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Karl Neumeier


Während Filmentwickler in der einschlägigen Literatur auf Dutzenden von Seiten abgefeiert werden, sind Papierentwickler meist mit zwanzig Zeilen abgehakt. Sicher, mit der Qualität des Negativs steht und fällt das ganze Bild. Aber das, was wir eigentlich betrachten, ist das Positiv. Deshalb sollte man Papierentwickler nicht ganz so stiefmütterlich behandeln, denn ohne sie nutzt das schönste Negativ gar nichts.

Woraus bestehen nun Papierentwickler? Ein Blick auf die Rezeptur zeigt die vier Grundbestandteile:

  • Entwicklersubstanz
  • Sulfit
  • Alkali
  • Antischmiermittel

Nichts Aufregendes; vielmehr alles Dinge, denen man auch in der Welt der Negativentwickler begegnet Schließlich tun beide ja offenbar das Gleiche. Doch der Schein trügt. Negativ-Entwickler sollen das Korn klein halten, die Empfindlichkeit gut ausnutzen, helle und dunkle Strukturen durchzeichnen und selbst feinste Details scharf abbilden. Wie das Negativ selbst aussieht interessiert keinen - vernünftig kopierbar muss es sein.

 

Anforderungsprofil

Der Papierabzug soll dem Auge gefallen, deshalb erwartet man vom Positiv-Entwickler andere Werte:

  • Der Grundschleier muss möglichst gering sein, damit die Lichter blütenweiß erscheinen.
  • Die Maximaldichten sollen hoch sein, damit die Schatten schön schwarz kommen.
  • Die Entwicklungszeit soll kurz sein. Schließlich will man nicht jeden Abzug zehn Minuten oder länger entwickeln.

Diese Vorgaben machen sowohl eine andere Zusammensetzung des Entwicklers, als auch eine andere Entwicklungsmethode erforderlich. Filme entwickelt man zu einer bestimmten Gradation (das heißt bis zu einem bestimmten Beta-Wert), dann wird die Entwicklung unterbrochen. Beim Ausentwickeln kommen Beta-Werte zwischen 1.5 und 2 zustande, die sich selbst auf Material der Gradation "windelweich" nicht mehr vernünftig kopieren lassen. Papiere werden dagegen immer ausentwickelt, um maximale Bildschwärzen zu erhalten; unterschiedlich graduiertes Papier steuert die Kontraste. Überbelichten und unterentwickeln führt zu grauem Bildmatsch, weil die Schwärzen fehlen.

Verglichen mit den dünnen Filmentwicklern sind Positiventwickler dicke Suppen; die Entwicklersubstanz ist hoch konzentriert und pH-Werte zwischen 10 und 11.5 sorgen dafür, dass in der Schale so richtig die Post abgeht. Dementsprechend schnell legen sie los. In einer Minute, spätestens anderthalb, ist alles vorbei. Damit die Bildweißen bei diesem Kraftakt nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, enthalten Positiv-Entwickler reichlich Antischleiermittel. Ein Gramm Kaliumbromid pro Liter ist Standard, zusätzlich fegen oft noch organische Schleierbremser die Lichter weiß. Dafür ist die Sulfitmenge deutlich niedriger als bei Negativentwicklern. Zuviel Sulfit löst Silberhalogenid-Kristalle an. Dadurch gehen die Maximaldichten in den Keller, und im Entwickler entsteht schwarzer Silberschlamm.

 

Viel hilft viel

Die Frage nach der richtigen Entwicklersubstanz stellt sich bei den Papierentwicklern kaum. Hier spricht alles für die superadditive Kombination Phenidon-Hydrochinon: Sie lässt sich hoch konzentrieren, entwickelt schnell und ausdauernd und führt kaum zu allergischen Reaktionen, wie das bei Metol öfter der Fall ist. Und bei der Papierentwicklung kommen doch öfter mal Spritzer auf die Haut. Auf Trab bringt man einen Papierentwickler nach der Devise: "Viel hilft viel" - Entwicklersubstanz satt und hoher pH-Wert. Ausgesprochene Speed-Entwickler braut man zusammen, wenn man die üblicherweise 0.2 Gramm auf 0.5 bis 0.7 Gramm pro Liter erhöht. Damit schafft man Bildspurzeiten von 5 Sekunden, und in weniger als einer Minute ist das Bild ausentwickelt.

