte man, wenn man den Aufwand von unterschiedlichen Entwicklungen umgehen will, sich deshalb einen Standard wie oben unter Normalentwicklung empfohlen von N-0,5 bis N-1 als "Normalentwicklung" zu eigen machen. Die Kontrastumfänge kann man dann vor Ort noch zusätzlich durch den Einsatz von Filtern oft kompensieren, indem man den hellen Himmel z.B. durch den Einsatz von Gelb-/Orangefiltern in seinem Kontrast heruntersetzt oder einen Filterhalter einsetzt, in welchem man Verlaufsfilterscheiben einschiebt. Die Verlaufsfilter können entweder z.B. Gelb- oder Orangefilter sein oder auch die lieferbaren ND-Grauverlaufsfilter in unterschiedlichen Dichten.

Ich verwende hier sehr häufig ein Kompendium mit passenden 100x150mm Verlaufsfilterscheiben womit man durch Schieben und auch durch Drehen des Kompendiums den Übergangsbereich exakt definieren kann.

3.3.3 Kontrastentwicklung

Die Kontrastentwicklung erfordert eine verlängerte Entwicklungszeit bei gleichzeitig reduzierter Belichtung. Also praktisch genau umgekehrt zur Ausgleichsentwicklung.

Die Kontrastentwicklung für die bildmäßige Fotografie von Kleinbild- und Mittelformatnegativen sollte jedoch nicht über eine Zonenstufe hinaus erfolgen, da hierbei sonst das Korn zu stark hervortritt. Also eine Entwicklung nach Zonensystem von N+1 sollte die obere Grenze für kleinere Negative sein. Hierbei wird dann in Zone VIII eine Dichte von 1,45 angestrebt.

Die ISO-Einstellung kann entsprechend um eine Stufe erhöht werden, also z.B. von ISO 100 auf ISO 125. Die Kontrastentwicklung ist dann sinnvoll und erforderlich, wenn der Kontrastumfang geringer als 6 Zonen ist. Typisches Beispiel ist die Wiedergabe von reinen Felsstrukturen mit geringem Kontrastunterschied an einem bewölkten Tag.

3.4 Das Unterbrecherbad

Wenn der Entwicklungsvorgang beendet ist und damit die Negative die nötige Dichte und den richtigen Schwärzungsumfang erreicht haben, werden die Filme mit Wasser gründlich abgespült, bevor sie in das Fixierbad kommen.

Das ist notwendig, damit die Entwicklung unterbrochen wird und möglichst kein basischer Entwickler in das saure Fixierbad gelangt. In der Entwicklungsdose sollte das Wasser mindestens zweimal gewechselt werden oder besser fließend 30 Sekunden gespült werden.

Wirksamer als einfaches Abspülen mit Wasser ist die Verwendung von sauren Unterbrecherbädern, wie sie in der Positivtechnik üblich sind. Diese Unterbrecherbäder werden auch als Stoppbäder bezeichnet. Sie können bei entsprechender Zusammensetzung gleichzeitig eine Härtung der Gelatineschichten bewirken und diese somit widerstandsfähiger gegen mechanische Beanspruchungen machen.

Die Behandlungsdauer beträgt in nicht härtenden Unterbrecherbädern 30 Sekunden bis 1 Minute, in härtenden Bädern 2 bis 3 Minuten.

Als Stoppbäder können verschiedene Rezepturen verwendet werden, üblicherweise ein 2%iges Essigsäurebad oder eine 4%ige Kaliumdisulfitlösung. Auch Zitronensäurebäder können Verwendung finden. Die Essigsäurebäder sollten nicht in einer höheren Konzentration als 2%ig angesetzt werden, da sich nach meiner Erfahrung bei einigen Film-/ Entwicklerkombinationen sonst Probleme mit der Emulsion ergeben können.

Essigsäurestoppbäder sind dann erschöpft, wenn eine Riechprobe keinen stechenden Essiggeruch mehr erkennen lässt, ansonsten ist mit einem Indikatorpapier festzustellen, ob das Bad noch sauer reagiert. In jedem Fall sollte das Essigsäurestopbad aber nach dem Durchsatz von 50 Filmen gewechselt werden (bei 1 Liter-Vorrat).

Ein härtendes Unterbrecherbad kann z.B. nach folgendem Rezept hergestellt werden:

Wasser 750 ml, hierin Kaliumchromium (III)-sulfat krist. 15g lösen und 7ml Essigsäure konz. zugeben. Dann auf 1 Liter mit Wasser auffüllen.

