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Karl Neumeier


Ein einmal eingetestetes Verarbeitungsschema liefert immer gleichbleibend gute Negative, die sich ohne Verrenkungen und lange Belichtungsreihen kopieren lassen. Wir stellen Ihnen dazu einen Zweistufenplan vor: Die erste Stufe liefert ohne langwierige Materialschlachten gute Anhaltswerte für Entwicklungszeit, Beta-Wert und Empfindlichkeitsausnutzung. Die zweite Stufe für den Perfektionisten entreißt Film und Entwickler auch noch das letzte Geheimnis. Sie brauchen dazu nur Dinge, die sicher ohnehin schon in Ihrer Sammlung sind:

  • 1 bis 2 Liter Entwickler
  • 1 bis 2 Filme mit je 36 Aufnahmen
  • Graukarte (Fotowand Technik oder Kodak)
  • Jobo Farbtesttafel
  • mattschwarzer Hintergrundkarton, 50x70 Zentimeter
  • Kamera mit Stativ
  • Vergrößerer
  • Entwicklungsdose
  • Dichtemessgerät (hier können alle Labor-Belichtungsmesser Dienst tun, die den gemessenen Wert als optische Dichte ausweisen)

Wenn Sie mehrere Entwicklungsdosen Ihr Eigen nennen, sollten Sie auf eine zurückgreifen, die mit 250 Millilitern Füllvolumen auskommt - das spart Entwickler. Und nehmen Sie hier unbedingt schwarzen Karton als Hintergrund für die Aufnahmen, denn grauer oder gar weißer Hintergrund erzeugt soviel Streulicht, dass die Werte unbrauchbar werden.

 

Der Testaufbau

Jede Kamera, die über manuelle Verschlusszeiten- und Blendeneinstellung verfügt, ist für unseren Test geeignet. Wer mehrere Objektive besitzt, sollte auf eine Festbrennweite zwischen 50 und 85 Millimeter zurückgreifen. Als Testvorlage dient eine Jobo-Farbtesttafel. Aber bitte keine, die Sie auf dem Flohmarkt erhandelt haben. Zumindest das schwarze und das weiße Feld in der Graustufenleiter müssen sauber und ohne Gilb sein, wenn Sie keine Fahrkarten messen wollen.

Kleben Sie die Testtafel mit doppelseitigem Klebeband oder Fotoecken auf den Karton und platzieren Sie Karton und Kamera so, dass die Tafel direkt von vorne abgebildet wird. Der Abstand zwischen Kamera und Tafel sollte dabei in etwa der 15fachen Objektivbrennweite entsprechen. Bei einem 50-Millimeter-Objektiv sind das 75 Zentimeter, bei einem 85-Millimeter-Objektiv 1.30 Meter.

Dem Faktor Licht sollten Sie Ihre besondere Aufmerksamkeit schenken: was aus Glühbirnen und Neonleuchten flutet, hat eine andere spektrale Zusammensetzung als sogenanntes Normlicht, auf das die Belichtungsmesser geeicht sind. Das birgt die Gefahr, dass der Belichtungsmesser andere Dinge sieht als der Film. Arbeiten Sie deshalb lieber mit diffusem Sonnenlicht oder einer vernünftigen Blitzanlage. Wer blitzt, ist unabhängig von Tageszeit und Wetter, braucht aber zusätzlich einen vernünftigen Blitz-Belichtungsmesser. Diffuses Sonnenlicht um die Mittagszeit ist ohne Frage der einfachste Weg zu konstanter Beleuchtung. Achten Sie auch darauf, dass keine Reflexe auf der Testtafel entstehen. Schräges Licht ist da sehr nützlich, egal ob es von oben oder von der Seite kommt.