Die Zusammensetzung des Entwicklers beeinflusst auch den Kontrast. Allerdings sind Gradationswandelorgien, wie sie manche Rezeptbücher und Beipackzettel versprechen, kaum zu erwarten. Eine Stufe ist das Maximum dessen, was der Entwickler hinbiegen kann. Weicharbeitende Entwickler enthalten oft Metol als alleinige Entwicklersubstanz, bei üblichen Karbonat- und Sulfitmengen. Um mehr Zeichnung in die Lichter zu bringen, reduziert man die Kaliumbromid-Konzentration dabei von 1 Gramm auf 0.3 bis 0.5 Gramm pro Liter.

Doch auch Phenidon-Hydrochinon-Entwickler legen Weichspüler-Eigenschaften an den Tag, wenn von beiden etwa 1 Gramm pro Liter eingewogen wird. Zum Vergleich: Bei normalen Entwicklern ist 10 bis 40 Mal mehr Hydrochinon am Werkeln als Phenidon; bei Metol-Hydrochinon-Entwicklern werden Mischungen zwischen 1:1 und 1:8 eingestellt. Entwickler die angeblich "kräftig und hart" arbeiten, enthalten meist sehr viel Hydrochinon und sind auf einen pH über 11 eingepegelt. Doch Dokumol und Konsorten steilen die Gradation höchstens um eine halbe Stufe auf. Wer richtig hart entwickeln will, greift besser zu einem Lithentwickler für Filme. Der bringt auch Gradation ultrahart zu Papier.

 

Ton in Ton

Bei Filmen vollkommen unerheblich, bei Papieren aber durchaus wichtig, ist der Bildton, den Größe und Oberfläche der Silberkörner bestimmen. Das Silberbild, das beim Entwickeln entsteht, ist nicht notwendigerweise schwarz - es kann fast alle Farben des Spektrums annehmen. Der Ton hängt dabei allein von Form und Größe des Silberkorns ab.

Wären die Körner rund wie Fußbälle, dann könnte man die Farben des Bildes vorherberechnen - dank der komplexen Streutheorie von Herrn Mie. Die beschreibt die Lichtbrechung für den Fall, dass die Größe der Silberpartikel in etwa der Wellenlänge des sichtbaren Lichtes entspricht - das sind 400 bis 700 Nanometer. Die kleinsten Partikel erscheinen gelb. Mit zunehmender Größe wechselt die Farbe dann über orange, blau, braun bis nach neutralem grau. Doch in der Realität mischen auch die Oberflächenmorphologie und die Art des Halogens - Chlor, Brom oder Jod - mit.

Silberbromidpapiere sind im Farbton kaum zu beeinflussen. Das von Haus aus grobe Korn und die chemische Entwicklung führen in so ziemlich jedem Entwickler zu neutralschwarzem Bildsilber mit hoher Deckkraft. Je höher der Chloridanteil, desto besser lässt sich der Farbton steuern. Chlorsilberemulsionen besitzen kleinere Kristalle, die zudem noch besser löslich sind. Das heißt, durch Zusatz von Silberlösemitteln, wie Sulfit, Thiosulfat oder Aminen, wird zusehends mehr physikalisch entwickelt, der Bildton verschiebt sich. Und zwar zuerst einmal in Richtung braun. Noch stärkere physikalische Entwicklung erzeugt dann bläuliche kalte Bildtöne. Mit einer Überdosis an Silberlösemitteln lässt sich nahezu jeder Farbton erzeugen, die Enddichten sind aber unbrauchbar niedrig.

