Kolumne

Ein paar Linien mehr machen noch keine Großformatqualität
Was bringen Mikrofilme in der bildmäßigen Fotografie?


Thomas Wollstein
August/Sept. 2003


Vorrede (dürfen Sie überspringen, ist nur Historie)

Was war das noch für ein Trubel, als die erste Hochauflösungsfilme auf den Markt kamen! Von der Revolution in der Fotografie war die Rede, von Großformatqualität vom KB-Negativ, vom schärfsten Film aller Zeiten usw.

Nach anfänglicher Goldgräberstimmung ist inzwischen wieder etwas Ruhe eingekehrt. Es hat sich gezeigt, dass mit Hochauflösungsfilmen zwar ganz hervorragende Bildqualitäten zu erreichen sind, dass aber längst nicht jeder damit glücklich sein kann. Ich wurde durch einen Zufall auf die nicht besonders aggressiv beworbenen Produkte von Herrn Schain aufmerksam, speziell den Agfa Copex Rapid, einen eigentlich nicht für bildmäßige Anwendungen gedachten Mikrofilm, mit SPUR Nanospeed Chemie. Ich bekam ein paar Testmuster, probierte Agfa Copex Rapid mit SPUR Nanospeed aus und war begeistert. In jüngerer Zeit hat Herr Schain einen weiteren Zaubertrank für die Hochauflösung ersonnen, den Entwickler SPUR Imagespeed, der zusammen mit einem anderen Mikrofilmmaterial einen weiteren Schritt nach vorn darstellen sollte.

Schon bei der Paarung Agfa Copex Rapid/SPUR Nanospeed behaupteten einige Kritiker, das sei doch alles Humbug. Schon ein Ilford Delta 100 würde bei richtiger Aufnahme und Verarbeitungstechnik mehr leisten als die besten Objektive hergeben würden. Was sollte da ein noch „besseres“ Verfahren liefern? Die Recherchen zu dieser Frage haben mir eine ganze Reihe von grundsätzlichen Sachverhalten klar gemacht, über die ich mir bisher wenig Gedanken gemacht hatte. Meine Einsichten in dieses Gebiet verdanke ich der Lektüre von Artikeln von Herrn Schain, Gesprächen mit ihm sowie Experimenten mit Filmen, die er mir dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. Es ist daher nicht mehr als recht und billig, denke ich, wenn ich seine Produkte als Aufhänger für diesen Artikel wähle, an dessen Ende Sie sich, so hoffe ich, selbst ein Bild machen können, was Hochauflösung Ihnen bringen könnte.

Was ist ein „Hochauflösungsfilm“?


Die heutigen Standardfilme haben schon ein Auflösungsvermögen, das die meisten Fotografen nicht auskosten (können). Die Spitzenreiter bei den konventionellen Filmen sind:

Film

Auflösungsvermögen bei Kontrast 1:1000

MACO PO 100c

260 lp/mm

Kodak T-max 100
Fuji Neopan 100 Acros*)

200 lp/mm

Anmerkung: Bei dem in manchen Zeitschriftenartikeln für den Fuji Neopan 100 ACROS angegebenen Auflösungsvermögen von 400 lp/mm muss es sich nach meinem Verständnis (und dies wird durch andere bekräftigt) um einen Mess- oder Druckfehler handeln. Selbst Fuji behauptet im Datenblatt [4] für den Film nicht mehr als 200 lp/mm.

Aber was bedeuten diese Zahlen?

Die Frage, die man sich praktischerweise stellen muss, ist doch die:

Was schränkt die Auflösung des Gesamtsystems Objektiv – Film ein?

Gute moderne Optiken bringen es auf ein Auflösungsvermögen von rund 500 lp/mm unter optimalen Bedingungen, d.h. insbesondere bei einem Kontrast von 1:1000. Dabei geht es allein um die optische Leistung, Fehler wie Verwacklung usw. sind nicht das Thema.

Auflösung vs. Schärfe

Die Begriffe Auflösung und Schärfe werden oft durcheinandergeworfen. Wie in meinem Artikel über die Optimierung der Schärfentiefe in Landschaftsaufnahmen (Schärfentiefe und Auflösung, Bild 3) erläutert, sind die beiden Begriffe zu trennen. In [1] legt Ctein dar, dass für den Schärfeeindruck eines aufgelösten Linienpaars eine um den Faktor drei höhere Auflösung erforderlich ist als allein für die Tatsache, dass das Linienpaar aufgelöst wird.