3.5 Fixieren der Negative

Durch den Entwicklungsvorgang werden nur etwa 25% der in der Emulsion enthaltenen lichtempfindlichen Silbersalze in Bildsilber überführt. Die verbleibenden 75% müssen durch den Fixierprozess in lösliche Verbindungen umgewandelt werden, damit sie aus der Schicht entfernt werden können.

Geschieht das nicht, dann würden diese Salze unter Einwirkung von Licht und atmosphärischen Einflüssen in Silber und Silbersulfid umgewandelt. Ohne den Fixierprozess wären fotografische Bilder somit nicht haltbar. Der Begriff "fixieren" kommt von dem lateinischen Wort fixus (fest) und bedeutet so viel wie haltbar machen (hier: lichtfest machen) der Negative und Positive.

3.5.1 Die Bestandteile des Fixierbads und ihre Aufgaben

Ein Fixierbad ist eine 10-30%ige Lösung eines Fixiermittels in Wasser, die noch besondere Zusätze enthalten kann. Als Fixiermittel werden heute fast ausschließlich Natriumthiosulfat für normale Fixierbänder und Amoniumthiosulfat für Schnellfixierbäder verwendet. Als Zusatz wird Kaliumdisulfit eingesetzt, um das Fixierbad anzusäuern. Dadurch arbeitet es auch bei intensiver Ausnutzung noch schnell und zuverlässig.

Außerdem werden durch die Ansäuerung des Fixierbads die Lichthofschutzfarbstoffe zerstört. Eine kräftige Verfärbung der fixierten Negative ist stets auf ungenügende Ansäuerung des Fixierbads zurückzuführen. (Speziell bei den KODAK T-MAX- Filmen ein Problem).

Ammoniumchlorid als Zusatz beschleunigt den Fixiervorgang bei Natriumthiosulfat-Fixierbädern beträchtlich und macht somit aus einem normal arbeitenden Fixierbad ein Schnellfixierbad.

Nachfolgend vier übliche Rezepte:

 

Einfaches Fixierbad

Wasser

750 ml

Natriumthiosulfat krist.

300 g

Kaliumdisulfit

20 g

Wasser auf

1 Liter

 

Schnellfixierbad

Wasser

750 ml

Natriumthiosulfat krist.

250g

Kaliumdisulfit

20g

Ammoniumchlorid

25g

Wasser auf

1 Liter

 

Schnellfixierbad mit Ammoniumthiosulfat

Wasser

750 ml

Ammoniumthiosulfat

150g

Kaliumdisulfit

15g

Wasser auf

1 Liter

 

Härtefixierbad

Wasser

750 ml

Natriumthiosulfat sicc

125g

Natriumsulfit

20g

Essigsäure konz.

15 ml

Kaliumaluminiumsulfat krist.

10g

Wasser auf

1 Liter

Da fertig konfektionierte Fixierbäder recht preisgünstig sind, sollten diese möglichst Verwendung finden. Z.B. AGFA AGEFIX in Verdünnung 1+7. Hierbei sollte dann bei einer 1+7 Verdünnung etwa 7 Minuten fixiert werden bzw. 5 Minuten bei einer 1+4 Verdünnung, jeweils bei 30 Sekunden Kipprhythmen (wie beim Entwicklungsprozess) und die ersten 30 Sekunden ständig gekippt werden.

3.5.2 Fixierdauer

Der Fixierprozess ist kein einfacher Lösungsvorgang. Dabei finden komplizierte chemische Reaktionen statt. Es genügt nicht so lange zu fixieren, bis die Materialien nicht mehr milchig-trübe sind. Dann haben sich erst schwer lösliche Komplexsalze gebildet. Diese schwer löslichen Komplexe müssen nochmals mit dem Fixiermittel reagieren, damit leicht lösliche Komplexe entstehen. Erst die leicht löslichen Komplexe können völlig aus der Schicht ausgewässert werden.

Damit sich die leicht löslichen Komplexe bilden können, muss mindestens noch einmal so lange fixiert werden, wie das Material braucht, um klar und durchsichtig zu werden. Die Fixierregel lautet deshalb:

Fixierzeit = doppelte Klärzeit

Länger als die doppelte Klärzeit zu fixieren, ist nicht nötig[1]. Eine Ausnahme bilden dabei die Härtefixierbäder. Damit die Gelatineschichten ausreichend gehärtet werden, sollte die Fixierzeit hier mindestens 10 Minuten betragen.

Auch beim Fixierprozess wirken sich Temperatur und Bewegung stark aus. Die Temperatur des Fixierbads sollte deshalb nicht unter 17°C liegen, weil die Reaktionen sonst sehr verlangsamt werden. Eine kräftige Bewegung ist besonders beim Einbringen wichtig.

