Kolumne

Kleine Tipps, die das (fotografische) Leben erleichtern

Teil 2: Bei der Verarbeitung und Entwicklung


Thomas Wollstein
Dezember 2003


Polyesterfilme reißen nicht!
Als ich meinen ersten MACO CUBE 400c entwickelte, gab es beinahe eine Katastrophe: Wie üblich hatte ich die Filmzunge im Hellen abgeschnitten und den Filmanfang von Ecken befreit (siehe Grauschleier). In den Wechselsack kamen dann ein Flaschenöffner zum Knacken der Patrone, der Tank und die Spirale. Das Einspulen verlief auch ganz ordentlich. (Da ist Polyester nach meinen Erfahrungen viel gutmütiger als Triazetat.) Dann vorsichtig fühlen, ob am Ende Klebeband sitzt oder der Film in den Spulenkern eingehängt ist. CUBE ist eingehängt. OK. Wie üblich wollte ich ihn vorsichtig abreißen. Da hatte ich mit Zitronen gehandelt! Der ließ sich einfach nicht abreißen. Und eine Schere in den Wechselsack holen war jetzt auch nicht mehr drin, da der Film schon aus der Patrone raus war. Da fiel mir dann auch wieder eine Geschichte aus der Praxis der Verkehrspolizei ein, die ein Bekannter mir erzählt hatte, und die ich unter dem Stichwort Fotografenlatein verbucht hatte. Er hatte behauptet, Kollegen hätten in Ermangelung eines Abschleppseils mithilfe eines Verkehrsüberwachungsfilms auf Polyesterträger ein Auto abgeschleppt. Ich hatte das damals als Blödsinn abgetan, aber es wurde plötzlich erheblich glaubhafter. Sei es nun wahr oder nicht: Ich habe den Film mit viel Mühe abdrehen können und hatte auch das Glück, dass das letzte belichtete Bild noch reichlich vor dem Filmende lag. So wurde es nicht durch meine Fingerabdrücke versaut.

Fazit 1: Bei Filmen mit PET-Träger sollten Sie eine Schere mit in den Wechselsack nehmen.

Fazit 2: Wenn Sie einen PET-Film in der Kamera haben, transportieren Sie NIE mit Gewalt. Der Film hält, die Kamera muss dann Ihre ganze Kraft ertragen, was nicht jede verträgt.

Der Widerspenstigen Zähmung: Planlage von Polyesterfilmen

Filme auf Polyesterbasis – das wurde an anderer Stelle schon erläutert – sind mechanisch wie chemisch haltbarer als solche auf Triazetatbasis. Die Kehrseite ist, dass solche Filme auch wirklich widerspenstig sein können. Wenn Polyester einmal eine Krümmung hat, neigt es dazu, diese zu behalten. Haben Sie also Ihren Kodak HIE, MACO CUBE 400c, Agfa Copex Rapid oder Kodak Imagespeed HQ ähnlich endlich entwickelt und ausgewässert und zum Trocknen über Nacht aufgehängt, finden Sie am nächsten Morgen in der Duschkabine etwas vor, das stark an einen Fliegenfänger erinnert: Der Film hängt da, zusammengezogen wie ein Korkenzieher. Wie schlimm es wird, hängt noch ein bisschen vom Film und den Trocknungsbedingungen (Temperatur, Restfeuchte) ab.

Bei polyesterbasierten Filmen ist es mehr als nur empfehlenswert, beim Trocknen das untere Ende des Films mit einem schweren Clip zu versehen. Dass der Film reißt, brauchen Sie eigentlich nicht zu befürchten, wenn Sie es vermeiden, zum Aufhängen perforierende Klammern zu verwenden. Hängen Sie dagegen den Film mit einer nur klemmenden Klammer sicher auf, können Sie erstaunliche Gewichte daran aufhängen. (Siehe Schleppseil-Anekdote oben.) Sie brauchen es aber nicht zu übertreiben. Hängen Sie nur eine nicht zu leichte Klammer daran, die verhindert, dass der Film sich beim Trocknen aufrollt. Mehr ist vermutlich nicht wirklich nützlich. Der Film wird vermutlich auch nach einer solchen "Hängepartie" immer noch nicht völlig plan liegen, v.a. neigt er in der Wärme eines Leuchttischs wieder zum Aufrollen.

