perfektes Positiv

3   Vergrößerungspapiere
3.1   Schwarzschildeffekt
3.2   Die Lagerung von Fotopapieren
3.3   Die Sensitometrie
3.3.1   Empfindlichkeit von SW-Papieren
3.3.2   Belichtung und Gradationssteuerung bei gradationsvariablen Papieren
3.3.3   Der Kopierumfang von Fotopapieren


TERRY SCHAEVEN
Stand 04/2008


3 Vergrößerungspapiere

Die lichtempfindliche Emulsion bei Fotopapieren besteht aus in der Gelantine eingelagerten Silberhalogenid-Kristallen (Bromsilber- oder Chlorbromsilber-Mischkristallen). Die Emulsion der RC/PE-Papiere enthält Entwicklersubstanzen, die eine maschinelle Verarbeitung in Schnellprozessen ermöglichen. Der Silberauftrag beträgt bei den meisten Standard- Papieren etwa 1,5 g/m².

In den letzten Jahren sind durch Konkurs, Aufgabe und Zusammenschluss von Fotopapierherstellern die früher so zahlreiche Auswahl an Papiersorten und -Oberflächen sehr stark reduziert worden. Noch bis Mitte der 70er Jahre gab es z.B. von AGFA im Barytpapier-Programm die Papiersorten: Brovira, Portriga, Portriga-Rapid, Record und Lupex und diese wiederum mit diversen Oberflächen wie glänzend, filigran, filigran-halbmatt, matt, halbmatt, seidenraster, matt-gekörnt etc.

Ferner waren die Papiere als "papierstark" und "kartonstark" lieferbar. Die Papieroberflächen boten ebenfalls eine Vielfalt an Grundfarben wie: weiß, velvet, elfenbein und chamois.

Papiere wie Brovira waren in feiner Abstufung als "extra weich", "weich", "spezial", "normal", "hart" und "extrahart" erhältlich.

Von dieser Vielfalt können wir heute nur noch träumen.

Von den derzeit noch in Produktion befindlichen Baryt-Bromsilberpapieren sind folgende empfehlenswert:

  • ROLLEI VINTAGE-CLASSIC (Mischemulsion)

  • FOMABROM

  • Fuji Fine-Art Baryt "Rembrant V"

  • Oriental New Seagull VC-FB2- Professional

  • Ilford Multigrade IV FB

Die Ilford-Papiere haben einen relativ dünnen Silberauftrag mit größeren Halogeniden und weisen nicht den Detailreichtum und die Brillanz der anderen Papiere in der Vergrößerung auf. Das KENTMERE bzw. TETENAL- Vario-Barytpapier hat einen sehr schlechten Gradationsverlauf und m.E. teilweise hässliche Dunkelgrautöne und kann von mir nicht empfohlen werden.

Das neuerdings lieferbare Warmtonpapier von Ilford ist eine Mogelpackung. Hier handelt es sich um die gleiche Bromemulsion wie bei Multigrade IV, jedoch auf einem warmen Träger gegossen.

Das von Oriental erhältliche Chlor-Warmtonpapier ist leider auf einem viel zu warmen Karton gegossen, und ist vielleicht zur Erstellung von Nostalgiefotos geeignet, jedoch nicht für Feine Bilder.

Ähnlich verhält es sich leider auch mit dem FOMA-FOMATONE Baryt-Papier, welches eine hervorragende Emulsion hat, jedoch leider auf einem unschönen bräunlichen Karton gegossen wird. Hingegen ist das FOMA-FOMATONE PE-Papier ein hervorragendes Papier speziell für Portrait- und Aktaufnahmen und kann von fast neutral bis sehr warm über den gewählten Entwickler gesteuert werden.

Die weiteren im Handel angebotenen Papiere aus britischer, osteuropäischer oder chinesischer Produktion haben teilweise sehr hohe Qualitätsstreuungen und keine guten sensitometrischen Eigenschaften, was die Kontraststeuerungsabstufungen anbetrifft.

Für mich ist das von MACO vertriebene ROLLEI VINTAGE CLASSIC Papier das derzeit beste Barytpapier auf dem Markt mit fast identischen Eigenschaften wie das alte AGFA-MCC.

Die Größe der in der Emulsionsschicht eingelagerten Silberkörner haben ebenfalls Auswirkungen auf die Konturenschärfe des Bildes. Kalttonpapiere mit ihren recht großen Bromsilberkörnern weisen teilweise sichtbare Qualitätsverluste an Konturenschärfe gegenüber Warmtonpapieren mit feinen Chlorsilberkörnern auf. AGFA hatte mit dem Multicontrast Classic Barytpapier hier einen optimalen Kompromiss gefunden um hohe Kantenschärfe mit noch neutralem Bildton vereint.

