Kolumne

Thomas Wollstein
Oktober 2004


…, innerhalb dessen ich mich fotografisch ausleben kann, ist in letzter Zeit enger geworden. Gleiches gilt für die Zeit, die zum Schreiben übrig bleibt. Sie werden das als Leser auch schon gemerkt haben, sowohl hinsichtlich der Länge meiner Artikel als auch hinsichtlich der fachlichen Tiefe. Ich hoffe, Ihnen aber trotzdem noch das eine oder andere Lesenswerte bieten zu können, und wenn ich Ihnen eines Tages nichts Neues mehr zu sagen habe, aber noch nicht mit dem Schreiben aufgehört habe, zwingt Sie ja keiner, diese Kolumne weiter zu lesen. Doch noch steht das Angebot.

Der „Rahmen“ in der Überschrift ist als Thema dieser Kolumne der Vergrößerungsrahmen.

Mein erster Vergrößerungsrahmen war einer für das Format 13x18 von Rowi, den ich mit einer Grundausstattung bekam, die aus einem soliden Meopta-Vergrößerer, drei Schalen 18x24, einer Tüte Fixiersalz (Die Veteranen unter Ihnen kennen Sie noch, die quadratischen gelb-roten Tüten) und einer Flasche Neutol NE sowie einer 100er-Packung TuraSpeed-Papier im sagenhaften Format 7x10 – cm wohlgemerkt! – bestand.

7x10 wurde mir schnell zu klein, und später auch 13x18. Lange Zeit habe ich danach ohne Vergrößerungsrahmen gearbeitet und randlos, zumeist auf gutmütigem, ohne weiteres Zutun hinreichend plan liegendem PE-Papier, vergrößert.

Danach kam, u.a. beeinflusst durch den Besuch einer Ausstellung von Henri Cartier-Bresson, eine Zeit, während der ich meinte, es gehe nichts über die Vergrößerung des gesamten Negativs einschließlich des unbelichteten (im Positiv dann schwarzen) Randes.

Damit haben wir die beiden wesentlichen Aufgaben eines Vergrößerungsrahmens auch schon erwähnt:

  • Er hält das Papier plan und
  • er definiert den Ausschnitt und liefert einen sauberen weißen Rand (ggf. um einen schwarzen Negativrand herum).

Für die, die dem Rotfilter zur Papierausrichtung nicht trauen, kommt noch

  • die Funktion des Platzhalters zum Einstellen hinzu, d.h. der Rahmen muss einigermaßen rutschsicher sein.

Das klingt einfach genug, und man sollte meinen, ein Zubehörteil, das das leistet, wäre für relativ kleines Geld zu bekommen.

Dem ist leider nicht so, wie man leicht feststellt, wenn man Kataloge wälzt und die Preise für Vergrößerungsrahmen anschaut. Woran liegt das? Schließlich handelt es sich doch nicht um ein feinmechanisches Produkt oder eines aus wertvollen Materialien.

Am besten verstehe ich noch, dass es relativ aufwendig sein könnte, verschiebbare Maskenbänder mit einer solchen Präzision zu fertigen, dass die Bänder immer – auch nach Jahren der Benutzung – senkrecht aufeinander stehen; denn das ist eine grundlegende Anforderung: Die Bildbegrenzung muss rechteckig, nicht schiefwinklig sein.

Aber ist das der Grund für die hohen Preise?

Es gibt schon eine Reihe von Leistungsmerkmalen bei zumeist teureren Vergrößerungsrahmen, die einem das Leben in der Duka erheblich erleichtern können. Dazu gehört z.B. eine Möglichkeit, den Rahmen in offener Stellung stehen lassen zu können und damit beide Hände zum Einlegen des Papiers frei zu haben.

Wie dem auch sei: Ein geiziger Freund, seines Zeichens bekannter Master-Printer, verwendet seit Jahren als Vergrößerungsrahmen Papprahmen. Er schneidet einen dreischenkligen Rahmen für das grundlegende Format. Den Ausschnitt legt er dann fest, indem er unter dem Vergrößerer schaut, was mit aufs Bild soll und was nicht und danach die vierte Seite nach genauer Nachmessung mit einem Tacker fixiert.

Ich fand die Idee zunächst angesichts des günstigen Preises brillant, musste allerdings schnell feststellen, dass sich bei dickerer Pappe an den Ecken durch unter den Rahmen fallendes Licht (Schließlich liegt irgendwo immer ein Schenkel des Rahmens auf einem anderen.) unschöne Effekte entstehen können. Dünne Pappe auf der anderen Seite hatte den Nachteil, dass sie so instabil war, dass die Handhabung wenig Spaß machte, weil ständig der Vergrößerungsrahmen verknickt war.