Dies ist aber auch höchstens die Hälfte der Wahrheit. Für Filme angegebene Nennwerte der Auflösung gelten zunächst für einen Kontrast von 1:1000. D.h. der Kontrast zwischen dem Schwarz der Linie und dem Weiß des Hintergrundes beträgt 1:1000 oder – das ist für uns Fotografen anschaulicher – rund 10 (!) Blendenstufen. Herr Schneege von Ilford nannte mir als Daumenregel, dass man für die meisten praktischen Fälle mit etwa der Hälfte der Nenn-Auflösung rechnen kann. Tatsächlich geht es uns bei praktischen Aufnahmen aber in aller Regel darum, Details aufzulösen, bei denen zwischen „Hell“ und „Dunkel“ innerhalb eines Bereichs im Bild nur geringe Helligkeitsunterschiede vorliegen. Dies gilt insbesondere für die so wichtige Schattenzeichnung.

Kontrast: En Gros

Mikrofilmmaterial ist zunächst zur Ablichtung von Dokumenten gedacht und verhält sich daher auch sehr ähnlich wie Dokumentenfilm. Filme wie der nicht mehr angebotene Agfaortho 25 und sein Nachfolger MACO Ort 25c weisen eine extrem steile Schwärzungskurve auf, da normalerweise nur von ihnen verlangt wird, möglichst trennscharf zwischen Schwarz und Weiß zu unterscheiden. Für die bildmäßige Fotografie, wo es auf stetige Tonwertabstufungen ankommt, sind sie nur zu gebrauchen, wenn man sie mittels speziell formulierter kontrastmindernder Entwickler (z. B. SPUR Dokuspeed, LP-DOCUFINE LC, Tetenal Neofin Doku) zähmt.

Wir reden an dieser Stelle über den Globalkontrast, d.h. darüber, wie der Film „im Großen“ Helligkeitsunterschiede umsetzt. Beschrieben wird der durch die Schwärzungskurve bzw. den Gradienten. Wichtig für die Auflösung von Details in Fotos ist aber insbesondere der Detailkontrast, das Verhalten des Films bei der Umsetzung von Helligkeitsunterschieden im Kleinen.

Kontrast: En Détail

Von Detailkontrast reden wir in den Bereichen hoher Auflösung. Machen Sie mit mir ein Gedankenexperiment: Wir betrachten zwei (hier recht dicke) schwarze Linien auf weißem Grund. Die beiden Linien sind ein Stück weit auseinander. Zwischen den Linien ist dann ein weißer Bereich. Jetzt rücken wir die Linien immer weiter zusammen. Was passiert? Irgendwann ist der weiße Bereich von jetzt auf gleich „weg“. Aber bis zu diesem Zeitpunkt vorher war er noch rein weiß. Im Idealfall zweier wirklich scharfer Balken gibt es nur die Zustände „weißer Zwischenraum“ und „kein Zwischenraum“, nichts sonst.

Jetzt machen wir dasselbe mit zwei unscharfen schwarzen Linien. Wenn wir die immer näher zusammenbringen, fangen die Unschärfen irgendwann an, zu überlappen. Der Bereich zwischen den Linien ist ab dem Moment nicht mehr weiß, sondern grau. Das veranschaulicht Bild 1.

 32-Bild1
Bild 1: Zur Veranschaulichung der Modulationsübertragungsfunktion (MTF)

Wir betrachten nun den Kontrast zwischen dem Bereich zwischen den Linien und den Linien selbst. Bei ideal scharf berandeten Linien sei dieser Kontrast – Weiß zu Schwarz – 100%. Er bleibt in unserem Experiment bei den scharfen Linien bis zuletzt 100%, weil wir die Linien als ideal scharf berandet angenommen hatten.

Bei den unscharfen Linien nimmt der Kontrast schon ab, bevor die Linien zusammenstoßen. Die Unschärfebereiche überlagern sich, und statt weiß/schwarz haben wir grau/schwarz, deutlich weniger als 100%.

Man sieht, glaube ich, ganz intuitiv ein, dass der Zwischenraum zwischen den beiden unscharfen Linien schon früher „verschwunden“ sein wird als der zwischen den scharfen Linien. 
Das Pendant der im Bild simulierten Unschärfe ist die Konturenschärfe in einem Film. Kein Film hat eine ideal 100%ige Konturenschärfe. Es ist sogar so, dass Mikrofilme aufgrund der Tatsache, dass sie für diesen Zweck eigentlich nicht gemacht wurden, bei bildmäßiger Anwendung eine schlechtere Konturenschärfe aufweisen als konventionelle Filme.

