perfektes Negativ

7 Farbnegative / Chromogene S/W-Negative
7.1 Chromogene S/W-Filme


TERRY SCHAEVEN
Stand 04/2008


7   Farbnegative / Chromogene S/W-Negative

    Der Schritt von Schwarzweiß zu Farbe war ein langer Weg mit unterschiedlichen Lösungsansätzen. Wie kann es gelingen, die vielen Millionen Farben, die das Auge unterscheiden kann, auf Fotomaterialien festzuhalten? Nun, glücklicherweise kann man alle Farben durch Mischung von drei Grundfarben darstellen. Am bekanntesten und am verständlichsten ist das RGB-Modell. RGB steht für Rot Grün Blau, die drei benutzten Grundfarben. Man spricht hierbei von additiver Farbmischung, weil die Farben Additiv überlagert werden. Ihr Computermonitor arbeitet auf diese Weise. Bei ihm liegen rote, grüne und blaue Farbsegmente sehr dicht nebeneinander. Durch unterschiedlich helles Aufleuchten werden alle möglichen Farben gebildet. Durch die räumliche Nähe dieser Farbsegmente kann das Auge ab einem bestimmten Mindest-Betrachtungsabstand die drei Segmente nicht mehr auflösen und nimmt stattdessen eine Mischfarbe wahr. Während der Monitor theoretisch beliebig viele Farbennuancen darstellen kann, kann Ihre Graphikkarte nicht jede einzelne Farbe beliebig fein ansteuern, so dass sich je nach Speichergröße eine Limitierung auf 256, etc. Farben ergeben.

    Dieses Verfahren hat für Filme den Nachteil, dass man nebeneinander liegende farbige Punkte erzeugen muss. Anstatt die einzelnen Grundfarben zusammenzusetzen, kann man aber auch aus weißem Licht, das bekanntlich alle Lichtfarben enthält, die unerwünschten Farben wegfiltern. Wenn man eine der Grundfarben Rot, Grün oder Blau erzeugen will, muss man einfach ein Filter verwenden, das die Komplementärfarbe sperrt. Eine Komplementärfarbe ist übrigens eine Farbe, die alle Farben außer der gewünschten Farbe enthält.

    Filter in einer Komplementärfarbe sperren die gewünschte Farbe und lassen nur die Komplementärfarbe durch. Die Komplementärfarben zu Rot, Grün und Blau sind (in dieser Reihenfolge) Zyan bzw. Blaugrün, Magenta bzw. Purpur und Gelb. Im Gegensatz zu RGB, wo die Anfangsbuchstaben von Rot-Grün-Blau dem englischen red-green-blue entsprechen, ist das bei den Komplementärfarben leider nicht so. Im Englischen spricht man von yellow-magenta-cyan, so dass das Farbenmodell als YMC-Modell bekannt ist. Ähnlich wie beim RGB-Modell, bei dem durch verschieden helles Licht in den Grundfarben eine beliebige Farbe erzeugt wird, kann auch beim YMC-Modell durch Kombination von verschieden starken, hintereinanderliegenden Filtern in den Komplementärfarben jede beliebige Farbe erzeugt werden.

    Ein Farbfilm besteht, wie man hieraus ableiten kann, aus drei fotoempfindlichen Schichten. (neuerdings bei FUJI sogar teilweise aus 4 Schichten um noch natürlichere, differenziertere Farben zu realisieren). Ein Farb-Negativfilm ist grundsätzlich so aufgebaut, dass die oberste Schicht aus ganz normalem Silberhalogenid besteht. Silberhalogenid ist nämlich nur für blaues Licht empfindlich (in üblichen S/W-Filmen werden deshalb spezielle Stoffe zugesetzt, die dieses salopp gesagt zusätzlich für grünes und rotes Licht empfindlich machen). Diese Empfindlichkeit nur für blaues Licht wirkt genauso wie ein blaues Filter, ohne aber das Licht selbst zu filtern. Unter dieser Schicht befindet sich zunächst ein Gelbfilter, das alle Lichtfarben außer Blau passieren lässt, denn die erste Farbe hat man mit der obersten Schicht ja bereits bedient.