Laden Sie die Kamera wie immer und markieren Sie den Film am Patronenausgang mit einem wasserfesten Filzstift, bevor Sie den Deckel schließen. Danach machen Sie zwei Leeraufnahmen mit geschlossenem Objektivdeckel. Kamera oder externen Belichtungsmesser stellen Sie auf den Wert ein, den der Film-Hersteller angegeben hat; dann ermitteln Sie mit Hilfe einer Graukarte die korrekte Belichtung. Die Beleuchtung muss während der gesamten Aufnahmeserie konstant bleiben - kontrollieren Sie deshalb die Lichtwerte in regelmäßigen Abständen. Wählen Sie Blende 8 vor. Wenn die entsprechende Belichtungszeit dabei auf einem Zwischenwert landet, nehmen Sie die längere Zeit und schließen Sie die Blende um eine halbe Stufe auf 8-11. So beträgt der effektive Unterschied zwischen gemessener und tatsächlicher Lichtmenge maximal eine viertel Blende.

 

Film ab

Dann heißt es: Film ab. Nehmen Sie mit der ermittelten Verschlusszeit eine halbstufige Blendenreihe von +1.5 bis -1.5 Blenden auf. Je nachdem, welche Arbeitsblende Sie benutzen, kommt die erste oder die zweite Reihe der Tabelle in Frage. Wenn Sie alle sieben Aufnahmen im Kasten haben, drücken Sie noch zweimal bei geschlossenem Objektivdeckel ab und wiederholen Sie die Reihe so oft, bis der Film voll ist. Der volle Film wird zurückgespult und soweit aus der Patrone gezogen, bis die Filzstiftmarkierung auf der Rückseite auftaucht. An dieser Markierung wird er abgeschnitten. Wenn Sie anschließend noch die Ecken anschrägen, geht das Einfädeln in die Spirale später leichter von der Hand.

Jetzt wird es dunkel. Trotzdem müssen Sie beim Einspulen erkennen, wann eine Blendenreihe zu Ende ist und die nächste beginnt. Um die richtige Länge der Filmschnipsel ertasten zu können, bringen Sie am Tisch Ihrer Dunkelkammer mit Tesafilm zwei Streichhölzer oder etwas ähnliches im Abstand von 35 Zentimetern an - das entspricht neun Aufnahmen. Die ersten 35 Zentimeter werden im Dunkeln herausgezogen, abgeschnitten und in die Spirale der Entwicklungsdose eingespult. Packen Sie den Rest des Films in eine lichtdichte Filmdose. Die Entwicklungszeit eines Films sollte irgendwo im Bereich zwischen 3 und 20 Minuten liegen. Zeiten unter 3 Minuten lassen sich nicht hinreichend genau reproduzieren, Zeiten über 20 Minuten strapazieren die Nerven über Gebühr und weichen die Gelatine so stark auf, dass die Schicht leicht zerkratzt wird. Um nicht sämtliche Entwicklungszeiten durchtesten zu müssen, teilt man den Bereich in fünf Stufen auf: 3, 5, 8, 13 und 20 Minuten. Der Verlängerungsfaktor von einem Zeitwert zum nächsten ist dabei immer konstant, auch wenn die Abstände zwischen den einzelnen Zeiten unterschiedlich groß sind.

Mit drei Test-Entwicklungen umzingeln wir die richtige Entwicklungszeit. Bei der ersten Entwicklung können Sie den Bewegungsrhythmus noch frei wählen, legen sich damit für die weitere Verarbeitung jedoch fest. Ob Sie alle drei Sekunden kippen, alle dreißig Sekunden, dreimal zu jeder vollen Minute oder die Dose rotieren lassen, ist Ihre Sache - wichtig ist, dass Art und Intensität der Bewegung immer gleich bleiben. Ähnliches gilt für die Temperatur. Der Wert, den Sie beim ersten Durchgang wählen, muss in Zukunft auf ein halbes Grad genau eingehalten werden. Um einen ersten Anhaltspunkt zu haben, starten wir mit der mittleren Entwicklungszeit von acht Minuten. Nach dem Entwickeln wird wie üblich gestoppt, fixiert, gewässert und getrocknet. Danach nimmt der trockene Filmstreifen im Vergrößerer Platz, und ein Abbildungsmaßstab, der in etwa einer 18x24-Vergrößerung entspricht, wird eingestellt.