Völlige Planlage erreicht man auch bei Polyesterträgern ohne Probleme, wenn die Filme zusätzlich zur Emulsionsschicht eine so genannte NC-Schicht (NC = non-curling) auf die Rückseite gegossen bekommen. Dass das nicht durchgängig passiert, liegt an zweierlei:

  1. sind die meisten Polyesterfilme (noch) etwas abartige Spezialitäten, die nicht für "normale" Fotografen bestimmt sind (etwa Mikrofilme und IR-Filme), sondern für besondere Anwendungen wie Verkehrsüberwachung (Starenkästen), Mikroverfilmung von Dokumenten, Luftaufklärung usw. Dabei ist die beschriebene Neigung des Films nicht von Bedeutung, aber die Stabilität des Polyesterträgers für die durchgängig maschinelle "Handhabung" des Films und die Archivierung unverzichtbar.
     
  2. kostet so ein zusätzlicher Guss fast genau dasselbe wie der Guss der eigentlichen lichtempfindlichen Schicht. Wer also nach plan liegendem Polyesterfilm ruft, muss ggf. bereit sein, diesen auch zu bezahlen, und das tun wir Fotografen nicht gerne.

Einen deutlichen Einfluss auf die Bockigkeit von Polyesterfilmen haben lt. MACO-Pressemitteilung die Netzmittel: Derzeit sollen nur zwei Netzmittel für Polyesterfilme optimiert sein und die Planlage unterstützen, und zwar LP-MASTERPROOF und Kodak Photo Flo. Denken Sie aber daran, dass beim Netzmittel nicht nach der Devise verfahren werden sollte: "Viel hilft viel." (Siehe auch Trocknen von Filmen) Ich selbst habe recht positive Erfahrungen mit Agfa Agepon gemacht.

Kaffee muss sich setzen – Pulverentwickler auch!
Die Antwort auf die alte Scherzfrage "Wer hat es bequemer: der Kaffee oder der Tee?" lautet bekanntlich "Der Kaffee, denn er darf sich setzen, während der Tee ziehen muss." Gleiches gilt bei Entwicklern, die Sie aus Pulver ansetzen:

Wer Pulverentwickler gleich verwendet, wenn er klar aussieht, sollte mit Überraschungen aller Art rechnen, zumindest aber mit punktförmigen Entwicklungsfehlern. Pulverentwickler sollte man in aller Regel nach dem kompletten Auflösen der Chemie, wenn er schon richtig schön klar aussieht, vor der Benutzung ein paar Stunden stehen lassen, am besten über Nacht. Erst dann ist man einigermaßen sicher, dass keine nicht aufgelösten Kristalle mehr drin suspendiert sind, die die besagten Pünktchen hervorrufen.

Überhaupt nicht empfehlenswert ist es, diesen Prozess durch langes und heftiges Rühren mit einem Magnetrührer oder einer ähnlichen Vorrichtung – oder noch schlimmer: durch Schütteln – beschleunigen zu wollen. Dabei wird so viel Luft in innigen Kontakt mit dem Entwickler gebracht, dass eine Menge Entwicklungsagenz oxidiert wird.

Vorrat von Wasser bei Raumtemperatur
Für die Vorwässerung, Entwicklung und das Wässern nach der Ilford-Methode benötigt man Wasser bei Raumtemperatur. Aus der Leitung kommt aber i.d.R. Wasser, dessen Temperatur im Jahreslauf zwischen 4 °C und 18 °C schwankt. (Mehr als 18 °C hatte ich selbst dieses Jahr nicht.) Aber die Temperatur der häuslichen Umgebung ist, von gelegentlichen Ausnahmen einmal abgesehen, in unseren Breiten doch recht konstant im Bereich um 20 °C. Was liegt also näher, als sich am Vorabend einer Entwicklungs-Session einen Kanister Wasser in die Ecke zu stellen? Am nächsten Abend haben Sie dann Wasser bei nahezu 20 °C, für alle Zwecke außer der Entwicklung selber jedenfalls hinreichend genau.