    Darunter befindet sich eine fotoempfindliche Schicht aus Silberhalogenid, das mittels spezieller Sensibilisierungsstoffe nur für grünes Licht empfindlich ist. Hierunter befindet sich nun ein Purpurfilter, das alle Farben außer Grün passieren lässt. An dieser Stelle enthält das Licht aber schon kein Blau mehr, weil dieses durch das weiter oben befindliche Gelbfilter weggefiltert wurde. Damit bleibt hinter dem Purpurfilter nur rotes Licht übrig bleibt. Die darunter liegende Fotoschicht ist folgerichtig für rotes Licht sensibilisiert.

    Wie man sich vorstellen kann, taugt ein solcher Film nach Entwicklung in einem ganz normalen S/W-Entwickler nicht zur Farbwiedergabe. Denn die vorhandenen Filter filtern schichtweise hintereinander liegend Blau und Grün heraus und lassen nur rotes Licht durch. In der Durchsicht würde ein in einem S/W-Entwickler entwickeltes Farb-Negativ deshalb theoretisch wie ein rot eingefärbtes S/W-Negativ erscheinen. Der Trick bei der Farbentwicklung ist, dass jede der drei lichtempfindlichen Schichten neben Silberhalogenid auch farblose Farbgrundstoffe enthält. Spezieller Farbentwickler reduziert wie auch S/W-Entwickler das Silberhalogenid zu metallischem Silber. Der Unterschied liegt aber darin, dass der lokal vorhandene, nunmehr oxidierte Entwickler die Farbgrundstoffe in richtige, sichtbare Farbe umwandelt. Je mehr Silberhalogenid reduziert wird, d.h. je intensiver die Belichtung mit der entsprechenden Lichtfarbe, desto intensiver ist die durch diese chemische Reaktion gebildete Farbe. In der für blaues Licht empfindlichen Schicht wird Gelbfarbstoff (Y), in der für grünes Licht empfindlichen Schicht Purpurfarbstoff (M) und in der für rotes Licht empfindlichen Schicht Blaugrünfarbstoff (C) gebildet. Die ursprünglichen Filterfarbstoffe werden aus dem Film entfernt. Wie schon oben erläutert, sind die Farben YMC komplementär zu RGB, so dass sich insgesamt ein helligkeits- und farbinvertiertes Bild ergibt.

    Zum Verständnis: Nehmen wir einmal an, Sie fotografieren ein blaues Objekt, das nur aus einer Farbe besteht, aber unterschiedlich helle Stellen besitzt. Während der Entwicklung kann dann nur die blauempfindliche Fotoschicht Farbstoffe bilden, denn die anderen beiden grün- und rotempfindlichen Schichten sind unbelichtet; das Objekt war ja ausschließlich blau.

    Dort, wo wenig Licht auftraf, wird wenig gelber Farbstoff gebildet. Dort, wo viel Licht auftraf, wird hingegen viel gelber Farbstoff gebildet. Das Bild ist also helligkeitsinvertiert. Und weil Gelb die Komplementärfarbe von Blau ist, ist das Bild auch farbinvertiert. Nun hat man zwar einen Film mit negativen Farben, aber die Farben sind durch das gleichzeitig vorhandene schwarze Silber ziemlich "dreckig", nämlich so, als ob man graue Farbe untergemischt hätte. Das Silber stört in einem Farbfilm also und muss folgerichtig entfernt werden. Dies erfolgt in einem sogenannten Bleichbad, das Silber wieder in Silberhalogenid zurückverwandelt, welches dann mittels eines Fixierbads genauso wie bei S/W-Filmen entfernt wird. Nur noch die Fixierbadreste mittels Wässerung entfernen, und fertig ist der Farbnegativfilm.