Die Angaben der Hersteller sind oft zu kurz gewählt. Mit konfektionierten Schnell-Fixierbädern von AGFA und TETENAL sollte bei einer üblichen Verdünnung von 1+7 (siehe obiges Kapitel) etwa 7 Minuten fixiert werden. (Bzw. 4 Minuten bei Verdünnung 1+4).

3.5.3 Ausnutzbarkeit des Fixierbads

Bei Gebrauch ändert sich die Zusammensetzung des Fixierbads ständig. Entwicklerreste, Wasser oder Unterbrecherbad werden hineingeschleppt, das Fixiermittel wird verbraucht, die silberhaltigen Fixierkomplexe reichern sich immer mehr an und ein Teil der Fixierlösung wird beim Weitergeben der Materialien in die Wässerung hinausgeschleppt. Der Thiosulfatgehalt nimmt demnach ständig ab, während der Silbergehalt ständig zunimmt.

Je schwächer jedoch die Thiosulfatkonzentration und der Säuregehalt sind und je höher der Silbergehalt ist, umso langsamer und unzuverlässiger arbeitet das Fixierbad. Bei zu starker Ausnutzung kommt es zur Bildung eines unlöslichen Fixierkomplexes. Dieser Komplex kann nicht ausgewässert werden, er zerfällt später zu braunem Silbersulfid. Die Negative werden dadurch gelb oder sogar braun gefärbt.

Der Silbergehalt des Fixierbads soll nicht mehr als 5 bis 8g pro Liter betragen. Diese Grenze ist erreicht, wenn in 1 Liter Fixierbad 12 Kleinbild- oder Rollfilme fixiert worden sind. Ich verarbeite in 1 Liter Fixierbad 10 Kleinbild- oder Rollfilme 120 bzw. 5 Rollfilme 220.

Kodak TMAX- Filme können eine stärkere Ausnutzung des Fixierbades bewirken. Hier sollten ggf. nur 8 Filme je Liter verwendet werden und auch zur Entfernung der kräftigen Einfärbung statt 7 etwa 8 Minuten fixiert werden.

Die Haltbarkeit der gebrauchsfertigen Fixierlösungen ist wesentlich größer als die der Entwicklerlösungen und beträgt in jedem Fall mehrere Monate.

Es gibt verschiedene Methoden der Prüfung des Fixierbades, wie mittels Indikatorteststreifen oder mit der Kaliumiodidprobe. Aber mit der vorgenannten Regel kann man sich diese Prüfungen ersparen.

3.6 Nachbehandlung und Wässerung der Negative

Nach dem Fixieren enthalten die Negative in den Gelatineschichten noch Chemikalien (Fixiermittel, Fixierkomplexe usw.), die durch eine Wässerung herausgelöst werden müssen.

Je gründlicher ausgewässert wird, umso haltbarer sind die Negative. Sogar Thiosulfatreste unter 1mg pro Quadratdezimeter Schichtfläche können bei langer Lagerung das Bild zersetzen. Heute wird fast ausschließlich mit fließendem Wasser gewässert. Dabei ist dafür zu sorgen, dass die Materialien stets allseitig vom Wasser umspült werden. Da das mit Chemikalien angereicherte Wasser eine größere Dichte hat und deshalb nach unter sinkt, sollte entweder der Ablauf am Boden des Wässerungsgefäßes liegen oder mit wirklich hoher Energie die Dose durchspült werden. Die Dauer der Auswässerung ist auch von der Temperatur abhängig. Bei üblichen Leitungswassertemperaturen von etwa 15°C sollten die Wässerungszeiten für Schwarzweißfilme betragen:

  • Normale Wässerung (Haltbarkeit 20 Jahre)       30 Minuten

  • Wässerung für Archivzwecke                                 60 Minuten

Die Verwendung von "CASCADE"- Wässerungsschläuchen (JOBO) ist sehr sinnvoll und hat sich bewährt. Aber hier muss die eingestellte Wasservorlaufmenge so hoch einreguliert werden, dass wirklich sprudelnd das Wasser überläuft und in dem Schaurohr ein Wasserstand bis zur Markierung sichergestellt ist. Hierbei können dann vorstehende Zeiten um 25% verkürzt werden. Die oft angegebenen Zeiten von 5 Minuten sind eindeutig zu kurz.

Falls in Ausnahmefällen kein fließendes Wasser zur Verfügung steht, muss alle 5 Minuten ein Wasserwechsel stattfinden, wobei je Film 1 Liter Wasser zur Verfügung stehen muss, also ggf. ist die Filmspirale in ein größeres Gefäß zu legen. Dieser 5minütige Wechsel ist dann mindestens 12x vorzunehmen und die Spirale laufend zu bewegen.