Ich habe die Idee für mich also schnell wieder ad acta gelegt und war wieder auf der Suche nach bezahlbaren Systemen. Dabei gelangte ich durch PHOTOTEC und eine Bekannte, die das ihren durchaus hochwertigen konventionellen Vergrößerungsrahmen bei ebay verscheuerte, nachdem sie einen Versamask-Rahmen ausprobiert hatte, irgendwann an Herrn Zöpfl und sein Produkt.

Das System ist schnell erklärt: Versamask besteht aus einem Grundbrett (in zumindest zwei verschieden großen Ausführungen) mit Bohrungen für Passerstifte und festen, d.h. unverstellbaren, pulverlackierten Stahl-Maskenrahmen, die auf dem Grundbrett durch je 8 Passerstifte festgehalten werden.

Das Fotopapier wird zwischen die Passerstifte gelegt und liegt dort unverrückbar. Dann wird darauf der Maskenrahmen gelegt, der dank seines hohen Gewichts auch störrisches Barytpapier hinreichend plättet. Ein Bild des Systems sehen Sie auf der Versamask-Homepage www.versamask.de.)

Wenn Sie sich wie ich in meiner Anfangszeit über die krummen Maßangaben auf den Fotopapierschachteln gewundert haben (Wer kommt schon auf 17.8 cm?): Die weitaus meisten Papierhersteller halten sich an das Zoll-System, und das auch sehr genau. Der Versamask ist darauf eingeschworen, d.h. die Bohrungen für die Passerstifte passen zu den üblichen Formaten. (Zu Ausreißern unten noch ein Wort.)

Die Vorteile eines solchen Systems sind klar:

  • Die Ränder sind auch nach Jahren der Nutzung immer noch präzise rechtwinklig, da keine Verschleißteile vorhanden sind.
  • Ausschnittposition auf dem Blatt und Rahmenbreite sind immer gleich, d.h. keine Abweichungen durch Verstellung oder Ungenauigkeiten beim Einlegen des Papiers.

Die Nachteile aber auch:

  • Geringe Flexibilität hinsichtlich Ausschnitt- und Papiermaßen, da Rahmenabmessungen und Bohrungsabstände fix sind. (Dazu aber unten noch mehr.)
  • Für jedes Format ein Rahmen nötig, das treibt die Kosten.
  • Sie brauchen Ablageplatz für die Rahmen.
  • Die Handhabung ist nicht ganz so bequem wie bei einem Vergrößerungsrahmen, der durch eine Gasfeder offen gehalten wird.

Da Herr Zöpfl so nett war, mir eine Test-Ausstattung zur Verfügung zu stellen, möchte ich Ihnen meine Erfahrungen mit dem Versamask-Vergrößerungsrahmen nicht vorenthalten.

Zunächst der allgemeine Eindruck: Alle Teile sind solide und präzise gearbeitet. Die Passerstifte weisen praktisch kein Spiel in den Bohrungen des Grundbretts und der Maskenrahmen auf. Das Grundbrett ist solide und schwer, was dazu führt, dass es ziemlich unverrückbar auf dem Grundbrett des Vergrößerers liegt. Leichtes Anstoßen birgt also nicht die Gefahr, dass der Ausschnitt nicht mehr stimmt.

Das Grundbrett ist mittel- bis dunkelgrau (etwa im Ton einer Graukarte) lackiert. Das macht es erforderlich, zur Scharfstellung und Ausschnittwahl ein weißes Blatt Papier aufzulegen. Es empfiehlt sich, dazu ein unentwickeltes, aber ausfixiertes und ausgewässertes Blatt Fotopapier im Zielformat zu nehmen, damit man es genau wie das nachher zu belichtende Blatt einlegen und mit dem Maskenrahmen abdecken kann. Nehmen Sie hierfür am besten PE-Papier, denn Barytpapier ändert mitunter bei der Nassverarbeitung durch Quellung seine Maße so sehr, dass es nicht mehr zwischen die Passerstifte passt.