Speziell die gradationsvariablen SW-Papiere der großen Hersteller sind heute Hochtechnologieprodukte, die durch ihren komplexen Aufbau einen sehr hohen Produkt- und Abbildungsstandard erreichen. Der mehrschichtige Papieraufbau ermöglicht ein qualitativ hochwertiges Bildergebnis. Die Kontrastwiedergabe kann in minimalen Schritten den Erfordernissen des Negativs und des Sujets angeglichen werden.

Selbst schwierige Negativvorlagen sind dank stufenloser Gradationssteuerung beherrschbar und werden durch die Möglichkeit der gezielten Belichtung von Motivbereichen mit unterschiedlicher Gradation individuell formbar. Die am meisten verwendete Oberfläche dürfte glänzend sein, sowohl bei den PE- als auch bei den Baryt- Papieren. Glänzende Oberflächen sind auch am ehrlichsten, geben die größte Schärfe wieder, haben den größten Tonumfang und lassen sich am leichtesten verarbeiten, weil sie sich nach dem Trocknen am wenigsten verändern. Glänzende Papiere erreichen auch das höchste Dmax (Schwärzung).

Bei matten Papieren muss man schon vorher wissen, um wie viel das Papier beim Trocknen nachdunkelt und "weicher" wird. Dieser Faktor muss beim Entwickeln einkalkuliert werden und dementsprechend das Bild beim Entwickeln heller und härter gehalten werden.

Alle Papiere unterliegen dem so genannten "Dry-Down-Effekt", wirken im nassen Zustand kontrastreicher und heller als nach der Trocknung.

Die Wahl der Papieroberfläche ist teilweise eine Geschmackssache und teilweise eine Frage des wiederzugebenden Sujets. Portrait und Aktaufnahmen auf Papier mit matter Oberfläche verleihen den Aufnahmen einen besonderen künstlerischen Charakter. Dies trifft teilweise auch auf die Verwendung von Warmtonpapieren zu.

Moderne Architekturaufnahmen, Schneelandschaften und ähnliche Sujets verlangen jedoch nach einem rein weißen und kalten Bildton.

Leicht warmtonige Papiere sind hingegen wiederum für die Wiedergabe von maroden Gebäuden, Sandstrukturen, Holzstrukturen, Akten und ähnlichen Sujets geeignet.

3.1 Schwarzschildeffekt

Das Schwarzschild-Verhalten bezeichnet die effektive Empfindlichkeitsabnahme bei sehr langen oder auch sehr kurzen Belichtungen. Erstere kommen bei sehr dichten Negativen oder großen Vergrößerungsmaßstäben vor, letztere bei Laserbelichtungen.

Der von Langzeitbelichtungen von Filmen her bekannte Schwarzschildeffekt macht sich auch bei Fotopapieren bemerkbar. Dieser variiert bei den einzelnen Papieren. Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass bis zu einer Belichtungszeit von etwa 50 Sekunden der Effekt kaum bemerkbar ist, jedoch z.B. bei 300 Sekunden die Papierempfindlichkeit schon um etwa 30% abnimmt. Üblicherweise bleibt bei den meisten Papieren die Gradation bei Langzeitbelichtungen konstant.

3.2 Die Lagerung von Fotopapieren

Die Originalverpackung schützt das Papier vor Licht und kurzfristigen Feuchtigkeits- und Gaseinflüssen. Das Innenpackmaterial besteht meist aus lichtsicheren PE-Beuteln oder PE-Folien. Die Außenverpackung ist eine Kartontasche oder Stülpdeckelschachtel.

Die Außenverpackung allein bietet keinen ausreichenden Lichtschutz. Für die Aufbewahrung des Papiers in der angebrochenen Packung muss deshalb sowohl die Innen- als auch die Außenverpackung verwendet werden.

Schwarzweiß-Fotopapiere sollten kühl, trocken und geschützt vor schädigenden Gasen aufbewahrt werden. Temperaturen unter 20°C und eine relative Luftfeuchtigkeit von 50-60% garantieren eine gute Haltbarkeit über einen sehr langen Zeitraum. Angebrochene Packungen sollten nach Gebrauch gut verschlossen werden (Innen- und Außenverpackung). Fotopapiere werden möglichst nicht in der Dunkelkammer aufbewahrt, sondern nur in kühlen und trockenen Räumen oder im Kühlschrank.