Der von mir definierte Kontrast (weiß/schwarz bzw. grau/schwarz) ist sozusagen eine primitive Version der Modulationsübertragung. Je kleiner der Abstand zwischen den unscharfen Linien wird, desto geringer wird meine Modulationsübertragung.

Bei Filmen werden zur Darstellung der Auflösung so genannte Modulationsübertragungskurven (MTF = Modulation Transfer Function) angegeben. Sie geben die Modulationsübertragung in Prozent (eine Art Kontrast) als Funktion der Ortsfrequenz in Zyklen je Millimeter (eine Art Linienabstand) an. Kodak gibt sie z. B. für T-max-Filme in [2] an.

Für Bild 2 habe ich Werte aus verschiedenen Datenblättern von Kodak (die leider nicht als Zahlen vorliegen, sondern nur als Kurven, daher sind die Werte nicht sehr genau) mit einander verglichen. Hier zeigt sich deutlich der Unterschied zwischen dem konventionellen T-max 100 und dem Mikrofilm Imagelink HQ.


32-Bild2
Bild 2: Grobe MTF-Kurven für Kodak T-max 100 und Kodak Imagelink HQ im Vergleich
(Pink: Imagelink. Blau: T-max)


Schärfe = ?

Zurück zur Startfrage: Für den Schärfeeindruck ist einerseits die Auflösung von Belang, andererseits der Detailkontrast und die Konturenschärfe. Von der Auflösung her sehen die Mikrofilme grundsätzlich besser aus als konventionelle Filme, aber nach dem oben Gesagten nicht von der Konturenschärfe her. Die Folge ist, dass ein konventioneller Film bei bestimmten Vergrößerungsmaßstäben wegen seiner Konturenschärfe (Die kann besser sein, weil der Film für bildmäßige Anwendung optimiert ist.) schärfer aussehende, wenn auch geringer aufgelöste Bilder erzeugen kann. Bei großen bis sehr großen Vergrößerungsmaßstäben fällt dann die bessere Auflösung des Mikrofilms wieder ins Gewicht.

Empfindlichkeit – wenn man sie denn so nennen mag

Bei Mikrofilmen spielt die Empfindlichkeit (wie bei anderen Dokumentenfilmen) keine große Rolle. Ist der Film unempfindlich, im Fotografenjargon „langsam“, so belichtet man eben länger oder holt sich stärkere Lampen. Den abzulichtenden Vorlagen ist das meist egal. Sie laufen nicht weg.

Anders bei der bildmäßigen Fotografie: Hat es mitunter Vorteile, wenn man bestimmte Motive per Langzeitbelichtung aufnimmt (Herumlaufende Menschen kommen dann nicht mit aufs Bild.), so sollte die Empfindlichkeit in den meisten Fällen aus praktischen Gründen doch nicht zu klein werden. Praktisch hat sich in der Mehrzahl aller Fälle als untere Grenze der Empfindlichkeit für bildmäßig zu verwendende Filme ein Wert von ISO 25/15° eingebürgert. Schon damit hat man oftmals Schwierigkeiten, bei Landschaftsaufnahmen Blätter noch scharf abzubilden.

Ein Teil der Kunst bei der Formulierung eines Entwicklers wie SPUR Imagespeed besteht denn auch darin, dem Mikrofilm eine möglichst hohe nutzbare Empfindlichkeit abzutrotzen, ohne Auflösung und Schärfe zu beeinträchtigen und dabei gleichzeitig den Kontrast innerhalb bildmäßiger Grenzen zu halten.

Korn

Über Filmkorn und Körnigkeit kursieren die wildesten Dinge. Was ist das ominöse Korn?

Das Bild besteht aus feinen Partikeln elementaren Silbers. Diese haben nicht etwa die Form von „Klumpen“, wie der Name Korn suggerieren könnte, sondern sind eigentlich feine Silberfädchen, auch Filamente genannt, die mit einander verknäuelt sind. Was wir im fertigen Bild als „Korn“ sehen, sind eigentlich kleine Löcher zwischen den Knäueln.