    Beim späteren Vergrößerungsprozess wird mit gleicher Technologie heute überwiegend gearbeitet, hier spricht man dann von Subtraktiver Farbfilterung. Die Additive Farbfilterung ist veraltert und wird bei kaum einem Printprozess noch angewendet.

    7.1 Chromogene S/W-Filme

    Chromogene S/W-Filme sind praktisch Farbfilme, die ähnlich obiger Farbfilme aufgebaut sind, jedoch üblicherweise nur eine farbempfindliche Schicht aufweisen. Das Silberhalegonid wird auch hier anschließend herausgebleicht/-fixiert und nur die Farbkupplersubstanzen bleiben übrig.

    Bisher gab es die bekannten chromogenen Filme insbesondere von ILFORD und KODAK, die sich sowohl auf Colorpapier als auch auf herkömmlichen S/W-Papier gut printen ließen, lediglich mit dem Nachteil, dass die Belichtungszeit 2-3fach länger ausfiel als mit herkömmlichem S/W-Filmen, bedingt durch die dichte Maskierung der Filme.

    Kodak hat jetzt die beiden bisher lieferbaren Filme aus dem Programm genommen und durch den BW 400 CN ersetzt. Dieser Film ist –siehe Kodak-Datenblatt- dafür optimiert ausschließlich auf Colorpapier geprintet zu werden und Kodak empfiehlt ihn nicht zum printen auf herkömmlichem S/W-Papier.

    Damit ist praktisch der ILFORD XP-2 der einzige noch brauchbare chromogene S/W-Film um ihn in bekannter Weise auf S/W-Papier zu vergrößern. Aber seine Einfärbung kann bei Kontrastwandelpapieren zu Problemen führen.

    Die Nachteile dieser Filme sind bekannt: wesentlich geringere Haltbarkeit, ca. 10% Dichteverlust in etwa 10-20 Jahren Lagerung.

    Alle chromogenen Filme haben eine "weiche" Gradation. Die Dichte in den Lichtern "knickt ab" was manchmal Vorteile bringt und den Himmel nicht "ausbrennen" lässt.

    Wenn man den XP-2 im C-41-Prozess nach Standard zusammen mit Colornegativen entwickeln lässt und ihn nach Basisspezifikation mit 400ASA belichtet, hat man in den Schatten die gleichen Probleme wie bei der Standardentwicklung von herkömmlichen S/W Filmen, d.h., die Schatten sind nicht durchgezeichnet. Deshalb muss der XP-2 (genauso wie alle anderen chromogenen Filme) mit etwa 160 ASA belichtet werden um eine äquivalente Schattendurchzeichnung zu erreichen, wie wir es bei den herkömmlichen Filmen anstreben.

    Nebenbei sei angemerkt, dass der XP-2 auch mit zunehmender "Überbelichtung" schärfer und feinkörniger wird, jedoch auch wesentlich dichter und somit ergeben sich noch längeren Belichtungszeiten im Positivprozess.

    Bei der Selbstverarbeitung von Color- und Chromogenfilmen kann man, was die meisten nicht wissen, auch hier eine Kontrastbeeinflussung durch verlängertes oder verkürztes Entwickeln erreichen, genau wie beim herkömmlichen Film. In der Standardentwicklung entspricht die Gradationskurve bei vorschriftsmäßiger Entwicklung und Belichtung mit etwa 160 ASA (bei 400er Normempfindlichkeit) etwa der N-1 bis N-1,5 Entwicklung. Deshalb muss bei normalem Bildkontrast schon oft auf Gradation 3,5 bis 4,0 beim Vergrößern zurückgegriffen werden. Bei kontrastarmen Motiven ergeben sich somit Probleme. Hier hilft nur eine "Push-Entwicklung", also eine verlängerte Entwicklung zur Erreichung eines guten Kontrasts.

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