Es gibt Leute, die behaupten, man solle sowieso immer nur auf ein Blatt Fotopapier fokussieren, um beim Scharfstellen die Papierdicke zu berücksichtigen. Aus meiner Sicht überschätzen diese Leute ihre Genauigkeit beim Scharfstellen. Es gibt auch Leute, die behaupten, der Vergrößerungsrahmen müsse mattschwarz lackiert sein, um eine Verschleierung des Papiers durch Reflexionen durchgetretenen Lichts zu vermeiden. Dazu habe ich in meinem Artikel vom September 2001 (Grauschleier) schon etwas gesagt.

Die Maskenrahmen sind schwarz lackiert und recht schwer. Es gibt sie in den verschiedensten Standardformaten ab 10/15 aufwärts, quadratisch, für schmale Ränder (5 mm, heißt hier NF für Normalformat) oder für Bilder, die nach der Klebebandmethode (oder meinem Klemmverfahren) getrocknet werden sollen (heißt hier Baryt), für quadratische Bilder (Mittelformat, heißt hier QF) und auch für verschiedene Platzierungen des Bildausschnitts auf dem Blatt (zentriert oder nach oben versetzt mit breitem weißen Rand, zentrisch oder nach oben versetzt; heißt hier Schmuckrand-Maske [SR]). Auf Wunsch werden auch gegen entsprechenden Aufpreis Masken nach Nutzerwünschen einzeln angefertigt.

Richtig schön für die Fans scharfer schwarzer Ränder ist, dass es auch Abdeckbleche gibt, die es gestatten einen schwarzen Rand einzubelichten. Dazu gibt es zu den Masken Abdeckbleche, die etwas kleiner sind als die Bildausschnitte der entsprechenden Maskenrahmen. Sobald man sein Bild belichtet hat, legt man das Abdeckblech in den Maskenrahmen und achtet darauf, dass es zunächst in der linken unteren Ecke gut anliegt. Dann schaltet man für einige Zeit das Raumlicht ein. Als nächstes legt man das Abdeckblech rechts oben an. Eine Darstellung des Verfahrens sehen Sie unter www.versamask.de/randtechn.htm

Der Versamask lässt sich auch für Kontaktkopien benutzen, siehe dazu www.versamask.de/kontaktkopie.htm

Bevor Sie sich noch fragen, warum ich nicht gleich den Artikel auf die Aussage „siehe www.versamask.de“ beschränke, noch ein paar Anmerkungen, die Sie dort nicht finden werden.

Kann man die Versamask verbessern?

Nachdem mir Herr Zöpfl ein Testset zur Verfügung gestellt hatte und ich es ausgiebig getestet hatte, kamen mir ein paar Anregungen für Verbesserungen:

Die Gummifüßchen des Grundbretts sollten aus meiner Sicht durch Gummileisten ersetzt werden. Warum? Ihr Abstand ist genau so groß, dass meinem Vergrößerer je nach Ausschnitt nicht mehr alle viere auf dem Grundbrett Platz finden. Dann steht der Rahmen nicht mehr horizontal. Das würde bei Gummileisten nicht passieren.

Anmerkung der Redaktion: die neueste Generation der Grundbretter besitzt statt der Füßchen diagonal aufgeklebte Moosgummistreifen.

Die Passerstifte sind aus mattglänzendem Stahl gefertigt. Da das Papier exakt an ihnen anliegt, kann es offenbar unter bestimmten Bedingungen – am ehesten bei der Schmuckranderzeugung mit Raumlicht – trotz der wirklich passgenauen Bohrungen im Maskenrahmen dazu kommen, dass sich im Bereich der Passerlöcher Lichteinbrüche ergeben, die winzige schwarze Flecken auf dem Papier hervorrufen. (Bei mir ist das nicht aufgetreten, wohl aber bei einer Bekannten – Danke für den Hinweis, Sandra.) Dem ließe sich durch Schwärzen der Stifte vorbauen.

Anmerkung der Redaktion: Seit Mitte 2005 werden mit der Versamask schwarz-verzinkte Stifte geliefert.

Schließlich noch ein paar Workarounds, um die Flexiblität des Systems zu erhöhen:

Abweichende Papierformate:

Forte-Papier, bei vielen wegen seines günstigen Preises und seiner guten Qualität sehr geschätzt, büxt aus dem Zoll-System aus. 24x30 ist bei Forte z.B. 24x31. Das ist aber kein Problem: einfach die Passerstifte an einer Langseite weglassen und dafür das Papier sorgfältig zwischen die verbleibenden 6 Stifte schieben. Sie haben dann auf einer Seite 1 cm mehr Rand, was aber kaum stören dürfte.