De gustibus non est disputandum. (Über Geschmack lässt sich nicht streiten.) Wenn sich zwei Menschen über dasselbe Korn unterhalten, kann es durchaus passieren, dass ein unbefangener Zuhörer gar nicht merkt, dass die beiden über dasselbe reden. So verschieden sind die Ansichten darüber, wie viel Korn man haben möchte oder zu ertragen bereit ist. 
Korn kann dem Schärfeeindruck sehr zuträglich sein: Das Gehirn hat den Eindruck, ein Bild sei scharf, wenn das Bild viele feine und feinste Details enthält. Scharf abgebildetes Korn kann diese Rolle übernehmen und als Feinstruktur das Gehirn zu der Annahme verleiten, ein Bild sei scharf, auch wenn es eigentlich nicht scharf ist.

Das Korn eines gegebenen Films kann in recht weiten Grenzen durch die Belichtung und Entwicklung beeinflusst werden.

Es gibt allerdings ein objektives Maß für das Negativkorn, die so genannte RMS-Körnigkeit. Dabei wird in einer einheitlichen Fläche des Films mit einer bestimmten großflächigen Dichte (hier: 1,0) mit einem Mikrodensitometer gemessen. Ein Mikrodensitometer ist ein Densitometer, auf dessen Messkopf eine sehr enge Messblende sitzt (hier: 48 µm Durchmesser). Wenn man den Messkopf verschiebt, sieht man, dass auch eine einheitlich dichte Fläche auf kleinen Strecken deutliche Dichteschwankungen aufweist. Ein Mittelwert (Effektiv- oder RMS-Wert) dieser Schwankungen ist bei Angabe des Messblendendurchmessers ein praktikables Maß für die Körnigkeit, wenn man ihn mit unter identischen Bedingungen (insbesondere gleicher Blendendurchmesser und gleiche Dichte im Messbereich) gewonnenen Werten anderer Filme vergleicht. Beispielhaft seien ein paar RMS-Werte zitiert, die unter identischen Bedingungen gewonnen wurden:

Film

RMS-Körnigkeit

Kodak Technical Pan

5

Kodak Imagelink HQ

6

Fuji Neopan 100 ACROS

7

Kodak T-max 100

8

Agfa Copex Rapid

9

Kodak T-max 400

10

Man muss es Herrn Schain lassen, dass er seine Produkte nicht „schönlügt“: Ich persönlich empfand meine Großvergrößerungen mit Agfa Copex Rapid und Kodak Imagelink HQ beeindruckend kornarm (die des Copex schon körniger als die des Imagelink) und hatte das in meinem ersten Entwurf dieses Artikels auch so dokumentiert. Hier der O-Ton von Herrn Schain dazu:

„Bin allerdings der Meinung, daß der Unterschied zwischen Imagelink und Copex im Korn doch größer ist als von Ihnen dargelegt! Das Korn vom Imagelink entspricht etwa dem des Technical Pan, der als der bisher feinkörnigste Film gilt. Das Korn vom Copex ist doch deutlich gröber und manchmal (vor allen Dingen in den Himmelspartien, wenn der Himmel etwas Deckung hat) sogar schlechter als das vom Tmax 100.“

Haltbarkeit

Mikrofilme dienen der Archivierung und werden i.d.R. in maschinell verarbeitet. Sie müssen also mechanische Beanspruchungen durch die Entwicklungsmaschinen aushalten und nachher archivbeständig sein. Der Filmträger ist deswegen Polyester, und dieses Zeug ist reißfest und haltbar.

Aber: Fein verteilte Silberkörner sind anfälliger für aggressive Umweltchemikalien wie SO2 und NOx. Das liegt vermutlich daran, das so fein verteilte Körnchen bezogen auf die Bildsilbermenge eine riesige Oberfläche haben, die aggressiven Agenzien zugänglich ist. Das ist vermutlich der Grund, warum Mikrofilmarchive oft mit Haltbarkeitsproblemen der fertig verarbeiteten Filme zu kämpfen haben. Es bilden sich oft so genannte „Red Spots“. Man sollte daher aus meiner Sicht Mikrofilme wie Agfa Copex Rapid und Kodak Imagelink HQ, aber auch Dokumentenfilme wie MACO Ort 25c und andere feinkörnige Filme wie Kodak Technical Pan oder MACO TP 64c, MACO UP 25p, Efke KB 25 usw. am Schluss der Verarbeitung in einem Stabilisatorbad wie Agfa Sistan (s. Archivfeste Tonungen) oder Fuji AG Guard (m.W. in Europa nicht verfügbar) baden, um Problemen vorzubeugen. Agfa Sistan ersetzt dann auch das Netzmittel. Nach dem Sistan-Bad darf nicht mehr gewaschen werden. Agfa Sistan hat keinen wie auch immer gearteten Einfluss auf den Bildton oder die fotografischen Eigenschaften des Silberbildes und ist – das hat lt. Agfa das Image Permanence Institute (IPI) inzwischen nachgewiesen – ein wirksamer Schutz für das Bildsilber.