Wenn Sie nicht am Vorabend an die Bereitstellung denken möchten, empfiehlt es sich, immer einen Vorrat zu halten. Damit das Wasser nicht veralgt, ist ein lichtundurchlässiger Kanister empfehlenswert. Sollten Sie einen luxuriösen Metallbehälter nutzen, achten Sie darauf, dass es Edelstahl ist, damit sich keine Metallionen im Wasser lösen. Diese könnten insbesondere bei Verwendung des temperierten Wassers für Entwickleransätze zu unerwarteten Resultaten führen.

Entwicklung bei höheren oder tieferen Temperaturen
Manche Entwickler sind für höhere Temperaturen als 20 °C formuliert. Ein solches Beispiel ist LP-CUBE XS, der zwar herausragende Resultate bei Schärfe und Körnigkeit bringt, aber leider nur bei 24 °C und dann auch noch mit langen Entwicklungszeiten verarbeitet werden soll. Da wie oben erwähnt unsere gute Stube meist nur eine Umgebungstemperatur von 20 °C aufweist, sehen sich viele Fotografen, die nicht im Besitz eines temperierbaren Prozessors sind, außer Stande, solche Entwickler auszuprobieren.

Haben Sie einmal ausprobiert, wie lange es dauert, bis sich 1 l Wasser von anfänglich 24 °C in einer Umgebung mit 20 °C messbar abkühlt? Ich habe vor nicht allzu langer Zeit eine alte Kunststoff-Teigschüssel halb mit 24-grädigem Wasser gefüllt und das als Mantelbad für einen JOBO-Kipptank genutzt. Über die Entwicklungszeit von fast 30 min betrug die Abkühlung weniger als ¼ Grad! Damit kann man leben.

Sie sollten

  • zur Verbesserung der Isolation lieber Kunststoffbehälter als Metallbehälter für das Mantelbad nutzen; ganz hervorragend sind Hartschaum-Elemente (besser bekannt als Styropor™), wie sie auch zur Verpackung verwendet werden. 
     
  • für eine möglichst innigen Kontakt zwischen Mantelbad und Tank und für eine kompakte Form des Mantelbades sorgen, also nicht den Tank in eine flache Schale mit Wasser stellen. Bei einer solchen Konfiguration steht der größte Teil der Außenfläche des Tanks "im Freien" und wird nicht temperiert, und das Wasser hat eine große Grenzfläche zur kälteren Umgebung, kühlt sich also schneller ab.
     
  • ein nicht zu kleines Volumen nutzen. Bei größeren Volumina ist die Trägheit größer, und das Verhältnis von Oberfläche (Wärmeabgabe an die Umgebung) zu Inhalt (Trägheit) ist günstiger. 500 ml erscheinen mir ein vernünftiges Minimum für einen JOBO-Tank für zwei Filme.
     
  • Natürlich funktioniert so ein Mantelbad auch zum Kühlen, wenn z. B. wie in diesem Sommer die Raumtemperatur ungemütlich hoch wird und die Entwicklungszeit schon bei 20 °C nur 5 min betrug.

Man kann natürlich auch mit Mut zum Risiko einfach den Entwickler etwas wärmer (kälter) als auf Solltemperatur in den nackten Tank füllen. Nach der Entwicklung ist er dann etwas kälter (wärmer), und die beiden entgegengesetzten Abweichungen gleichen sich hoffentlich aus. Das wird noch in einigen Büchern aus meiner fotografischen Anfangszeit empfohlen. Dazu müsste man aber ausprobieren, wie groß die Abkühlung/Erwärmung von z. B. 500 ml Entwickler über die gewünschte Zeit ist. Erwärmt sich der Entwickler bei 30 °C Außentemperatur innerhalb der Entwicklungszeit um 2 °C ab, müsste es gut hinkommen, wenn ich ihn statt mit 20 °C mit 19 °C in den Tank kippe. Dann müsste er ziemlich genau mit 21 °C herauskommen. Aber in der Zeit, die ich brauche, um das herauszufinden und die Lösung auf 19 °C zu temperieren, habe ich auch ein Mantelbad mit 20 °C angesetzt.