Der natürliche Alterungsprozess von Fotopapieren wird durch die Kühl- oder Tiefkühllagerung erheblich verzögert. Das Papier muss dann jedoch einige Stunden vor Gebrauch aus dem Kühllager genommen und an die Raumtemperatur angeglichen werden.

Überlagerte bzw. schlecht gelagerte Fotopapiere weisen meist keine sauberen Weißen mehr auf und die Gradation verschiebt sich in Richtung weicher.

3.3 Die Sensitometrie

Meiner Meinung nach braucht ein Fotograf dem theoretischen Studium der Sensitometrie nicht viel Zeit zu widmen. Fragen des Kopierumfangs und der Lichtempfindlichkeit lassen sich durch Versuche mit dem Papier und seiner Entwicklung beantworten und führen damit zu einem klaren Praxisbezug, den die Beschäftigung mit abstrakter Sensitometrie nicht vermitteln kann.

Die Fotopapiere der einzelnen Hersteller weisen ganz unterschiedliche Charakteristiken bezüglich der Reaktion auf eingeschwenkte Gradations-Filtern oder eingelegten Filterfolien auf. Eine Ilford Multigrade Einlegefolie für die Gradation 3 bewirkt beim Fotopapier "X" vielleicht eine wirkliche Gradation von 2 und beim Fotopapier "Y" vielleicht eine Gradation von 3,5. Außerdem ergeben sich Gradationssprünge zwischen den einzelnen Gradationsstufen der einzelnen Papiere, die ebenfalls nicht linear sind. Deshalb sollten möglichst stufenlos verstellbare Vergrößerungsköpfe Anwendung finden.

Dem Praktiker ist es letztendlich vollkommen egal, welche wirkliche Gradation sich bei seiner Einstellung ergibt, solange diese im tolerierbaren Bereich liegt. Deshalb sind gerade die VC-Köpfe ohne Gradationsangabe sondern mit einer Skala von 0 bis 100 zur Abdeckung des gesamten Gradationsspektrums ideal.

Hier kann er sich sehr schnell einarbeiten und weiß zum Beispiel, dass bei seinem typischen Negativkontrast eine Einstellung von z.B. 55 der übliche Kontrast seiner Bilder wiedergegeben wird.

Er macht dann einfach wieder in %Schritten Korrekturen nach der Testbelichtung. Also 10% härter = Kopfeinstellung auf 60,5. Ob diese Einstellung dann für sein spezifisches Papier eine Gradation von 3,5 oder 3,9 ergibt, ist absolut belanglos.

Wichtig ist, dass der Negativprozess absolut optimiert ist und der Film auf das ausgetestete Gamma passend zum Sujet entwickelt wurde.

Das Schaffen ausdrucksstarker Bilder hängt ausschließlich von der visuellen Einschätzung der Tonwerte ab.

Ich kenne einen sehr bekannten Fachautor und Fotograf der sich in der Erstellung von Schwärzungs- / Kontrast- und Gradationskurven exzessiv betätigt und hunderte diesbezügliche Auswertungen zur Erstellung seiner Bilder zur Verfügung hat. Seine "Fine Art Prints" sehen entsprechend aus, technisch einwandfrei aber ohne "Leben".

Wie bei Negativen, wo diesbezügliche Auswertungen unerlässlich sind, können wir auch für jedes Papier eine Schwärzungskurve erstellen, die das Reagieren auf Licht und Entwicklung bei verschieden eingestellten Gradationen erkennen lässt.

Die Ermittlung des Kopierumfangs des Fotopapiers und somit die Möglichkeit der Anpassung an den Dichteumfang des Negativs, um die gesamte Tonwertskala wiedergeben zu können, hört sich zwar sinnvoll an, ist aber für die Erstellung eines feinen Bildes weitgehend bedeutungslos.

Aus Gründen des Bildausdrucks weicht man von diesem "passenden" Idealwert meistens bewusst ab. Trotzdem werden nachfolgend die wichtigsten und wissenswertesten Terminologien hierzu erläutert.

3.3.1 Empfindlichkeit von SW-Papieren

Analog zur Empfindlichkeitsangabe von Filmen gibt es auch für Schwarzweiß-Fotopapiere eine Empfindlichkeitsnorm. Bei dieser internationalen Norm (ISO 6846) handelt es sich um eine arithmetische Empfindlichkeitsangabe: Eine Verdoppelung oder Halbierung der Zahlenangabe bedeutet die doppelte oder die halbe Empfindlichkeit. Dies entspricht den Sprüngen der ISO-Empfindlichkeit bei Aufnahmefilmen. Im Gegensatz dazu bedeutet eine Veränderung um 1 Blende bei der DIN-Norm jeweils einen Abstand von 3 DIN.