Des Pudels Kern: Die Anwendung

Erfreulicherweise muss man zur Anwendung der Filme und ihrer Verarbeitung nur wenig sagen. (Ärgerlich für den Kolumnisten: Er hat nicht viel zu schreiben.) Behandeln Sie Agfa Copex Rapid und Kodak Imagelink HQ wie andere Filme auch. Legen Sie sie nicht im prallen Sonnenschein in die Kamera ein und packen Sie während des Einspulens in die Entwicklungsspirale nicht auf die Schicht. Ansonsten gilt praktisch alles, was ich bereits unter Negativverarbeitung beschrieben habe.

Natürlich müssen Sie bei der Aufnahme wie auch bei der Vergrößerung sehr sorgfältig arbeiten, wenn Sie das Potenzial der Filme ausschöpfen wollen. Achten Sie also auf

aber das sind alles Dinge, die zur „guten Handwerkspraxis“ gehören. Wenn Sie in Grenzbereiche vorstoßen, werden immer kleinere Effekte fühlbar, und nur wenn Sie alle Parameter optimieren, wird das Resultat wirklich optimal sein.

Die beiden Entwickler SPUR Nanospeed und SPUR Imagespeed kommen in 50-ml-Fläschchen daher und sind auch nach Teilentnahme (Sie brauchen 25 ml für einen Film.) recht haltbar. Trotzdem empfiehlt sich der nachgerade genial einfache Tipp von Herrn Schain, nach der Entnahme der ersten 25 ml des Konzentrats aus der Flasche diese mit Wasser aufzufüllen. Damit ist kaum noch Sauerstoff in der Flasche, der den Entwickler oxidieren kann, und man kann beim nächsten Ansatz ganz einfach den gesamten Flascheninhalt in eine Mensur kippen und auf 250 ml auffüllen, um seinen Entwickler fertig zu haben.

Die Fixage ...

... verdient es aber doch noch, kurz extra erwähnt zu werden: Die beiden Filme haben Emulsionen mit extrem geringen Silbergehalt. Dadurch fixieren Sie in modernen Hochleistungsfixierbädern blitzartig aus. Klärzeiten von 15s (Dies entspricht einer Fixierzeit von 30 bis 45s.) sind normal. Wenn Sie dann (Stichwort: „Mach‘ ich immer so!“) stur nach Beipackzettel des Fixierbades 3 Minuten fixieren, kann es schon dazu kommen, dass von den chemisch angreifbaren (s.o.) feinen Körnchen ein paar weggefressen werden. Bestimmen Sie also bei Mikrofilmen auf jeden Fall die Klärzeit und fixieren Sie für etwa die doppelte bis dreifache Zeit, aber nicht länger.

Mikrofilme und Filmscanner

Die immer beliebter werdenden Filmscanner für Privatanwender sind für Farbfilme optimiert. Bei Farbfilmen besteht aber das Bild aus diffusen Farbstoffwölkchen. Bei Silberhalogenid-Negativen besteht es dagegen aus „Körnern“ mit wesentlich schärferen Grenzen. Damit haben Filmscanner so ihre Probleme, die dazu führen, dass das Filmkorn in Ausdrucken von Scans störender hervortritt als bei gleich großen nasschemisch erzeugten Vergrößerungen. Dieses Problem ist bei so feinkörnigen Filmen keines mehr.

Ein zusätzlicher Bonus ist die glasklare, nicht eingefärbte Unterlage der beiden Mikrofilme. Mikrofilmnegative lassen sich daher ganz hervorragend scannen und weiterverarbeiten. 