Knapp daneben: Entwicklungszeiten bei geänderter Temperatur
Ilford-Datenblätter sind zwar insofern vorbildlich zu nennen, als man dort genaue Anweisungen findet, wie die Entwicklungszeiten anzupassen sind, wenn man einmal nicht bei 20 °C entwickeln kann, doch finde ich die in den Datenblättern im Format einer Luxus-Briefmarke gedruckten Grafiken nicht nur wegen ihrer Größe furchtbar ungenau, sondern auch extrem anwenderunfreundlich. Dazu noch das "Loch" in der Grafik zwischen 6 und 8 sowie 8 und 10 Minuten...

Einfacher macht es eine Tabelle, wie ich Sie ihnen nachfolgend angebe. Die Quelle zu dieser Tabelle stammt, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, auch von Ilford. Ich habe Sie vor Jahren im Internet gefunden und von Grad Fahrenheit in Grad Celsius umgerechnet. Die Werte sind daher leicht gerundet.

In der Literatur (z. B. Haist, Modern Photographic Processing, oder Mason, Photographic Processing Chemistry) wird angegeben, dass nicht für alle Film/Entwickler-Kombinationen dieselbe Funktion für die Umrechnung von Soll-Temperatur auf Ist-Temperatur verwendet werden kann. Es werden aber mehr oder minder komplizierte Formeln angegeben, die oft funktionieren sollen. In meiner praktischen Erfahrung hat sich die nachfolgende Umrechnungstabelle (Sie hängt bei mir im Bad an der Wand.) verlässlich brauchbare Resultate liefert. 
Die Tabelle benutzen Sie so: Suchen Sie sich in der Kopfzeile die Spalte mit der Soll-Temperatur (meist 20 °C), für die die Entwicklungszeit gilt. Wandern Sie in der Spalte nach unten, bis Sie zu der entsprechenden Zeit kommen. Gehen Sie dann seitwärts bis in die Spalte der tatsächlichen Temperatur. Die Zeit, die Sie dort finden, ist die angepasste.

 

18 °C 19 °C 20 °C 21 °C 22 °C 24 °C
5 4 1/2 4 3 1/2 3 1/4 2 1/2
5 1/2 5 4 1/2 4 3 3/4 3
6 5 1/2 5 4 1/2 4 3 1/4
6 1/2 6 5 1/2 5 4 1/2 3 1/2
7 1/4 6 1/2 6 5 1/2 5 4
8 7 1/4 6 1/2 6 5 1/4 4 1/2
8 3/4 7 3/4 7 6 1/2 5 3/4 5
9 1/4 8 1/4 7 1/2 6 3/4 6 5 1/4
9 3/4 8 3/4 8 7 1/4 6 1/2 5 1/2
10 1/2 9 1/2 8 1/2 7 3/4 7 6
11 1/4 10 9 8 7 1/4 6 1/4
11 3/4 10 1/2 9 1/2 8 1/2 7 3/4 6 1/4
12 1/2 11 1/4 10 9 8 7
13 11 3/4 10 1/2 9 1/2 8 1/2 7 1/4
13 3/4 12 1/4 11 10 9 7 1/2
14 1/4 12 3/4 11 1/2 10 1/2 9 1/4 8
14 3/4 13 1/4 12 10 3/4 9 3/4 8 1/4
15 1/4 13 3/4 12 1/2 11 1/4 10 8 3/4
16 14 1/2 13 11 3/4 10 1/2 9
16 3/4 15 13 1/2 12 11 9 1/4
17 1/4 15 1/2 14 12 1/2 11 1/4 9 3/4
17 3/4 16 14 1/2 13 11 3/4 10
18 1/2 16 3/4 15 13 1/2 12 1/4 10 1/2
19 1/4 17 1/4 15 1/2 14 12 3/4 10 3/4
19 3/4 17 3/4 16 14 1/2 13 11
20 1/2 18 1/2 16 1/2 14 3/4 13 1/2 11 1/2
21 19 17 15 1/4 13 3/4 11 3/4
21 3/4 19 1/2 17 1/2 15 3/4 14 1/4 12
22 1/4 20 18 16 1/4 14 1/2 12 1/2
22 3/4 20 1/2 18 1/2 16 3/4 15 12 3/4
23 1/2 21 19 17 1/4 15 1/2 13 1/4
24 1/4 21 3/4 19 1/2 17 1/2 16 13 1/2
24 3/4 22 1/4 20 18 16 1/4 13 3/4