Dann tritt der Dichtemesser auf den Plan. Damit uns eventuelle Unregelmäßigkeiten in der Ausleuchtung des Bildfeldes nicht die Tour vermasseln, platzieren wir die Messsonde in der Mitte des Bildfeldes und lassen sie dort liegen. Stattdessen verschieben wir den Filmstreifen solange, bis ein unbelichteter Steg auf die Sonde fällt. Die Dichte dieses klaren Filmstücks entspricht dem Schleier - darauf wird das Densitometer genullt. Anschließend wird von jeder Aufnahme die Dichte des schwarzen Testtafelfeldes ermittelt. Das ist logischerweise im Negativ immer die hellste Graustufe der Reihe. Messen Sie für die beiden Negative, deren Werte am nächsten bei 0.10 liegen, auch noch die Dichte des dunkelsten Feldes, entsprechend dem Weiß der Vorlage. Dabei ist es wichtig, den Einfluss von Streulicht möglichst gering zu halten. Passen Sie ein gelochtes Stück Papier so in die Negativbühne ein, dass nur das weiße Testtafelfeld frei bleibt. Mit diesen Messwerten können Sie den Beta-Wert nach folgender Formel bestimmen (das klingt komplizierter, als es tatsächlich ist):

ß = (Dichteweiß - Dichteschwarz) / 1.6

Von diesem soeben ermittelten Beta-Wert hängt das weitere Vorgehen ab. Liegt der Acht-Minuten-Wert zwischen 0.50 und 0.75, dann sind Sie schon auf dem richtigen Dampfer. Entwickeln Sie die beiden nächsten Streifen fünf und dreizehn Minuten lang. Ist der Beta-Wert kleiner als 0.50, dann sind die Negative zu flau, und Ihre nächsten Entwicklungszeiten sind dreizehn und zwanzig Minuten. Ist Beta größer als 0.75, dann sind die Negative zu hart und Sie machen mit drei und fünf Minuten weiter. Verwenden Sie auf jeden Fall immer frischen Entwickler, auch wenn Sie dem alten durchaus noch ein paar Meter Film zutrauen. Nur so haben alle Streifen gleiche Startbedingungen.

Wenn selbst die Eckwerte aus der Reihe tanzen, müssen wir die Rahmenbedingungen ummodeln. Landet der Beta-Wert selbst nach drei Minuten Entwicklungszeit über 0.75, dann wird der Entwickler 1+1 verdünnt - oder 1+3, wenn 1+1 noch nicht genug war. Sind die Beta-Werte auch nach zwanzig Minuten noch zu niedrig, müssen wir den Entwickler konzentrierter ansetzen oder die Temperatur erhöhen. Bei 24 Grad entwickelt der gleiche Beta-Wert in nur 70 Prozent der Zeit, bei 28 Grad braucht er nur die halbe Zeit.

Mit den gemessenen Negativ-Dichten können Sie aber nicht nur Beta-Werte sondern auch die reale Empfindlichkeit des Films für Ihr Arbeitsschema errechnen: Überprüfen Sie zuerst, in welchem Negativ das schwarze Feld der Vorlage eine Dichte von 0.1 Einheiten über Schleier hat. Notieren Sie sich den entsprechenden Belichtungsart (zum Beispiel -0.5 Blenden) und suchen Sie aus der Tabelle am Ende den zugehörigen Empfindlichkeitswert Delta DIN. Bei -0.5 Blenden beträgt er +1.5. Diesen Wert müssen Sie mit der eingestellten Empfindlichkeit verrechnen - je nach Vorzeichen dazu addieren oder davon abziehen. Obwohl wir schwarzen Hintergrundkarton benutzen, wird unsere Messung noch von Streulicht beeinflusst. Die Rückeichung mit einem DIN-Sensitometer ergab einen Unterschied von etwa einem DIN - unabhängig von Film und Entwickler. Bei mehrschichtvergüteten Objektiven fester Brennweite ist es ein bisschen weniger, bei Zoomobjektiven oder Optiken mit nur einfacher Vergütung noch ein bisschen mehr. Dieses eine DIN ziehen wir bei der Berechnung der effektiven Empfindlichkeit gleich ab:

Nennempfindlichkeit - 1 DIN +- Delta DIN = effektive Empfindlichkeit

Das gleiche Spielchen machen wir für alle drei Belichtungsreihen. Die Beta-Werte und Empfindlichkeiten, die wir dabei zusammengetragen haben, werden in ein Beta-Zeit-Diagramm und ein DIN-Zeit-Diagramm übertragen. Dazu können Sie einfach die Grafiken aus dem Heft vergrößert kopieren und Ihre eigenen Werte einzeichnen. Jetzt brauchen Sie die einzelnen Punkte nur noch mit einer Linie zu verbinden, und Ihre Entwicklungskurven sind fertig. Aus dieser Kurve können Sie sofort ablesen, wie lange Sie entwickeln müssen, um einen bestimmten Beta-Wert oder eine gewünschte Empfindlichkeit zu erhalten. Suchen Sie sich auf der senkrechten Achse den gewünschten Wert, beispielsweise 0.55, und anschließend den entsprechenden Kurvenpunkt. Wenn Sie von diesem Kurvenpunkt aus senkrecht nach unten gehen, können Sie auf der horizontalen Achse die benötigte Entwicklungszeit ablesen. Runden Sie dabei auf eine halbe Minute. Die Daten, die Karl Neumaier nach diesem Testverfahren für die Kombination FP-4 Plus/ID-11 ermittelte, weichen weniger als fünf Prozent von den Werten ab, die das DIN-Sensitometer ausspuckt.

Blendenreihe

Vorwahl Blende 8 
Tats. Blende  Belichtung Delta DIN
      11-16     -1.5        +4.5
         11     -1.0        +3.0
       8-11     -0.5        +1.5
          8        0           0
      5.6-8     +0.5        -1.5
        5.6     +1.0        +3.0
       4-5.6    +1.5        +4.5

 

Vorwahl Blende 8-11

Tats. Blende Belichtung Delta DIN
         16    -1.5        +4.5
      11-16    -1.0        +3.0
         11    -0.5        +1.5
       8-11       0           0
          8    +0.5        -1.5
      5.6-8    +1.0        -3.0
        5.6    +1.5        -4.5

 

Rechenbeispiel

Aus den Dichtewerten des Negativs den Beta-Wert und die effektive Filmempfindlichkeit zu berechnen, ist keine Hexerei. Die Werte für diese Beispiel-Rechnung sind mit der Ilford-Kombination FP-4 Plus/ID-11 bei acht Minuten Entwicklungszeit, 20 °C und Ein-Minuten-Kipprhythmus gemessen.

Die Dichtewerte des schwarzen Testfeldes, die am nächsten bei 0.10 liegen, sind 0.07 für die Belichtungsstufe -0.5 und 0.13 für die Belichtungsstufe +-0. Für diese beiden Negative haben wir daher auch die Dichtewerte des weißen Testtafelfeldes ermittelt: 1.12 für -0.5 und 1.22 +-0. Setzt man diese Werte in die Formel (ß = (Dichteweiß - Dichteschwarz) / 1.6) ein, dann ergibt sich für den Belichtungswert -0.5:

ß = 1.12 - 0.07 / 1.6 = 0.66

und für den eingestellten Belichtungswert +-0

ß = 1.22 - 0.13 / 1.6 = 0.68

Gemittelt macht das einen Beta-Wert von 0.67. Auch die Filmempfindlichkeit lässt sich daraus errechnen. 0.1 Dichteeinheiten über Schleier werden im Negativ genau zwischen den Belichtungsstufen -0.5 (Dichte 0.07) und +-0 (Dichte 0.13) erzeugt. Die dazu gehörenden Empfindlichkeitswerte DDIN +1.5 und 0 mitteln sich zu +0.7. Die effektive Empfindlichkeit beträgt dann:

22 DIN - 1 DIN + 0.7 DIN = 21.7 DIN.

Wird statt acht Minuten nur fünf Minuten lang entwickelt, dann erreicht man die Dichte 0.1 über Schleier bei Belichtungsstufe +0.5 Blenden. Der zugehörige Empfindlichkeitswert DDIN ist -1.5 und die tatsächliche Empfindlichkeit

22 DIN - 1 DIN - 1.5 DIN = 19.5 DIN.

Der Nachteil der Schnelltestmethode liegt darin, dass Streulicht die dunklen Graustufen beeinflussen kann. Wir bauten daher einen Korrekturfaktor in die Formel ein. Doch ein solcher Korrekturfaktor ist natürlich nur ein Anhaltswert, der, je nach Ausrüstung und Beleuchtung, auch schon mal daneben liegen kann. Ein Beispiel mag das verdeutlichen: Nimmt man statt des schwarzen Hintergrundkartons einen grauen, dann wird die Empfindlichkeit drei bis vier DIN zu hoch beurteilt und der Betawert 30 Prozent zu niedrig. Ein weißer Hintergrundkarton führt zu noch stärkeren Abweichungen. Mit dem Schnelltest als Basis können Sie Ihre Werte auf den Punkt bringen.

 

Filmempfindlichkeit en detail

Wussten Sie, dass die DIN-Filmempfindlichkeit als der "zehnfache Wert des negativen dekadischen Logarithmus der Belichtung in Luxsekunden, die zu einer Dichte von 0.1 D über Schleier führt, wenn der Film zu einem Betawert von 0.62 entwickelt wird" definiert ist? Ist doch stark. Aber die Sache ist einfacher, als das wunderbare Sprachgebilde vermuten lässt - wenn man in etwa weiß, wie man seinen Film zu einem Betawert von 0.62 entwickelt. Und genau das verrät uns der Schnelltest.

Ganz ohne Theorie geht es dieses Mal nicht ab. Da auch der Betawert über die Filmempfindlichkeit definiert ist, machen wir uns die Mühe, trotz des abschreckenden Wortverhaues einmal einen genaueren Blick darauf zu werfen. Ein Punkt ist bei unserer Testerei von besonderer Bedeutung: Die Belichtung, die auf dem Film eine Dichte von 0.1 über Schleier erzeugt. Dieser Belichtungswert heißt Hmin. Belichtungsmesser messen nun aber bekannterweise nicht die Schatten im Bereich von Hmin, sondern mittlere Grautöne. Genau gesagt sind sie auf einen Belichtungswert HB geeicht, der zehnmal höher ist als Hmin, das heißt 10 DIN oder 3 1/3 Blenden über Schatten. Oder anders formuliert: Wenn man eine Graukarte um exakt 10 DIN oder 3 1/3 Blenden unterbelichtet, erzeugt sie auf dem Film eine Dichte von 0.1 über Schleier.

Nach soviel grauer Theorie können wir jetzt endlich loslegen. An Material brauchen wir nichts anderes als beim Schnelltest: Kamera, Vergrößerer, Entwicklungsdose, Dichtemesser, Film und Entwickler. Statt der Jobo Farbkarte kommt dieses Mal einfaches Papier vor die Linse. Am besten ist es, wenn Sie ein paar Bögen mit unterschiedlichen Grautönen zur Hand haben - beispielsweise gebleichtes und Recycling-Papier.

Laden Sie die Kamera genauso, wie es im letzten Teil beschrieben ist - markieren Sie den Filmanfang vernünftig und so weiter. Stellen Sie dann am Belichtungsmesser die Empfindlichkeit ein DIN höher ein, als der Vortest ergab. Warum das nötig ist? Wir müssen, um Hmin zu bestimmen, 3 1/3 Blenden unterbelichten. Da Drittelblenden aber nicht einzustellen sind, tricksen wir den Belichtungsmesser aus, indem wir ihn ein DIN höher einstellen. Das entspricht genau der drittel Blende.