Es bleibt allerdings – leider – dabei, dass Staub- und Kratzerkorrekturfunktionen auf Basis von IR-Scans, wie z. B. ICE3 bei Nikons Coolscan-Modellen und gleichwertige Funktionen, die von Canon, Epson und anderen Herstellern angeboten werden, nicht funktionieren. Das liegt daran, dass diese Funktionen nur funktionieren können, wenn das Bild selber, anders als der Staub, im Infraroten transparent ist, und das sind organische Farbstoffe, aber Silber ist es nicht.

Nach so vielen Ähnlichkeiten: die Unterschiede

Nicht nur mich selbst, sondern auch Herrn Schain habe ich schon bei der ersten Ankündigung seines neuen Verfahrens gefragt, worin eigentlich die Unterschiede zwischen Agfa Copex Rapid und Kodak Imagelink HQ bestehen. Zunächst sah es für mich fast so aus, als wolle Herr Schain sich selbst Konkurrenz machen. Aber es gibt Unterschiede:

 

Agfa Copex Rapid entwickelt in SPUR Nanospeed

... ist von den beiden Filmen eindeutig der gutmütigere. Sie können ihn guten Gewissens „im Zweifel etwas reichlicher“ belichten, ohne deswegen gleich kugelsichere Lichter und schwer vergrößerbare Negative zu erzeugen. Er ist auch rund 1/2 bis 2/3 Blende empfindlicher als Kodak Imagelink HQ. Die Empfindlichkeit des Agfa Copex Rapid beträgt rund ISO 40/17°. Die Auflösung ist dafür etwas geringer als beim Kodak Imagelink HQ, das Korn ist deutlich ausgeprägter (s.o.).

 

Kodak Imagelink HQ entwickelt in SPUR Imagespeed

 ... vermittelt einen erheblich besseren Schärfeeindruck. Ich führe das auf den gegenüber dem Agfa Copex Rapid größeren Detailkontrast zurück. Die Auflösung ist, wie oben schon erwähnt, geringfügig höher als beim Agfa Copex Rapid. Geschlossene Flächen einheitlicher Helligkeit kommen bei beiden Filmen bei den gängigen Vergrößerungsmaßstäben (25fach ist wohl nicht mehr „gängig“.) ziemlich kornarm, beim Kodak Imagelink HQ mit einer Nasenlänge Vorsprung.

Den Agfa Copex Rapid habe ich als „gutmütig“ bezeichnet. Der Kodak Imagelink HQ verhält sich hinsichtlich Belichtungsspielraum eigentlich so, wie man es von „normalen“ Filmen her gewohnt ist. Er reagiert also auf Überbelichtung und Überentwicklung wie die meisten anderen SW-Negativfilme auch: Er liefert harte, vielleicht manchmal etwas schwerer vergrößerbare Negative. Um das beim Agfa Copex Rapid zu erreichen, muss man sich schon anstrengen.

Die Sensibilisierungskurve des Kodak Imagelink HQ erstreckt sich nicht so weit in den roten Bereich wie die eines üblichen panchromatischen Films. Im Prinzip handelt es sich daher bei diesem Film auch um einen orthopanchromatischen Film. Die Effekte der geringeren Rotempfindlichkeit habe ich detailliert in meinem Beitrag zu Fuji Neopan 100 Acros und MACO PO 100c (Orthopanchromatische Filme) beschrieben. Eine der von mir genannten Anwendungen waren simulierte „Antik“-Fotos. Die frühen Materialien hatten eine im Trend eher „blaulastige“ Sensibilisierung, die Ihnen eine bestimmte Wirkung verleiht. Gleiches gilt eingeschränkt auch für den Kodak Imagelink HQ. In Photo.net (http://www.photo.net/bboard/q-and-a-fetch-msg?msg_id=004yLt und http://www.photo.net/photodb/folder?folder_id=299866) zeigt Herr Schweigl sehr gelungene Ergebnisse derartiger Experimente. Hier wird die Wirkung noch dadurch unterstützt, dass ein sehr lichtstarkes Objektiv (Noctilux) bei voller Öffnung verwendet wurde. Der resultierende Schärfeabfall von der Bildmitte nach außen (der selbst bei einem solch tollen Objektiv auftritt) sowie die geringe Schärfentiefe unterstützen die Bildwirkung noch.

Wann lohnt sich ein hochauflösender Film?

Aus der Fragestellung geht schon hervor, dass Mikrofilme nicht immer automatisch die „besseren“ Bilder ergeben.