Beispiel: 
Solltemperatur: 20 °C, Entwicklungszeit bei 20 °C: 11 min
Tatsächliche Temperatur: 19 °C, korrigierte Entwicklungszeit: 12 min 15 s

Dass zumindest bei intermittierender Bewegung eine Entwicklung bei 24 °C nicht einfach durch einen Faktor auf 20 °C umgerechnet werden kann, wird leicht klar: Durch die Veränderung der Zeit verändert sich bei Entwicklung hier das Verhältnis der Zeiten, während derer der Film bewegt wird und während derer er ruht. Der Unterschied ist allerdings kein großer, und ich würde annehmen, dass dieser Effekt nur bei kurzen Zeiten und seltener Bewegung eine wesentliche Rolle spielt.

Leichte Abweichungen sind aber immer drin, und ob die nun auf eine nicht ganz exakte Temperaturanpassung zurückzuführen sind oder auf die vorstehend beschriebenen Einflussgrößen, wird schwer zu klären sein. Wenn Sie also 100%ig reproduzierbare Resultate brauchen, bleibt Ihnen nur übrig, für 100%ig identische Bedingungen zu sorgen, also erforderlichenfalls zu kühlen oder zu heizen.

Verwenden Sie solche Tabellen nicht für beliebig große Korrekturen. Sie sollten also nicht mit einer solchen allgemeinen Tabelle von 24 °C auf 18 °C korrigieren (oder zumindest nicht erwarten, dass die Resultate stimmen), nur weil die Tabelle das hergibt. Tabellen, Formeln und auch Faktoren sind Näherungen, die nur für kleine Korrekturen gelten.

Luftoxidation von Entwickler
Zwar halte ich persönlich nicht viel von mehrfach zu nutzenden Entwicklern, speziell dann nicht, wenn man nur einen geringen Durchsatz hat, aber manch einer will aus diesem oder jenem Grund nicht von seiner Lieblingssuppe lassen. Für leber- und geschmacksbewusste gibt es so genannte Wine Saver®, Gummistopfen und zugehörige kleine Handpumpen, mit denen man Flaschen evakuieren kann. Dasselbe kann man auch mit Entwicklerflaschen machen, vorausgesetzt, die Flaschen sind aus Glas (Kunststoff beult sich unter dem Außendruck zusammen, wenn die Flasche evakuiert wird und ist zudem erstaunlich gasdurchlässig.) und der Stopfen passt. Von der Benutzung von Weinflaschen als Chemikaliengefäße rate ich ab. Aus gutem Grund ist die Lagerung von Chemie in Lebensmittelgefäßen eine ganz miese Praxis. Es gibt auch Glasflaschen, bei denen keine Verwechslungsgefahr besteht und in die die Stopfen passen.

Fixierbad-Recycling
Bei den Kapazitäten von Fixierbädern fällt auf, dass die Grenzwerte für den höchstzulässigen Silbergehalt bei Papierbädern viel niedriger liegen als bei Filmbädern (siehe z..B. Fixierbad). Man kann daher Bäder, die für Papier nicht mehr brauchbar sind, für Filme noch eine Weile nutzen. Ich empfehle das allerdings nur für das erste Bad einer Zweibad-Kaskade!

