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Karl Neumeier


Auch die klassischen Blau- und Grüntoner eignen sich nicht für alle Papiere im gleichen Maß. Die meisten Anleitungen basieren auf Ammoniumeisen (III)-Zitrat. Dieses Salz der Zitronensäure reagiert mit Kaliumhexacyanoferrat (Rotes Blutlaugensalz) und metallischem Eisen zu einem blauen, unlöslichen Eisensalz. Man kann jeder Eisenbehandlung noch ein Boraxbad nachschalten. Das klärt die Lichter, greift jedoch bei längerer Dauer auch das Blau an. Ammoniumeisen (III)-Zitrat ist lichtempfindlich und sollte deshalb in Braunglas-Flaschen lagern.

 

Empfindliche Lösungen

Blau- und Grüntoner sind empfindlich: Kommen sie mit Laugen zusammen, dann verschwindet das Blau. Abhilfe: Die Lösungen werden mit destilliertem Wasser angesetzt. Manche Autoren empfehlen sogar, ein paar Tropfen Essigsäure ins Waschwasser zu kippen, da sonst die Blaufärbung wieder verschwindet. Vermutlich aber ist unser Leitungswasser heutzutage sauer genug ist, um eine solche Reaktion auszuschließen. Bei unseren Versuchen kamen wir ohne Essigsäure aus.

Vor dem Tonen werden die entwickelten SW-Bilder getrocknet. Die Tonung muss ausgesprochen exakt ablaufen: Es darf immer nur ein Bild in der Schale lagern, mit der Schicht nach oben bei ständiger Bewegung. Das Bild muss nach der Tonung sofort fließend gewässert werden. Dabei dürfen die Papiere nicht übereinander liegen - am besten wässert man jedes einzeln. Beim Wässern in einem älteren Bilderwascher mussten wir leider erleben, dass sich das Kunststoff-Gitter wegen ungleichmäßiger Verwirbelung auf manchen Papieren abzeichnete. Diese Gefahr besteht bei allen eher unstabilen Mitteln für Rot, Grün und Blau.

Die Blautoner hinterlassen deutliche Spuren auf Händen, Wannen und Laboreinrichtung. Also legt man großzügig Zeitungen aus, arbeitet mit Handschuhen und Edelstahlzangen. Die Laborschale muss man sehr gründlich mit der Wurzelbürste reinigen - dennoch eignet sie sich nach dem ersten Tonen für nichts anderes mehr. Wichtig ist gute Belüftung, Beschriften kann man alles mit einem weichen Bleistift. Die meisten Toner wirken kontrastverstärkend; das muss man schon bei der vorhergehenden Vergrößerung des SW-Prints mitbedenken. Die Grüntonung ist im Prinzip eine Blautonung, der eine Braun- oder Sepiatonung folgt.


 

Rezepturen für Blau- und Grüntoner

Eisenblau-Toner Ansco 241

Wirkung: Sehr kräftiges Blau, besonders PE wird härter. Das Blau läuft auch in den weißen, unbelichteten Bildrand. Für Warmton-Papiere wie Portriga oder Record Rapid von Agfa nicht zu empfehlen, da die Bildweißen hier sehr stark angetont werden.

Papier-Tipp: Ilfobrom Galerie, Kodak Elite (weicher, gelblicher). Bei anderen Papieren werden Weißen etwas gelb.

Wasser (50°) 500 ml
Ammoniumeisen(III)-Zitrat, grün 8 g
Essigsäure 98% 242 ml
Wasser (20°) auf 1000 ml

Der Ansatz riecht stark, die Tonung dauert ein bis zwei Minuten. Die ungefähr ein- bis eineinhalbminütige Nachbehandlung in Boraxlösung 0.5 Prozent macht das Blau wesentlich kälter, und die Weißen klären sich etwas. Bei zu langer Behandlung mit Borax geht das Blau fast völlig verloren, die Prints bleichen aus.