Wenn Sie ein Motiv groß ins Bild setzen und das endgültige Bild nicht sehr stark vergrößern, wird von der theoretisch vorhandenen Auflösung des Materials möglicherweise nicht viel genutzt. Erstens sind bei dem schon im Negativ groß abgebildeten Motiv auch die feinen Details noch recht groß, und zweitens werden Dinge, die der Film noch aufgelöst hat, so klein wiedergegeben, dass das Auge sie im Bild nicht auflösen kann. Hier lohnt der Mikrofilm nicht, im Gegenteil: Aufgrund seiner schlechteren Konturenschärfe kann der Bildeindruck insgesamt weniger scharf ausfallen. Ein Beispiel könnte eine formatfüllende Porträtaufnahme sein, die nur mäßig vergrößert wird. (Vielleicht 18 ´ 24 cm, eine genaue Grenze lässt sich nicht angeben.)

Wenn Sie auf der anderen Seite eine gotische Kathedrale mit dem 28er Weitwinkel in Gänze abbilden und davon ein Poster im Format 40 ´ 60 cm erzeugen, hat der Mikrofilm eindeutig die Nase vorn. Hier würde der konventionelle Film Details nicht mehr auflösen, die der Mikrofilm (Gute Aufnahmetechnik immer vorausgesetzt!) noch darstellt.

Auf den Punkt gebracht:

Motiv im Negativ groß, 
Vergrößerungsfaktor nicht groß
=> konventioneller Film

Motiv im Negativ klein und feinstrukturiert, 
Vergrößerungsfaktor groß
=> Mikrofilm

Wenn Sie hochauflösenden Film verwenden möchten/müssen ...

Welcher hochauflösende Film ist der richtige für Sie?

Der Agfa Copex Rapid ist der Film der Wahl für die Miniaturkamera- und Minox-Gemeinde, bei deren winzigen Negativen es wegen der nötigen großen Vergrößerungsmaßstäbe auf jede mögliche Qualitätsreserve ankommt. Auf der anderen Seite gestatten die Miniaturkameras oft keine so präzise Belichtungsmessung, so dass man auf etwas Spielraum angewiesen ist.

Auch in anderen Situationen, wo es auf Belichtungsspielraum ankommt, also extrem kontrastreiches Licht, würde ich persönlich dem Agfa Copex Rapid den Vorzug geben. Auch wer ob der neuen Technik Berührungsängste hat, möge zunächst den Agfa Copex Rapid ausprobieren. Die Verarbeitung ist aus meiner Sicht ziemlich tolerant, fast narrensicher.

Der Kodak Imagelink HQ auf der anderen Seite ist der Film der Wahl für all die Fälle, wo die Lichtsituation normalen oder gar niedrigen Kontast aufweist (Entwicklungen bis N+3 sollen möglich sein, hab’s aber noch nicht probiert.) und es auf kornarme bis kornlose, hoch aufgelöste Bilder ankommt.

Fazit

Großformatqualität vom KB-Negativ werden Sie auch mit Mikrofilmen nicht erzeugen, denn bei Großformataufnahmen können Sie bei gleicher Detailgröße im fertigen Bild einen Bereich von Ortsfrequenzen im Negativ nutzen, wo auch konventionelle Filme noch prima mit der Auflösung mithalten können, aber von der Konturenschärfe her besser aussehen als der vom KB viel stärker vergrößerte Mikrofilm. Aber die beschriebenen Filme werden Sie bei richtiger Handhabung in Lage versetzen, vom KB-Negativ Bilder mit bis dato unerreichbarer Qualität zu erzeugen, wie Sie mancher Großformat-Fotograf vielleicht aufgrund seiner nicht ganz so stringenten Arbeitsweise nicht zu erzeugen vermag.

Literaturhinweise
[1] Ctein, Post Exposure - Advanced Techniques for the Photographic Printer, Focal Press 1997, ISBN 0-240-80229-3 (Dieses Buch ist vor einiger Zeit in etwas veränderter Form neu erschienen.)
[2] KODAK PROFESSIONAL T-MAX Films: Tech Pub F-4016 http://imaging.kodakalaris.com/sites/prod/files/files/products/f4016_TMax_100.pdf
[3] H. Schain, Die spezielle Problematik der Verwendung von Mikrofilmen in der bildmäßigen Fotografie (Fachaufsatz, erhalten von H. Schain, 23. Juni 2003).
[4] Datenblatt Fuji Neopan 100 ACROS: http://www.blende7.at/datenblaetter/fuji/Acros.pdf