Niemals sollten Sie aber auf den Gedanken kommen, angebrauchtes Filmbad für Papier zu benutzen, selbst dann nicht, wenn der Silbergehalt noch gering ist. Warum nicht? Viele Filme, insbesondere solche mit Flachkristallen (Kodak T-max, Ilford Delta) und höherer Empfindlichkeit, enthalten Jodid. In dem vorstehend zitierten Artikel habe ich erläutert, wie Jodid den Fixierprozess behindert. Bei Papier können Sie nicht wie bei Film auf einfache Weise die Klärzeit bestimmen und so merken, dass ein Bad vielleicht trotz geringen Silbergehaltes (wg. hohen Jodidgehaltes) jenseits seiner Kapazitätsgrenze angekommen ist.

Film-Klebeband: Knibbeln, nicht reißen

Manche KB-Filme sind mit Klebeband an den Spulenkern gelebt, Rollfilme sind mit Klebeband auf das Schutzpapier geklebt. Vor einiger Zeit berichtete mir ein Leser (dessen Namen ich leider nicht mehr weiß und dessen Mail leider unauffindbar ist), er habe zur Untersuchung der Wirksamkeit seiner Wässerungsmethode durch ein Analytik-Labor Filmstücke analysieren lassen, und dabei sei Erstaunliches zu Tage gekommen: Manche der Filmstücke, alle aus demselben Film, wiesen eine um ein Vielfaches höhere Thiosulfat-Restkonzentration auf als andere. Der Schuldige war bald gefunden: Die Stücke mit der hohen Thiosulfat-Konzentration waren die, die beim Trocknen unterhalb des Klebestreifens gehangen hatten. Aus dem Film wässert das Thiosulfat schnell aus, aber aus dem papiernen Klebeband nicht. Wenn dann Restwasser aus dem Klebeband am Film herunterläuft und eintrocknet, kontaminiert es ihn.

Fazit: Klebeband nicht durchreißen, sondern möglichst vom Filmende komplett abknibbeln oder den Film vor dem Klebeband abschneiden. Wenn das alles nicht geht, sollten Sie wenigstens das mit Klebeband "behaftete" Ende vor dem Trocknen, besser noch vor dem Wässern, abschneiden oder wenigstens nach unten hängen.

Netzmittel

Gut Ding will Weile haben!
Setzen Sie Ihr Netzmittel nicht erst an, wenn Sie es brauchen! Beim Ansatz entsteht durch die Mischerei oft Schaum, und Dank großer Oberfläche und geringem Gewicht läuft er nur schlecht von der Filmoberfläche ab. Konsequenz: Er trocknet auf dem Film ein und hinterlässt Flecken. Ich habe mir deswegen schon vor Jahren angewöhnt, mein Netzmittel schon vor dem Entwickler anzusetzen. Auf die Weise hat evtl. entstehender Schaum mindestens ein Viertelstündchen Zeit zu zerfallen. Aber möglichst abgedeckt stehen lassen, damit wenig Staub hineinfällt.

Falsche Sparsamkeit

Netzmittel sollte man nur dann mehrfach verwenden, wenn hintereinander weg mehrere Filme verarbeitet. Es ist nicht für mehrfache Nutzung gemacht. Seine Kapazität, wenn man sie so nennen möchte, würde dafür sicher ausreichen (von oberflächenaktiven Stoffen reichen kleinste Mengen). Aber das Zeug wird schnell gammelig, und es sammelt Staub.

Wenn Sie 250 ml ansetzen und darin nacheinander vier Filme baden (Das mache ich oft.) klappt das prima. Aber aufheben bis zum nächsten Tag – nein danke.

Von der Praxis, Netzmittel mittels Sprühflaschen auf den Film aufzutragen halte ich wg. der unvermeidlichen Schaumbildung (s.o.) und der meist praktizierten längeren Lagerung des angesetzten Netzmittels gar nichts.