Bringen Sie die Kamera so nahe an das Papier heran, dass das gesamte Bildfeld ausgefüllt ist. Die Vorlage muss gleichmäßig ausgeleuchtet sein, und die Kamera darf keinen Schatten darauf werfen. Gehen Sie ruhig nah heran - schließlich braucht ja nichts scharf gestellt zu werden. Wählen Sie die Belichtungszeit so, dass sich für die Blende der Wert 5.6 ergibt - aber bitte genau 5.6; keine Zwischenwerte. Tauschen Sie gegebenenfalls einfach die Vorlage aus oder verändern Sie den Abstand zur Vorlage.

Sogar mit der Auszugsverlängerung können Sie Feinarbeiten machen: Fokus auf unendlich erhöht die Lichtmenge gegenüber der Nacheinstellung. Nehmen Sie jetzt die Blendenreihe so oft auf, bis der Film voll ist. Die Reihe enthält Belichtung auf mittlere Dichte (HB), auf die Schatten (Hmin, minus drei Blenden) und auf die Lichter (H0, plus zwei Blenden). Entladen Sie die Kamera und schneiden Sie den Film wieder in 35 Zentimeter lange Streifen, so wie beim Vortest.

Suchen Sie sich aus Ihrem Beta-Zeit-Diagramm die zum gewünschten Betawert gehörende Zeit. In Mischschacht-Vergrößerern kommen Negative mit einem Betawert von 0.70 am besten, für die härter arbeitenden Kondensor-Vergrößerer genügt ein Beta von 0.55. Die ermittelte Zeit wird noch einmal um 25 Prozent verlängert (x1.25) und um 25 Prozent verkürzt (x0.75), so dass wieder drei Entwicklungsdurchläufe stattfinden. Wir entscheiden uns bei der Kombination FP-4 Plus/ID-11 für einen Beta-Wert von 0.60, die entsprechende Zeit sind 6.5 Minuten. Für die verkürzte und verlängerte Entwicklung ergeben sich dann 5 und 8 Minuten. Nach dem Eindosen wird der erste Streifen entwickelt. Halten Sie dabei die Temperatur und den Kipprhythmus ein, die Sie auch bei den Vortests verwendet haben. Stoppen, Fixieren, Wässern und Trocknen wie üblich.

Der Teststreifen kommt in die Negativbühne, die Bildgröße wird auf ungefähr 18x24 Zentimeter eingestellt und die Messsonde in der Bildmitte platziert. Zum Nullen muss der unbelichtete Bildsteg zwischen zwei hellen Negativen herhalten, danach werden die sieben Belichtungen durchgemessen. Genauso verfährt man mit den beiden anderen Teststreifen. Nullen Sie den Dichtemesser unbedingt für jeden Streifen auf den jeweiligen Schleier.

Das weitere Prozedere exerzieren Sie am besten anhand unserer Messwerte nach. Um die Filmempfindlichkeit zu berechnen, müssen wir aus der Datenliste die Belichtung heraussuchen, die eine Dichte von 0.1 über Schleier produziert hat. Bei der 5-Minuten-Entwicklung ist es das Feld S+, das einer Überbelichtung von einer halben Blende entspricht. Für die halbe Blende Überbelichtung müssen wir 1.5 DIN von der eingestellten Empfindlichkeit abziehen, die effektive Empfindlichkeit beträgt also 22 DIN - 1.5 DIN = 20.5 DIN.

Bei der 6.5-Minuten-Entwicklung liegt der Lichtwert für Dichte 0.1 zwischen den Feldern S und S+. Der DIN-Wert beträgt daher etwa -1 DIN und die Empfindlichkeit demzufolge 21 DIN. Bei der längsten Entwicklungszeit liegt die Dichte der Stufe S mit dem Korrektur +/- 0 am nächsten zu 0.1. Der Film weist hier also gute 22 DIN Empfindlichkeit auf.