Bei der Fabrikation von hochwertigen Fotopapieren wird größter Wert auf die Einhaltung gleichmäßiger Empfindlichkeit von Emulsionsnummer zu Emulsionsnummer und von Gradation zu Gradation innerhalb der erreichbaren Fabrikationstoleranzen gelegt. Es ist jedoch zu beachten, dass geringe Empfindlichkeitsabweichungen durch Alterungs- und Lagerungseinflüsse unvermeidlich sind.

Die meisten gradationsvariablen Papiere weisen für die höheren (härteren) Gradationsstufen (meist ab Gradation 3,5) eine Halbierung der Empfindlichkeit auf.

3.3.2 Belichtung und Gradationssteuerung bei gradationsvariablen Papieren

Alle gradationsvariablen Papiere können in allen handelsüblichen Vergrößerungsgeräten belichtet werden. Dazu sind SW-Halogen- Geräteköpfe oder mit Opallampen ausgerüstete Köpfe genauso geeignet wie Farbmischköpfe.

Besonders praktisch ist das Arbeiten mit den speziellen Vergrößerungsmodulen für kontrastvariable Papiere ("VC-Köpfe"). Diese bieten meist den automatischen Dichteausgleich zwischen den kontinuierlich einstellbaren Gradationen. Die äußerst lästige Belichtungszeitanpassung entfällt weitgehend. Selbst die Halbierung der Lichtempfindlichkeit bei harten Gradationen können viele dieser Köpfe automatisch ausgleichen.

Die gradationsvariablen Papiere sind sowohl für den blauen als auch für den grünen Spektralbereich sensibilisiert. Die Einstellung der Gradation erfolgt durch die Belichtung mit farbig gefiltertem Licht.

Durch Purpurfilterung (Magenta) spricht man nur den grünen Spektralbereich an und erzielt eine steile Gradation. Durch Gelbfilterung wird der blaue Spektralbereich genutzt. Die resultierende Gradation ist weicher. Je nach Belichtungsanteil des blauen und grünen Lichts lässt sich die Gradation praktisch stufenlos von hart bis weich verändern.

Die Verwendung von gradationsvariablen Papieren bietet den Vorteil, dass man beim Belichten von problematischen Negativen einzelne Bildpartien mit unterschiedlichen Kontraststeuerungsfiltern belichten kann. Bei Landschaftsaufnahmen erreicht man durch die Belichtung der Himmelspartie mit einer weichen Gradationseinstellung wie z.B. Gradation 2 eine stärkere Durchzeichnung der Wolken. Eine brillante Gesamtwirkung ergibt sich beispielsweise durch die Nutzung der Gradation 3,5 für den übrigen Motivbereich.

Durch partielles Nachbelichten und Abhalten mit unterschiedlichen Gradationen können innerhalb eines Bildes nicht nur Helligkeitsunterschiede angeglichen, sondern auch unterschiedliche Kontraste erzeugt und korrigiert werden.

3.3.3 Der Kopierumfang von Fotopapieren

Unter dem Kopierumfang eines Fotopapiers versteht man das Verhältnis der Belichtungszeiten, die zur Erzeugung einer definierten maximalen und minimalen Schwärzung erforderlich sind. Üblicherweise wird dieses Verhältnis nicht arithmetisch angegeben, sondern logarithmisch, also z.B. 0,6 -1,0 – 1,5.

Diese Zahlen entsprechen gleichzeitig dem maximalen Dichteunterschied eines entsprechenden Negativs. Der Kopierumfang ist also das größte zulässige Belichtungsintervall, bei man sowohl in den Schatten als auch in den Lichtern noch Details unterscheiden kann. Er gibt Auskunft darüber, welcher Negativkontrast, das heißt welcher maximale Dichteunterschied, unter Ausnutzung der gesamten Grauwertskala von Weiß bis Schwarz auf einem Fotopapier zu erzeugen ist. Ein Papier mit weicher Gradation hat einen großen Kopierumfang. Es kann die starken Dichteunterschiede eines kontrastreichen, harten Negativs wiedergeben. Papiere mit harter Gradation dagegen besitzen einen kleinen Kopierumfang und sind deshalb für kontrastarme, weiche Negative mit geringem Dichteunterschied geeignet.

Um bei der Angabe des Kopierumfangs ohne Komma zu operieren, werden die logarithmischen Werte nach ISO-Norm 6846 noch mit 100 multipliziert und durch ein vorangestelltes "R" (Range) gekennzeichnet. Die Papierhersteller geben den R-Wert für die einzelnen Gradationen in ihren Beipackzetteln an.