Reine Hydrochinon-Entwickler entwickeln warme Bildtöne, die bei starker Verdünnung sogar bis ins Rötliche gehen. Allerdings sacken die Maximaldichten in den Keller, und statt in Sekunden muss man die Entwicklungszeit in Minuten zählen. Aber bräunliches Silber kriegt man auch anders hin. Phenidon-Hydrochinon-Entwickler ohne organische Bremser sind von Haus aus eher warmtonig. Ähnlich wirken die Spuren von Ortho-Phenylendiamin oder anderen Aminen, die normalerweise als Silberlösungmittel Dienst tun.

Blauschwarze Bildtöne gehen in erster Linie auf das Konto organischer Antischmiermittel, wie Benzotriazol und Nitrobenzimidazol. Beide Stoffe werden normalerweise in Konzentrationen zwischen 50 und 200 Milligramm pro Liter zugemischt. Das führt bei Chlorsilberpapieren zu einer deutlichen Verschiebung des Bildtons in Richtung blau. Vergleichbare Ergebnisse bringt Natriumthiosulfat, wenn es in Gramm-Mengen zugesetzt wird.

Wichtiger als Bildton sind Maximaldichten, die dem Print Tiefe verleihen. Sie werden in erster Linie durch das Papier bestimmt. Dem Entwickler kommt die Aufgabe zu, die Vorgaben der Emulsion auch tatsächlich auszuschöpfen. Rein chemische Entwicklung bringt, dank kräftig dosierter Entwicklersubstanzen und hohem pH-Wert, das satteste Schwarz. Je größer der Anteil der physikalischen Entwicklung ist, desto tiefer gehen die Maximaldichten in den Keller. Ein zügiges Durchentwickeln tut deshalb nicht nur den Nerven des Anwenders gut, sondern vor allem auch der Bildqualität.

 

Rezepturen für Papierentwickler

Nach Kontaktbelichtung eines Kodak-Stufengraukeils entlockt Tetenals guter, alter Eukobrom-Entwickler als Referenz dem Papier sieben Keilstufen zwischen weiß und schwarz. Ebenso der normal arbeitende Papierentwickler (siehe unten). Der Weichentwickler auf Metol-Basis, der auf dem Agfa-Rezept 105 basiert, dehnt den Umfang auf neun Stufen. Der Hartentwickler, die Modifikation eines Lithentwicklers, staucht ihn auf deren fünf.

Normalentwickler

Wasser 800 ml
Na4EDTA 2 g
Natriumsulfit sicc. 15 g
Kaliumkarbonat sicc. 5 g
Phenidon 0.2 g *
Diethylenglykol 5 ml *
Kaliumbromid 1 g
Benzotriazol 100 mg
Wasser auf 1 l
pH 10.3-10.5
* Phenidon in Diethylenglykol lösen, dann zugeben.

Weichentwickler

Wasser 800 ml
Na4EDTA 2 g
Metol 3 g
Natriumsulfit sicc. 15 g
Kaliumkarbonat sicc. 5 g
Kaliumbromid 0.4 g
Wasser auf 1 l
pH 10.2-10.4

Hartentwickler

Wasser 800 ml
Na4EDTA 2 g
Diethanolamin 20 ml
Diethylhydroxylamin (85% v/v) 10 ml
Natriumsulfit 3 g
Hydrochinon 15 g
Kaliumbromid 2 g
Kaliumkarbonat 45 g
Wasser auf 1 l
pH 10.7-10.9

Das Who is who der Papierentwickler

Neutralschwarze Entwickler

  • Agfa Neutol NE
  • Amaloco AM 2002
  • Amaloco AM 6006 Varimax
  • Ilford Bromophen
  • Ilford Multigrade-Entwickler
  • Kodak Dektol
  • Tetenal Eukobrom

Warmschwarze Entwickler

  • Agfa Neutol WA
  • Amaloco AM 1001
  • Tetenal Variospeed  W

Kaltschwarze Entwickler

  • Agfa Neutol BL
  • Amaloco AM 3003

Weich arbeitend

  • Agfa Adaptol
  • Kodak Selectol Soft
  • Tetenal Centrabrom-S

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