Bleibt nur noch der Betawert zu berechnen, der uns Auskunft über den mittleren Bereich der Schwärzungskurve und damit über die Gradation gibt. Definiert ist der Betawert als Steigung zwischen Hmin und dem Punkt, der 32mal soviel Licht bekam. Dieser Punkt heißt H0 und liegt 1.5 logarithmische Einheiten rechts von Hmin, was genau einem Unterschied von fünf Blenden entspricht. Wir brauchen dazu nicht nur die Dichtewerte im Minimalbereich, sondern darüber hinaus auch noch die Maximaldichten. Die Steigerung und damit der Betawert berechnen sich hier aus der Formel

Betawert = (D0 - Dmin) / (H0 - Hmin) = Delta D / 1.5

Dabei ist Dmin der Dichtewert, der zur Lichtstärke Hmin gehört; entsprechend D0 die Dichte zu H0. Achten Sie darauf, dass Sie den korrekten D0-Wert nehmen. Fällt Hmin in Feld S+, dann muss zur Berechnung des Betawertes L+ herangezogen werden; fällt Hmin nach S, dann heißt der Partner L. Kommt Hmin in S- zu liegen, dann - richtig, nehmen wir auch L-. Für unsere 5-Minuten-Entwicklung rechnet sich - mit den Werten der Felder S+ und L+ - ein Beta von 0.83 - 0.10 / 1.5 = 0.49.

Die gleiche Formel ermittelt für die 6.5 Minuten-Entwicklung ein Beta von 0.62, und in 8 Minuten kommt ein Beta von 0.69 zustande. Eine Überprüfung mit dem DIN-Sensitometer zeigt: Die Werte sind nahezu identisch. So haben Sie Ihre Film-/Entwicklerkombination eingeeicht - punktgenau für Ihre individuellen Arbeitsbedingungen.

Blendenreihe

Dichte Blende Belichtg. Delta DIN
S-     16-22     -0.5      +1.5
S         16        0         0
S+     11-16     +0.5      -1.5
N        5.6
L-     2.8-4
L        2.8
L+     2-2.8

DIN und ASA

Hmin ist der Belichtungswert, der eine Dichte von 0.1 D über Schleier erzeugt, wenn zu einem Betawert von 0.62 entwickelt wird. Kennt man Hmin (Einheit Luxsekunden), kann man die Filmempfindlichkeit nach den beiden Standards DIN und ASA errechnen:

DIN = 10xlog (1/Hmin) ASA = 0.8/Hmin

Wegen der logarithmischen Beziehung erhöht sich der DIN-Wert bei Halbierung von Hmin um den Wert 3, während der ASA-Wert sich verdoppelt. Zwei Beispiele: Film 1 benötigt für eine Dichte von 0.1 über Schleier eine Belichtung von Hmin=1/500 Luxsekunde. Seine Empfindlichkeit beträgt daher:

10xlog (1 / 1/500) = 27 DIN oder 0.8 / 1/500 = 400 ASA

Film 2 erreicht die gleiche Dichte schon bei Belichtung mit 1/1000 Luxsekunde. Seine Empfindlichkeit rechnet sich daher so:

10xlog (1 / 1/1000) = 30 DIN 0.8 / 1/1000 = 800 ASA

Als Faustformel für die Umrechnung DIN-ASA kann man sich merken, dass 12 DIN auch 12 ASA entsprechen. Halbierung des Lichtwertes verdoppelt den ASA-Wert und erhöht den DIN-Wert um 3.

DIN   ASA     ISO
12     12    12/12°
15     25    15/25°
18     50    18/50°
21    100   21/100°
24    200   24/200°
27    400   27/400°
30    800   30/800°
33   1600  33/1600°
36   3200  36/3200°