Hier lohnt überzogene Sparsamkeit m.E. kaum. Schließlich ist die Anschaffung einer Flasche Netzmittel für weniger als 5 Euro angesichts der Verdünnungen von 1+100 bis 1+1 000 für die meisten von uns schon fast eine mittelfristige Investition.

Schaum vor dem Mund durch Netzmittelreste?

Nein, ich rede nicht über die Gefahren, die entstehen, wenn man Laborgefäße auch für Nahrungsmittel verwendet. Das tut doch wohl niemand, der halbwegs klaren Verstandes ist, oder? Aber man kann schon Schaum vor dem Mund kriegen, wenn der Entwickler durch Netzmittelreste so schäumt, dass man beim Kippen der Dose den Eindruck hat, der Entwickler hätte gar keinen Platz mehr.

Keine Angst: Nach meinen Erfahrungen ist es nicht so schlimm. Auch mir ist das schon passiert, und die entsprechenden Filme wurden astrein entwickelt. Diese Erklärung für fehlentwickelte Filme habe ich eigentlich nur in der Anfangszeit im Zusammenhang mit Gigabitfilm gehört. Auf der anderen Seite weiß ich, dass Herr Schain von SPUR seinem speziell auf den Agfa Copex Rapid (Gigabitfilm ist auch nichts anderes Agfa Copex Rapid, verkauft mit spezieller Chemie.) abgestimmten Entwickler gezielt Netzmittel zusetzt. Es kommt also sehr auf die Entwicklerzusammensetzung an.

In alten Büchern liest man mitunter sogar noch die Empfehlung, dem Filmentwickler eine winzige Menge Netzmittel (schlimmer noch: Spülmittel) zuzusetzen, um die Benetzung des Films zu beschleunigen und gleichmäßiger vonstatten gehen zu lassen. Ich würde das heute nicht mehr empfehlen. Zum einen waren die damaligen Filme robuster als ihre heutigen, hoch- und vielleicht teilweise überzüchteten Nachkommen. Zum anderen gehe ich davon aus, dass die Fotochemie-Hersteller über die letzten 30 bis 40 Jahre erheblich dazugelernt haben und ihren Entwicklern im eigenen Sinne alles zusetzen, was für eine gleichmäßige Entwicklung nötig ist.

Dennoch sollte man im Sinne einer reproduzierbaren und sauberen Arbeitsweise die Verschleppung von Chemikalien grundsätzlich vermeiden. Würde man die Filmspiralen nach der Schlusswässerung trocknen lassen, wäre ja alles prima. Sie wären dann mindestens so sauber wie ein gewässerter Film, sollten also per Definition richtig sauber sein. Aber das Netzmittelbad kommt danach, und – wie gesagt – winzige Spuren Netzmittel reichen, um eine Wirkung zu erzielen. Damit meine Spulen netzmittelfrei sind, verfahre ich wie folgt: Nach Entnahme des Films spüle ich die (zerlegten) Spulen und meine geliebte Salatschleuder (Trocknen) mit Wasser aus. Dann nutze ich die Schleuder als Schüssel, in der ich die benutzten Spulen mit Wasser bedeckt ein Weilchen liegen lasse. Nach einem weiteren Wasserwechsel sind die Spulen nach meinen Erfahrungen sauber.

Beim Tank stellt sich das Problem nicht, wenn man für das Netzmittelbad nicht denselben Behälter nutzt wie für die restliche Verarbeitung. Ich habe ein altes Tankunterteil, das ich nur noch für diesen Zweck benutze. In das Netzmittelbad tauche ich immer nur die nötigsten Dinge, will sagen: ausschließlich die Spulen mit den Filmen, nicht aber Spulenachse und anderes entbehrliches Zubehör. Die beste Kontamination ist nämlich die, die nicht stattfindet.

Einen Nachtrag zu diesem Artikel finden Sie im nächsten Kolumnenbeitrag.