Das Waschwasser sollte nicht über 25°C warm sein, ansonsten wird die Gelatineschicht zu stark aufgequollen und es besteht die Gefahr von Runzelkornbildung.

Die Wässerungszeiten können um etwa 40% dann verkürzt werden, wenn die Filme vor der eigentlichen Wässerung in einem Auswässerungsbeschleunigerbad gebadet werden. Hier bieten sich die konfektionierten Lösungen an, wie z.B. das KODAK-HYPO-CLEARING- AGENT Bad, worin dann der Film nach der Fixage und kurzer Vorwässerung von etwa

2 Minuten weitere 3 Minuten behandelt wird, bevor er in die Wässerung kommt. Falls gewünscht, kann dieses Bad gleichzeitig auch zur Erhöhung der Archivfestigkeit dadurch benutzt werden, indem dem Auswässerungsbeschleunigerbad ein Selentonerzusatz beigemischt wird, wie z.B. Kodak Rapid Selenium-Toner in einem Verhältnis von 1:20.

Achtung: Höhere Selenkonzentrationen und längere Badzeiten als 3min führen zur Gradationsaufsteilung!

3.6.1 Behandlung der Negative vor dem Trocknen

Nach dem Wässern enthalten die Filme in den Gelatineschichten noch etwa 1 bis 2g Wasser pro Quadratdezimeter. Außerdem haftet noch Wasser auf der Filmoberfläche und bildet dabei zum Teil Tropfen.

Bevor die Negative weiterverarbeitet oder gelagert werden können, müssen sie völlig trocken sein. Feuchte Gelatineschichten sind sehr empfindlich gegen Verkratzungen und gegen Hitze. Außerdem wird die Gelatine im feuchten Zustand leicht von Bakterien zersetzt.

Es ist besonders bei kalkhaltigem Wasser zweckmäßig, die Wassertropfen auf der Schicht- und auf der Rückseite der Materialien vor dem Trocknen zu entfernen. Dadurch werden Kalkflecken vermieden und der Trocknungsprozess verläuft schneller und gleichmäßiger. Zur Beseitigung von Wassertropfen eignen sich sehr gut die konfektionierten Netzmittel, die mit destilliertem oder entmineralisiertem Wasser ("Bügelwasser") angesetzt werden sollten. Als besonders wirkungsvoll und gut zu handhaben hat sich hier AGFA AGEPON bewährt. Hierin wird der Film dann 1 Minute gebadet.

Anschließend sollte dann das Wasser abgestreift werden. Dafür erhältliche Zangen mit Gummilippen etc. haben sich nicht bewährt, hier besteht immer die Gefahr, dass ein Staubkörnchen an den Gummilippen hängt und dann Kratzer auf dem Film verursacht.

Nach meiner Meinung ist die beste Methode den Film vorsichtig zwischen zwei Fingern abzustreifen, wobei darauf zu achten ist, dass sich kein Ring an einem der Finger befindet, der den Film verkratzen könnte. Ich streife den Film zwischen Zeige- und Mittelfinger ohne Druck ab.

Um den Film besonders archivfest zu machen und gegen schädliche Umwelteinflüsse zusätzlich zu schützen bietet sich AGFA SISTAN an, ein "Silberstabilisationsbad", welches gleichzeitig auch ein Netzmittel ist. Das SISTAN-Bad kann auch zusätzlich zu der im vorigen Kapitel genannter Selentonung verwendet werden um praktisch eine doppelte Archiv-sicherheit zu erreichen.

3.7 Trocknung

Das in der Schicht befindliche Wasser verdunstet normalerweise an der Luft. Die günstigsten Bedingungen dafür sind: Relative Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 60% und eine Temperatur zwischen 20 und 45°C. (Nur zusätzlich gehärtete Schichten können bei höheren Temperaturen getrocknet werden!)

Das Trocknen der Filme in Trocknungsschränken oder –Vorrichtungen sollte nach meiner Erfahrung nur dann gewählt werden, wenn unbedingt eine schnellste Trocknung notwendig ist. Trotz eingebauten Filtermatten in den Systemen habe ich immer wieder festgestellt, dass auf den so getrockneten Filmen Staubkörner sind. Ich trockne deshalb meine Filme zwar in einem Trockenschrank, ohne jedoch den Ventilator und die Heizung einzuschalten. Der Trockenschrank dient mir deshalb lediglich als Staubschutz gegenüber dem Raumstaub. Moderne Filme, die mit AGEPON oder SISTAN behandelt wurden, sind bei üblichen Raumtemperaturbedingen meistens nach 2, spätestens nach 4 Stunden trocken. Diese Zeit sollte man in Kauf nehmen.