Weichen zwei Abmessungen des Papiers ab, kann man den Rahmen erfahrungsgemäß mit 4 Passerstiften (z.B. 2 oben und 2 rechts) immer noch einigemaßen verwenden, aber das macht wenig Spaß. Dann macht es bei hinreichend stabiler Vorliebe für ein solches Papier eher Sinn, sich einen Wunschrahmen anfertigen zu lassen (oder einen geschickten Menschen im Bekanntenkreis zu bitten, einen existierenden anzupassen).

Abweichende Wunschformate ohne Sondermasken:

Die Versamask eignet sich hervorragend für eine Kombination mit meinem eingangs erwähnten Passepartout-System. Wenn Sie sich aus dünnem schwarzen Fotokarton ein Passepartout schneiden, dessen Außenmaße genau dem verwendeten Papier entsprechen und das die kleinere Innenmaße aufweist als der Maskenrahmen, dann lässt sich ein solches Passepartout hervorragend auf das Papier und der schwere Maskenrahmen obendrauf legen. So können Sie beliebige leicht abweichende Formate erzeugen. Sie müssen nur genau genug schneiden können.

Herr Zöpfl wird mich sicher für diese Idee verfluchen und mir vorwerfen, die Ränder eines solchen Passepartouts seien nicht sauber genug, aber meine Erfahrung zeigt, dass bei guter Schnitttechnik und scharfem Messer ganz prima Ränder möglich sind.

Übrigens muss man gar nicht ganze Passepartouts schneiden: Man kann auch ein Rechteck aus Fotokarton schneiden, das unten an zwei Passerstiften anliegt und einen Teil des Bildausschnitts verdeckt und so den Rand an einer Seite (meist unten) vergrößert. Auf diese Weise lassen sich mit einer Grundausstattung von Versamask-Maskenrahmen auch ziemlich ausgefallene Formate erzeugen.

Fazit

Ich komponiere meine Bilder mit der Kamera vor dem Auge, was bedeutet, dass ich in den allermeisten Fällen sowieso das ganze Format auf dem Papier sehen will. Nur in den Fällen, wo ich in der Standortwahl nicht frei bin und dann doch am Rand Details ausblenden möchte, brauche ich die beschriebenen Abdeckpappen aus Fotokarton. Von daher kann ich gut mit festen Maskenmaßen leben. Mein Eindruck ist, dass ich da nicht allein bin, sondern dass viele Fotografen eine starke Präferenz für bestimmte Formate haben und nicht von Bild zu Bild wechseln. Dann ist die Versamask ideal.

Der Versamask ist nicht die konkurrenzlos billige Lösung aller Probleme – jedenfalls dann nicht, wenn man sich für alle denkbaren Fälle ausrüsten will. Er kann eine recht kostengünstige und dabei doch noch flexible Sache sein, wenn man eine Grundausstattung anschafft und mit Fotokarton nach Bedarf ergänzt.

Die Lage ist ernst – aber nicht hoffnungslos!

Kaum hatte ich meinen Test abgeschlossen (das war schon im Frühjahr der Fall), da teilte mir Herr Zöpfl mit, dass er die Herstellung des Versamask demnächst aus gesundheitlichen Gründen einstellen wolle. „Sch…!“ , dachte ich, „Da findet man mal eine Sache, die man guten Gewissens empfehlen kann, und dann gibt’s ausgerechnet die nicht mehr.“ Inzwischen gibt es im Wesentlichen noch Restbestände vom Versamask. Aber es scheint, die Lage ist nicht hoffnungslos: Heiland electronic hat seine Bereitschaft erklärt, das System zukünftig zu fertigen. Es sind noch nicht alle Fragen geklärt und es wird sicher nicht sehr schnell möglich sein, die Fertigung wieder aufzunehmen. Rechnen Sie also bitte mit einer "Versorgungslücke" in den nächsten Monaten. Vertrieben wird das System auch zukünftig exklusiv von PHOTOTEC.

Anmerkung der Redaktion: Versamask seit Ende 2010 eingestellt (Versamask)

Zu guter Letzt möchte ich Herrn Zöpfl danken, dass er mir angeboten hat, meine Testausstattung bei Nichtgefallen zurückzunehmen und mir, als sie mir doch gefiel, einen recht günstigen Preis angeboten hat, ohne zu wissen, was ich schreiben würde und obwohl ich die zuvor verabredete Leihfrist weit überschritten hatte. Er hat mich zu keiner Zeit in irgendeiner Weise beeinflusst, sondern schien auf meine Meinung, sei sie nun positiv oder negativ, einfach nur neugierig.