 

Eisenblau-Toner Kodak T-12

Wirkung: Kräftiges Blau, das bei einer Reihe von Papieren leicht grünlich-schmutzig wirkt. Das Bild wirkt etwas blasser als bei Ansco 241, die Bildweißen werden aber auch nicht so stark angefärbt.

Papier-Tipp: Alle Papiere eignen sich.

Wasser (50°) 500 ml
Ammoniumeisen(III)-Zitrat, grün 4 g
Rotes Blutlaugensalz 4 g
Oxalsäure 4 g
Wasser (20°) 1000 ml

Die Tonung dauert zwei bis drei Minuten. Bei Nachbehandlung mit 0.5 prozentiger Boraxlösung nehmen die Bilder einen sehr schönen, kühlen Ton an, der jedoch nicht haltbar ist - in der nachgeschalteten Wässerung entfärbt sich das Papier.

 

Eisenblau-Toner Ilford IT-6

Wirkung: Kräftiges kühles Blau, Gradation steilt auf.

Lösung A:

Wasser (50°) 750 ml
Rotes Blutlaugensalz 2 g
Schwefelsäure (98%) 4 ml
Wasser auf 1000 ml

Lösung B:

Wasser (50°) 750 ml
Ammoniumeisen(III)-Zitrat, grün 2 g
Schwefelsäure, konz. 4 ml
Wasser auf 1000 ml

Zum Gebrauch werden beide Lösungen zu gleichen Teilen gemischt. Die Tonung dauert bei 30°C rund drei bis vier Minuten. Nie Wasser in die Säure gießen, sondern stets die Säure in ein Wassergefäß geben!

 

Eisenblau-Toner Gevaert G.416

Wirkung: Sehr weiches, schönes Blau, das sich nicht in die weißen Bildränder hin ausdehnt.
Papier-Tipp: Alle anderen Papiere außer Agfa Multicontrast 310 RC, bei dem das Papierweiß gelb wird.

Bleichbad

Wasser (20°) 750 ml
Ammoniak, konz. 0.910 (25%) 3 ml
Rotes Blutlaugensalz 50 g
Wasser auf 1000 ml

Toner

Wasser 750 ml
Ammoniumeisen(III)-Zitrat, grün 20 g
Salzsäure, konz. 50 ml
Wasser auf 1000 ml

Zuerst wird drei bis fünf Minuten gebleicht, dann fließend gewässert, bis die gelbliche Färbung verschwunden ist. Die anschließende Tonung dauert bei den Barytpapieren drei bis fünf Minuten und bis zu zehn Minuten bei PE-Material.

 

Grüntoner zur Nachbehandlung

Wirkung: Kräftige olivgrüne Töne.
Papier-Tipp: PE-Papiere tonen unvollständig und wirken damit fleckig.

Wasser (20°) 750 ml
Natriumsulfid, krist. 10 g
Salzsäure, konz. 50 ml
Wasser auf 1000 ml

Der Farbumschlag nach Grün setzt sofort ein und ist nach 20 bis 30 Sekunden beendet.

 

Eisengrün-Toner Ansco 251

Wirkung: Ein blasses Grün bis Blaugrün.
Papier-Tipp: Kodak Elite, Ilfobrom Galerie. PE-Papiere werden etwas fleckig.

Bleichbad

Wasser (20°) 750 ml
Ammoniak, konz. 0.910(25%) 15 ml
Rotes Blutlaugensalz 40 g
Wasser auf 1000 ml

Blautoner

Wasser 750 ml
Ammoniumeisen(III)-Zitrat, grün 17 g
Salzsäure, konz. 40 ml
Wasser auf 1000 ml

Grüntoner

Wasser 750 ml
Natriumsulfid, krist. 2 g
Salzsäure, konz. 10 ml
Wasser auf 1000 ml

Nach zwei bis dreiminütigem Bleichen wird 20 bis 30 Minuten fließend gewässert. Anschließend kommt das Blatt drei bis fünf Minuten in den Blautoner, wird danach wieder 15 bis 20 Minuten unter fließendem Wasser gewässert und schließlich drei bis sechs Minuten grün getont. Die Schlusswässerung dauert 20 bis 30 Minuten.