Die Filme sollten mit Klammern an beiden Enden zum Trocknen versehen werden damit sie sich nicht aufrollen und ggf. mit benachbart aufgehängten Filmen zusammenkleben. Von der Verwendung von "Schnelltrocknungsmittel" wie Alkohol oder Spiritus oder gar Kaliumcarbonat rate ich dringend ab, da hierdurch die Haltbarkeit der Filme drastisch reduziert wird.

Die HEWES Edelstahl-Filmklammern (Monochrom) haben sich bestens zum Aufhängen von Filmen bewährt.

3.8 Archivierung / Lagerung der Filme

Sollen Negative einwandfrei aufbewahrt werden, dann sind vor allem folgende Forderungen zu erfüllen:

- Die Negative müssen vor Staub, Verkratzung, Feuchtigkeit, Licht und schädlichen Gasen und Ausdünstungen geschützt sein.

  • Das Negativarchiv soll möglichst wenig Raum beanspruchen.

  • Ein bestimmtes Negativ muss in kürzester Zeit herausgesucht und wieder eingeordnet werden können.

Diese Forderungen werden nicht erfüllt, wenn die Negative gerollt aufbewahrt werden. Sehr zweckmäßig sind die im Handel erhältlichen A4 Taschen, in die die Negative eingesteckt und aufbewahrt werden können. Diese Taschen müssen allerdings frei von Lösungsmitteln und Weichmachern sein. Deshalb bieten sich hier ausschließlich Taschen aus Polypropylen und Polyesterfolien wie MYLAR-D und Melinex-O an.

Ideal sind die vorgenannten Taschen auch deshalb, weil sie voll transparent sind und deshalb das Finden von Negativen vereinfachen. Ferner bieten sie den Vorteil, dass man Kontaktkopien problemlos direkt von den Taschen anfertigen kann.

Die Taschen gibt es für Kleinbildfilme um diese z.B. in 6er Streifen aufzubewahren oder für Mittelformatnegative um hierin 4,5x6cm Negative in 4er Streifen bzw. 6x6 und 6x7 cm Negative als 3er Streifen einstecken zu können. Es gibt die Taschen mit seitlicher Öffnung um die Negative einzuschieben oder mit oberer Schlitzöffnung.

Zur Erstellung von Kontaktkopien der transparenten Negativtaschen ist ein Glasvergrößerungsrahmen sehr hilfreich. Es kann aber auch eine Glasplatte genommen werden, die auf das Sandwich von Vergrößerungspapier und Negativ gelegt wird. Ein einwandfreier Kontakt der Negativtaschen mit dem Papier ist notwendig um keine Verzerrungen zu bekommen und um Undeutlichkeiten durch Streulicht zu vermeiden.

Zur Aufbewahrung der Taschen und ggf. zugleich auch der Kontaktkopien gibt es passende Ordner. Aber auch hier ist auf eine geeignete Qualität zu achten, die PH-Wert neutral ist und keine schädlichen Ausdünstungen verursachen kann.

Die MONOGARD-Ringalben haben sich hier sehr bewährt.

Die Filmtaschen und -Ordner können nach zwei verschiedenen Prinzipien geordnet werden:

  • Nach der chronologischen Reihenfolge der Aufnahmen

  • Nach Motivgebieten.

Es bietet sich natürlich eine Kombination aus diesen beiden Möglichkeiten an. Ich habe mein Archiv nach Hauptmotivgebieten in den Ordnern unterteilt und innerhalb dieser Motivgebiete dann in chronologischer Reihenfolge abgelegt.

Die Filmtaschen und Kontaktabzüge erhalten eine alphanumerische Nummer aus der Sachgebiet, Jahr und fortlaufende Nummer ersichtlich ist. Zum Beispiel: A- 04-3 für: Architekturaufnahme im Jahr 2004, Blatt 3.

Das Finden, Herausnehmen und Wiedereinsortieren dürfte mit diesem System leicht fallen. Man kann natürlich dieses System auch PC-unterstützt detaillierter aufbauen.



[1] Für Flachkristallfilme gilt die Empfehlung: Fixierzeit =  dreifache Klärzeit
Zusätzlich ist hier Zweibadfixage sehr zu empfehlen; doppelte Klärzeit in Fixierbad 1 und dann einfache Klärzeit in Fixierbad 2. (Otto Beyer)